Petrosphäre 2/14

Petrosphäre Nr. 2 / Juni 2014

Anteil der Verkehrszwecke an der Tagesdistanz 2010

5,7%

4,8%

24,3% Arbeit

Ausbildung Einkauf Geschäftliche Tätigkeit, Dienstfahrt Freizeit Service- und Begleitwege Andere

5,4%

12,8%

40,2%

6,8%

Quellen: Bundesamt für Statistik (BFS), Bundesamt für Raumentwicklung (ARE)

Persönlich

Umwelt: laufende Fortschritte Umwelt, Energie, Klima – Mobilität ist hier keine Randnotiz. Die inländische Mobilität braucht rund 30% unserer Energie. 93% davon sind Benzin und Diesel. Etwa 45% unserer CO 2 -Emis- sionen stammen von Treibstoffen. Doch der Treibstoffverbrauch der neu zugelassenen PW ist seit 1996 um 30% gesunken. Die CO 2 -Emissionen in Europa werden sinken: Bis 2015 sind für die Summe aller Neuwagen noch 130 Gramm CO 2 pro Kilometer zulässig, bis 2020 noch 95 Gramm. Dies entspricht einem Ver- brauch von 4,0 Liter Benzin oder 3,5 Liter Diesel. Heute fahren 99% der Schweizer PW mit Benzin und Diesel, nur 1% mit alternativem Antrieb. Vor allem Hybridmotoren werden in Zu- kunft zulegen. Bei den reinen Elektroautos ist die Reichweite noch zu gering (Batterie), das Tankstellennetz fehlt und neue Technologien wie Brennstoffzellen sind noch nicht reif. Anders gesagt: Verbrennungsmotoren werden noch lange eine tragende Rolle spielen.

Zur Bewältigung der sogenannten «Energiewende» wur- den schon viele Ideen zu Papier gebracht, die ihre Praxis- tauglichkeit erst noch zu beweisen haben. Nimmt man die Nachrichten der letzten Wochen zur Hand, kann der Leistungsausweis nicht optimistisch stimmen, weder mit Blick auf die Technik noch aus Investorensicht. Strom dank Geothermie? Lässt auf sich warten, trotz der in Basel, Zürich und St. Gallen bereits verlochten Millionen. Das Wasserschloss Schweiz als Energiespeicher für halb Europa? Projekte für Pumpspeicherwerke werden zurzeit auf Eis gelegt (Grimsel 3, Lago Bianco), weil sie wegen des subventionierten Ökostroms aus Deutschland nicht rentabel zu betreiben sind. Windenergie aus der Nordsee? Kein Anschluss unter dieser Nummer, erste Windparks (Windreich) bringen mit Insolvenzmeldungen sogar die Kleininvestoren gegen sich auf. Aufbau einer zukunfts- orientierten heimischen Industrie auf Basis der Solartech- nologie? Fehlanzeige, die Chinesen lassen grüssen und Meyer Burger zittert. Sonnenstrom aus Spanien? Seit das Land die Subventionen gekürzt hat, ist mit der solar- thermischen Anlage in Puerto Errado, in die auch Schweizer Stromunternehmen investiert haben, kein Geld mehr zu verdienen. Dann halt Solarstrom aus dem Maghreb? Aus dem einstigen Vorzeigeprojekt Desertec haben sich prominente Investoren und Technologiepartner bereits wieder verabschiedet. Die Verfechter der Energiestrategie 2050 würden gut daran tun, ob so vieler Hiobsbotschaften nochmals über die Bücher zu gehen. Doch weit gefehlt: Umweltverbände und linke Parteien warnen ausgerechnet vor dem Versagen der etablierten und krisenerprobten fossilen Energie- träger und beschwören die Risiken einer «Kohlenstoff- blase» herauf. Gleich mit drei parlamentarischen Vorstös- sen arbeiten SP und Grüne darauf hin, dass Anleger keine Wertpapiere mehr von Konzernen kaufen dürfen, welche Erdöl, Erdgas oder Kohle fördern oder entsprechende Roh- stoffreserven besitzen. Es ist zu hoffen, dass diese Ver- nebelungstaktik der Energiewender erkannt wird und nicht aufgeht.

Treibstoffverbrauch der PW-Neuzulassungen in der Schweiz

10 9 8 7 6 5 4 3 2 1 0

= – 30 %

1996 1998 2000 2002 Treibstoffverbrauch (Liter/100 km)

2006 2008

2010 2012

2004

Benzin Diesel Durchschnitt

Quelle: auto-schweiz

Infrastrukturen: Bahn im Vorteil Spitzentechnologie bringt mehr für die Umwelt als eine Blocka- de des Strassenverkehrs. Zumal echte Alternativen dazu fehlen. Denn die Züge sind voll und die Strassen verstopft, am stärks- ten in Städten und Agglomerationen und in den Stosszeiten. 2013 wurden auf den Autobahnen mehr als doppelt so viele Staustunden gemessen als fünf Jahre zuvor. Weiche Massnah- men wie mehr «Homeoffice» oder – in ferner Zukunft – «Mobili- ty Pricing» könnten die Situation etwas entschärfen. Doch es braucht auch Hardware: einen Ausbau der Infrastrukturen. Bei der Schiene sind die Weichen von Parlament und Volk für Aus- bau und Finanzierung verbindlich und langfristig gestellt (u.a. Vorlage Fabi). Bei der Strasse hingegen nicht.

Roland Bilang, Geschäftsführer Erdöl-Vereinigung

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