GOLF TIME 6/2025
CAPTAIN AMERICA
Mit 39 Jahren übernimmt Keegan Bradley das U.S.-Ryder-Cup-Team – jung, leidenschaftlich und voller Energie. Vom übergangenen Captains-Pick im Jahr 2023 zum in der Folge überraschend nominierten Kapitän, der mit seinem ungestümen Charakter die Teammitglieder und Fans in Bethpage motivieren und elektrisieren soll.
Von Markus Scheck
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VOM ROOKIE ZUM MAJOR-CHAMP Bradleys Profikarriere begann spektaku lär: Schon in seiner Rookie-Saison 2011 gewann er mit der PGA Championship sein erstes Major – als einer der wenigen Spieler überhaupt, die dieses Kunststück gleich in ihrem Debütjahr schafften. Rasch machte er sich einen Namen als nervenstarker
ls die Nachricht letz ten Sommer pub lik wurde, war die Überraschung groß: Keegan Bradley wird neuer Kapitän des U.S.-
das aktuelle Ryder-Cup-Team qualifiziert. Genau diese ungewöhnliche Situation sorgte für eine hitzige Debatte: Würde Bradley als erster „Playing Captain“ seit Arnold Palmer im Jahr 1963 antreten? Wochenlang schwirrten die Gerüchte durch die Golfwelt, dass er sich selbst eine Wildcard geben könnte. Letztlich verzich tete er darauf – ein kluger Schritt, um das Teamgefüge nicht zu stören. Doch Bradley ist nicht nur sportlich ein außergewöhnlicher Captain. Er ist ein Mann mit Kanten, ein Spieler, der nie davor zurückschreckte, Emotionen zu zeigen und für seine Überzeugungen ein zustehen. Legendär ist bis heute der Vorfall beim WGC - Cadillac Match Play 2015, als er mit Miguel Ángel Jiménez aneinander geriet. Es ergab sich ein Disput, der fast handgreiflich endete und der Bradley das Image eines „Bad Boys“ einbrachte. Während andere Profis Konflikten lieber aus dem Weg gingen, stand Brad ley auf, erhob seine Stimme – und legte sich damals mit einem der dienstältesten Stars der Tour an. Doch genau diese Kom promisslosigkeit könnte jetzt, beim anste henden Teamevent, eine seiner größten Stärken darstellen.
Ryder-Cup-Teams. Ein Name, den wohl kaum jemand auf dem Zettel hatte. Schließ lich galt Phil Mickelson über Jahre als logischer Nachfolger für das Kapitänsamt, doch durch seinen Wechsel zu LIV Golf hatte sich der sechsfache Major-Champion selbst aus dem Rennen genommen. Tiger Woods, die wohl charismatischste Figur des amerikanischen Golfsports, sollte es danach richten, doch am Ende wollte auch er die Herkules-Aufgabe nicht über nehmen. Und so fiel die Wahl auf einen Spieler, der mitten in seiner Karriere steht und als Typ so ganz anders ist als die meisten seiner Vorgänger. EIN HITZKOPF ÜBERNIMMT Bradley, 39 Jahre alt, gehört noch längst nicht zum alten Eisen. Im Gegenteil: Spielerisch befindet er sich in einer Art zweitem Frühling. Mit konstant guten Ergebnissen und zwei Siegen in den letz ten zwölf Monaten auf der PGA Tour, hätte er sich gut und gerne auch als Spieler für
Team USA setzt beim 45. Ryder Cup auf die Qualitäten des Hitzkopfes Keegan Bradley
GOLF TIME | 6-2025
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