GOLF TIME 6/2025

GOLFREGELN

EIN GANZ NORMALER TAG ... FALSCH GEZÄHLT Im Eifer des Gefechts kann es schon einmal passieren, dass man sich verzählt und einen falschen Score notiert. Wie sieht es hier mit den Konsequenzen aus?

gemerkt und mit einem weiteren Schlag und zwei Putts das Loch beendet. Schläge nach dem falschen Ball zählen nicht. ZÄHLEN WIR NOCH EINMAL GENAU NACH: • Der Abschlag (1) • Ball gefunden, für unspielbar gehalten und gedroppt (2) • Den Ball gespielt (3) So weit ist noch alles im Rahmen, es war zunächst ein falscher Ball. Durch das Droppen am falschen Ort aus der unspielbaren Lage wurde er aber trotzdem zum Ball im Spiel, da er neu einge setzt wurde (Definition „im Spiel“). Der ursprüngliche Ball war nicht mehr im Spiel. Als der Spieler das auf dem Grün merkte, wollte er seinen Fehler beheben – das jedoch auf falsche Art und Weise. Infolge der Suche nach dem ursprünglichen Ball, den er überraschend fand und spielte, passierte Folgendes: • Falschen Ball gespielt, Grundstrafe und Schlag, R6.3c (6) • Zwei Putts (8) Somit war das Loch nach Meinung des Spielers beendet. Würde er jetzt am nächsten Loch abschlagen, wäre er zu disqualifizieren. WAS IST ALSO DIE LÖSUNG? Der Fehler muss korrigiert werden, indem ein Ball vom richti gen Ort gespielt wird (R14.7). Das ist demnach der Abschlag des gerade gespielten Lochs, weil das – als der ursprüngliche Ball noch gesucht und dann ein Ball gedroppt wurde, – am falschen Ort geschah, der richtige Ort aber noch nicht bekannt war. So bleibt als einzige Möglichkeit nach R19.2 Schlag- und Distanzverlust, sprich: ein erneuter Abschlag. Es folgt also Schlag 9! WAS LERNEN WIR DARAUS? Der Spieler hätte den Ball markieren und sorgfältig identifizieren sollen, dann wäre der Fehler gar nicht erst passiert. Und im Zwei fel hätte er einen Regelball spielen sollen. Damit hätte noch die Möglichkeit bestanden, dass die Spielleitung das Problem im Nachhinein löst – Referees sind ja nicht immer auf dem Platz verfügbar. Ich wünsche Ihnen weiterhin ein „schönes Spiel“ – wir sehen uns auf dem Platz! GT

Abschlag mit Tücken: Kühlen Kopf bewahren, falls der Ball nicht wie geplant auf dem Grün landet ...

E

in Spieler verzieht auf einem Par 3 seinen Ball mit einem Socket nach rechts ins Rough. Er geht den Ball suchen und findet schnell einen Ball gleicher Num mer und Marke, den er für seinen Ball hält. Er befindet sich jedoch in einer unspielbaren Lage in einem alten Divot und der Spieler droppt ihn daher innerhalb von zwei Schlägerlängen nicht näher zum Loch, um ihn dann aufs Grün spielen zu können. Auf dem Grün angekommen, merkt er jedoch, dass dem Ball die eigene Markierung fehlt – es war also nicht der ursprüngliche Ball. Da aber noch gut zwei Minuten Suchzeit übrig sind, nimmt der Spieler den Ball auf und geht noch einmal auf die Suche nach dem ursprünglichen Ball. Er findet ihn zu aller Überraschung tatsäch lich, und das auch noch innerhalb der gewährten Restsuchzeit. Drei Minuten sind gar nicht so wenig, wenn man etwa weiß, wo man schauen muss. Diesen Ball identifiziert er nach R7.3 (markieren, aufheben, nicht mehr als notwendig reinigen und zurücklegen), um ihn dann aufs Grün zu spielen und mit zwei Putts im Loch zu versenken. Es handelt sich hier um eine Situation, wie sie jede Woche passiert. Meist findet sie gar nicht erst denn Weg zur Spielleitung, weil der Spieler ja glaubt, alles korrekt gemacht zu haben: Ihm ist ein Fehler unterlaufen, den er aber bemerkt und korrigiert hat. Er hat den Score (hier ein Triplebogey/6) notiert und am nächsten Abschlag weitergespielt. Aber: Sechs Schläge? War das korrekt? Vermeintlich schon: Abschlag, dem falschen Ball gefunden, gedroppt und dann auf dem Grün den Fehler bemerkt. Den Fehler korrigiert, Grundstrafe

DR. TORBEN WISSUWA Jahrgang 1975, seit 2020 Spielleiter und Referee des DGV, seit 2015 des GV Niedersach sen-Bremen. Sein R&A Examen (Level 3) hat er 2022 bestanden und ist Mitbetreiber des Golfregel-Forums „golf-rules.com“.

GOLF TIME | 6-2025

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