ETT_Jahresbericht_2021_2022

VORWORT DES VERWALTUNGSRATSPRÄSIDENTEN STEPHAN OETIKER

VON SCHWARZEN SCHWÄNEN… In seinem 2007 erschienen Buch «Der schwarze Schwan» hat Nassim Nicholas Taleb auf eindrückli- che Art beschrieben, warum es uns Menschen fast immer unmöglich ist, auf grosse Veränderungen pro- aktiv zu reagieren – selbst wenn sie schon fast direkt vor unserer Haustüre stehen. Covid-19 hat uns allen eindrücklich gezeigt, was Taleb damit gemeint hat. Noch im Januar 2019 schien es uns unvorstellbar, dass schon kurze Zeit später der gesamte globale Tourismus kollabieren und ein über Jahrzehnte auf- gebautes und erfolgreiches Geschäftsmodell kom- plett ins Leere laufen würde. Eine weitere menschliche Eigenart besteht darin, dass wir ganz lange die Erwartung in uns tragen, dass nach der Krise dann wieder alles so sein wird wie vorher. Immer wieder müssen wir aber die Erfah- rung machen, dass dem nicht so ist. Und Covid-19 ist da natürlich keine Ausnahme – auch wenn sich der Tourismus in Engelberg im Winter und laufenden Sommer schon wieder sehr gut und erfreulich erholt hat. Die Auswirkungen von Covid-19 (gerade im Tou- rismus) sind noch lange nicht abgeklungen. So feh- len aktuell allein im Schweizer Tourismus tausende von früheren Arbeitskräften, die – Coronabedingt – eine neue Anstellung in einer anderen Industrie su- chen mussten, und nun wegen u.a. regelmässigeren Arbeitszeiten und zum Teil besserer Bezahlung nicht mehr zurückkommen. Wer aktuell beispielsweise eine Köchin oder einen Koch sucht, kann ein Lied- chen davon singen.

In ein paar Jahrzehnten werden wir wohl auf die heu- tige Zeit zurückblicken und dabei feststellen, dass die 20er Jahre des 21. Jahrhunderts deshalb so heraus- fordernd und interessant waren, weil sich gleich meh- rere schwarze Schwäne gleichzeitig zeigten. Covid-19 war und ist kein isolierter «game changer», mit dem wir es zu tun haben. Das deutsche Wirtschaftsmaga- zin «brandeins» sprach diesen Sommer bereits vom «Zeitalter der Gleichzeitigkeits-Wenden». Damit ist gemeint, dass sich aktuell mehrere «Wenden» gleich- zeitig abspielen und es werden unter anderem die Mobilitäts-, die Energie-, die Demographie-, die Ar- beits- und die Klima-Wende beschrieben. … UND GOLDENEN MÖGLICHKEITEN Gerade für den Tourismus sind solche Situationen – so einschneidend sie auch sind – eher die Regel als die Ausnahme. Der Tourismus musste sich schon im- mer – wie kaum eine andere Industrie – stetig neu er- finden, um erfolgreich zu bleiben. Denn nahezu alle gesellschaftlichen Veränderungen hatten und haben immer auch eine Auswirkung auf das Freizeit- und Fe- rienverhalten von Menschen. Die Aussage, «in jeder Krise steckt immer auch eine Möglichkeit», gilt darum insbesondere für den Touris- mus schon seit Anbeginn. Und das ist auch jetzt nicht anders. Ich wage sogar zu behaupten, dass die aktu- ellen Entwicklungen sogar goldene Möglichkeiten für den Tourismus beinhalten – insbesondere für Engel- berg. Zum Teil spüren und sehen wir sie bereits.

Titelbild: Geschäftsreisen bilden ei- nen wichtigen Pfeiler für den Engel- berger Tourismus. Mit diesem Bild bewerben wir dieses Geschäftsfeld in spezifischen Kanälen.

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