Ikebana-Festschrift-Leseprobe

Aktuell vertretene Ikebana-Schulen bei Ikebana International Vienna Chapter

Fünf original japanische Ikebana-Schulrichtungen sind im I.I. Vienna Chapter vertreten (in alphabetischer Reihenfolge): Ichiyō, Ikenobō, Mishō, Ohara und Sōgetsu. Alle Schulen haben ihren Hauptsitz mit der Leitung eines Iemoto (erbliches Oberhaupt und Großmeister) in Japan.

Ichiyō-Schule

Die international bezeichnete „Ichiyō School of Ikebana“ (jap. Ichiyō-shiki) wurde 1937 durch das Geschwisterpaar Kasuya Ichiyō und Meikō gegründet, und wird seit 1983 von Kasuya Akihiro geleitet. Kasuya Meikō beschritt neue Wege im Ikebana-Unterricht, dazu gehören systematisch aufgebaute Textbücher und dazu Lichtbilder. Merkmal der Schul-Formen ist der leicht verständliche Aufbau von Linie, Form, Farbe und Leerraum. Die Balance der asymmetrischen Hauptlinien ist ein essenzielles Thema der Schule. Die Ikebana der Ichiyō-Schule zeigen Parallelen zum Rhythmus der darstellenden Künste, besonders zur Musik in der fließenden Form, aber auch in der kreuzenden Form, wobei letztere in der Ichiyō-Schule bereits Tradition hat. Tatsächlich hat die Ichiyō-Schule als erste die kreuzenden Linien in der Blumensteckkunst eingeführt, als dies allgemein noch als disharmonisch angesehen wurde. Der derzeitige Iemoto Kasuya Akihiro sagt über seinen persönlichen Zugang zu Ikebana: „ A flower’s expression changes with different environments and depending on each expression, the surrounding atmosphere also changes. I would like more and more to involve myself in that .”

Ikenobō-Schule

Mitte des 15. Jahrhunderts wird die Ikenobō-Schule erstmals urkundlich erwähnt und man verlieh ihr den kaiserlichen Titel ‚Stammhaus der Blumenlehre‘. Mit Hauptsitz in Kyōto ist sie nicht nur die älteste, sondern auch größte Ikebana-Schule Japans. Sie wird von Ikenobō Sen‘ ei, dem 45. Nachfolger, und seiner Tochter, Yuki geleitet. Gelehrt werden sowohl klassisch-traditionelle als auch freie Ikebana-Formen. Die älteste Ikebana-Form, das Rikka, symbolisiert mit seinen neun Hauptlinien den Kosmos und wurde anfangs von Priestern zu Ehren Buddhas arrangiert. Im Laufe der Zeit löste sich Ikebana aus dem religiösen Zusammenhang und verbreitete sich in Kreisen des Adels und der Samurai. Unter dem Einfluss des Zen-Buddhismus entwickelte sich ab dem 17. Jh. Shōka und Nageire als schlichtere Formen. Rikka und Shōka folgen allerdings strengen Gestaltungsregeln. Diese Regeln spiegeln

130 |  IKEBANA INTERNATIONAL Vienna Chapter – die ersten 25 Jahre

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