GOLF TIME Nov-Dez/2025
BERNHARD LANGER | COVER
Angesprochen auf seine Familie, die ihm hinsichtlich der Golfbegeisterung in nichts nachsteht, sagt Langer: „Ja, alle spielen Golf und haben Spaß daran. Meine jüngste Tochter hat vier Jahre College-Golf gespielt. Sie hat auch überlegt, es profes sionell zu versuchen, aber wir haben viel darüber gesprochen. Ich bin froh, dass sie sich dagegen entschieden hat. Profigolf ist kein einfacher Beruf – vor allem dann nicht, wenn man nicht zur absoluten Spitze gehört.“ Ob er auch die Karrieren anderer verfolge? „Ja, zum Beispiel die von Matthias Schwab. ich habe ihn von Anfang an miterlebt und immer gesagt: Wenn er es nicht schafft, dann schafft es keiner. Er hat großes Poten zial. Nach dem Tod unseres gemeinsamen „ES GIBT VIELE GROSSARTIGE ATHLETEN. ABER EINES IST SCHON AUSSERGEWÖHNLICH: ES GIBT KEINEN 68-JÄHRIGEN, DER AUF DIESEM NIVEAU NOCH SO ERFOLGREICH IST.“ BERNHARD LANGER Trainers, Willi Hofmann, Anfang 2022, musste er seinen Schwung umstellen, das hat ihm das Selbstvertrauen genommen. Wenn man einmal in so ein Loch fällt, ist es extrem schwer, wieder herauszukommen. Ich habe ihm jetzt einen Trainer emp fohlen, mit dem ich selbst in Florida ar beite. Er ist noch jung, hat viele Jahre vor sich, aber er muss wieder zu seinem Spiel finden.“ RYDER CUP: DRAMA AUF HÖCHSTEM NIVEAU Wenn Langer über den Ryder Cup spricht, verändert sich seine Stimme minimal. Sie wird ernster, tiefer, persönlicher. „Ich saß im Auto und habe die letzten Stunden verfolgt“, erzählt er. „Es war un fassbar spannend. So ein Comeback habe ich mir vorher nicht vorstellen können.“ Der Ryder Cup ist für ihn mehr als ein Wettbewerb. Er ist Erinnerung, Verant wortung, manchmal auch Schmerz. „Die Amerikaner sind im Einzel traditionell sehr stark“, sagt er. „Aber dass es so eng werden würde, war außergewöhnlich.“ Und dann spricht er über Luke Donald. Über Führung. Über Wandel. „Luke hat einen ganz anderen Stil etabliert. Nicht mehr der Kumpeltyp, der
Eine Golflegende hautnah erleben: Bernhard Langer bei der Sonderwertung an Loch 10
der Liste der Sieger stehen. „Das ärgert mich nicht“, sagt er ruhig. „Ich kann es ja nicht ändern.“ Dann wird er grundsätz lich. „Golf ist in Deutschland einfach nicht so populär. Es gibt viele großartige Athle ten. Aber eines ist schon außergewöhnlich: Es gibt keinen 68-Jährigen, der auf diesem Niveau noch so erfolgreich ist.“ In anderen Sportarten sei das undenk bar. Im Golf – möglich. Aber nur für weni ge. „Mit Ende 50 oder Anfang 60 hätte ich mir durchaus noch Ryder-Cup-Teilnah men zugetraut. Es gab Jahre, in denen ich es wirklich verdient gehabt hätte.“ Ein Satz ohne Bitterkeit. Aber auch ohne vergessen zu haben ... GT
Kapitän spielen darf, sondern jemand, der vorbereitet, analysiert, strukturiert arbei tet. Diese Professionalität hat dem Team enorm geholfen.“ Dass er Donald einst selbst per Wildcard ins Team holte, erwähnt er nicht stolz – sondern sachlich. Fast väterlich. Und er ergänzt: „Er war eigentlich gar nicht als Kapitän vorgesehen. Aber dann hat sich die Situation ergeben – und er hat diese Aufgabe mit großer Ruhe übernommen. Man hört durchweg Positives.“ ANERKENNUNG UND DIE GRENZEN Nächster Punkt: Sportler des Jahres. Ei gentlich müsste Langer da längst auch auf
Interviewtermin: GT-Chefredakteur Oskar Brunnthaler mit Bernhard Langer im Öschberghof
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