GOLF TIME 6/2025

KEEGAN BRADLEY | COVER

Lebenswerk darstellte. Bradley hingegen ist jung, hungrig und steht eher am Anfang einer Kapitäns-Karriere. Dass die Verant wortlichen auf ihn setzten, hatte vor allem zwei Gründe: Zunächst die Alternativlo sigkeit nach den Absagen von Mickelson und Woods. Zum anderen die Überzeu gung, dass Bradley mit seiner Energie, seiner Leidenschaft und seiner Nähe zu den Spielern frischen Wind bringen kann. Für das U.S.-Team, das nach Jahren der Selbstzweifel wieder Selbstbewusstsein aufbauen möchte, könnte genau das ent scheidend sein: Ein Captain, der nicht nur Reden schwingt, sondern selbst weiß, wie sich ein Finaltag unter Druck anfühlt. Ei ner, der die Sprache der Spieler spricht, der ihre Routinen kennt und ihre Sorgen teilt. „ICH BIN AUFGEWACHSEN, UM BEI RYDER CUPS ZU SPIELEN. ICH WOLLTE SEITE AN SEITE MIT DIESEN JUNGS KÄMPFEN. ES HAT MIR DAS HERZ GEBRO CHEN, NICHT ZU SPIELEN.“ KEEGAN BRADLEY BEI DER BEKANNTGABE SEINER WILD-CARD-PICKS 2025 MANN FÜR GROSSE EMOTIONEN Bradley hat nie versucht, seine Leiden schaft zu verstecken. Er lebt Golf so intensiv, dass man manchmal das Gefühl hat, er könnte gleich explodieren. Für die einen ist das übertrieben, für die anderen authentisch – doch es bleibt selten ohne Wirkung. Wer ihn auf dem Platz erlebt, spürt die Energie. Genau diese Energie will er nun auf seine Mannschaft übertragen. Beim Ryder Cup geht es um mehr als um Trophäen oder Preisgeld. Es geht um Patriotismus, Stolz und Zusammenhalt. Werte, die in der amerikanischen Golfkul tur nicht immer im Vordergrund standen, aber die Bradley wie kaum ein anderer ver körpert. „Captain America“ – der Spitzna me, den ihm die U.S.-Medien direkt nach seiner Ernennung verpasst hatten, passt da wie die Faust aufs Auge. ZWISCHEN RISIKO UND CHANCE Natürlich birgt die Wahl aber auch Risiken: Bradley ist kein Diplomat, kein leiser Strip penzieher im Hintergrund. Er neigt zu Im pulsivität, zu emotionalen Ausbrüchen. Im schlimmsten Fall könnte aber genau das im Mannschaftsgefüge auch für Unruhe

Überraschungs-Pick: Keegan Bradley wird 2024 zum neuen U.S.-Ryder-Cup-Captain ernannt

oder Bryson DeChambeau nicht nur zu motivieren, sondern auch taktisch optimal einzusetzen. Eines aber ist schon jetzt sicher: Mit Keegan Bradley an der Spitze wird der Ryder Cup alles – nur nicht langweilig. Die USA haben einen Captain, der kein Blatt vor den Mund nimmt, der die Fans spal ten mag, aber sicherlich auch elektrisieren wird. Einen Captain, der bereit ist, für sein Team durchs Feuer zu gehen. Und vielleicht schreibt Bradley damit ja auch das erste Kapitel einer neuen U.S.-Ära im Ryder Cup – kompromisslos, emotional und mit einem Team voller gelebter Leidenschaft. GT

sorgen. Doch wer die Amerikaner in den vergangenen Jahrzehnten erlebt hat, weiß: Oft fehlte es nicht an Strategie, sondern an Leidenschaft. Während die Europäer durch Teamgeist und emotionale Stärke triumphierten, wirkte das U.S.-Team oft steril, fast schon distanziert. Mit Bradley an der Spitze dürfte das kaum passieren. EIN AUSBLICK AUF BETHPAGE Für Bradley wird die Kapitänsrolle auf jeden Fall die größte Bewährungspro be seiner Karriere. Er muss beweisen, dass er nicht nur der emotionale Funke, sondern auch der strategische Kopf sein kann. Dass er in der Lage ist, Stars wie Scottie Scheffler, Xander Schauffele

Keegan Bradley stand 2012 mit Freund und Mentor Phil Mickelson für Emotionen pur

GOLF TIME | 6-2025

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