Petrosphäre 3/13

Petrosphäre Nr. 3 / November 2013

Endenergieverbrauch 1950 bis 2050 ohne internationalen Flugverkehr

in PJ (1 TWh = 3,6 PJ)

900 800 700 600 500 400 300 200 100 0

Persönlich

1950

1970

1990

2010

2030

2050

«Gesetzliche Verpflichtung», «Verschärfung», «Vor- schriften», «Zwang», «Forderung»: Diese Begriffe kommen nicht etwa aus einer Gefangenenlagerord- nung im nordkoreanischen Hinterland. Nein, sie sind derzeit in der Botschaft des Bundesrats zum ersten Massnahmenpaket der Energiestrategie 2050 nachzu- lesen, besonders vielsagend verdichtet beispiels- weise auf Seite 54. Da gibt es energiepolitische Zeichen an der Wand in diesem Kapitel 4.2, «Massnahmen», die eigentlich keine Zweifel daran lassen können, was sich hinter der Energiewende tatsächlich verbirgt: ein sich unaufhörlich aufdrängender und aufblähender Staat. Der Plan des Bundesrats will bekanntlich nicht nur ohne Atomenergie auskommen, sondern zwecks Rettung des Klimas auch möglichst auf die fossilen Energieträger verzichten. Aus Atomausstieg werde Klimaschutz, dies nennt sich in der Botschaft «Zielsynergien». Dieser Hokuspokus aus dem Bundesamt für Energie entpuppt sich indes als trojanisches Pferd, dem am Ende nur Staatsdirigismus und amtliche Bevormundung ent- springen werden. Dass eine massiv erhöhte staatliche Regelungsdichte notwendig sein wird, um die Energiewende zu schaffen, kann nicht überraschen angesichts der Energiever- brauchsziele, die da gesteckt werden: Bis ins Jahr 2035 soll die Schweizer Bevölkerung wieder so wenig Energie verbrauchen wie Mitte der 1960er-Jahre, obwohl sie bis dahin um das Anderthalbfache von 6 auf 9 Millionen angewachsen sein wird. Für das Individuum würde dies etwa die Halbierung seines heutigen Energiebedarfs bedeuten. Selbst – oder gerade – der technikaffine Beobachter müsste skeptisch sein. Mit technischer Effi- zienzsteigerung alleine wird dieser Weg nicht zu schaffen sein. Wir beginnen ja nicht bei null, sondern haben in den letzten Jahrzehnten bereits beachtliche Fortschritte bei der effizienten Nutzung von Energie erzielt. Bleibt also der Verzicht. Dies ist die unerfreuliche Botschaft, die sich in der Botschaft des Bundesrats verbirgt.

Datenquelle: Prognos

WWB = Weiter wie bisher POM = Politische Massnahmen Bundesrat NEP = Neue Energiepolitik

Die blauen Flächen sind die Einsparungen, welche mit dem Massnahmenpaket des Bundesrats im Vergleich zum Szenario «Weiter wie bisher» realisiert werden können.

Auch nicht neu ist, dass trotz radikaler Massnahmen, Kosten von fast 200 Milliarden Franken und massiver Markteingriffe nach dem Motto «fordern und fördern» die Ziele der Energie- strategie 2050 in der ersten Phase nur zur Hälfte erreicht wer- den. Ab 2020 soll es dann ein Lenkungssystem richten, welches zurzeit kaum in seinen Konturen erkennbar ist. Ein grosses Energiesparpotenzial verspricht sich der Bund nach wie vor bei den Gebäudesanierungen. Dafür will er einen Drittel der CO 2 -Abgabe auf fossile Brennstoffe einsetzen und diese Abgabe gleichzeitig auf 84 Franken pro Tonne erhöhen (heute beträgt die CO 2 -Abgabe 36 Franken; sie wurde per 1. Januar 2014 bekanntlich schon mal auf 60 Franken erhöht). Ebenfalls verschärft werden die CO 2 -Emissionsvorschriften für neue Personenwagen.

Sieht die Schweiz energiepolitisch auf dem richtigen Weg:

Bild: Keystone

Bundesrätin Doris Leuthard.

«Teurer Blindflug» oder «Grosse Chance»? Ebenfalls keine Überraschung ist, dass niemand so richtig zufrieden scheint mit der Energiestrategie. Links-grün geht die Energiewende zu langsam vonstatten, hier will man die Kern- kraftwerke per Stichtag vom Netz nehmen. Grund genug für die Grünen, an ihrer Atomausstiegsinitiative festzuhalten, wie sie nach Bekanntwerden der Botschaft mitteilten. Im bürger­ lichen Lager vermisst man das konkret Greifbare und moniert angesichts der zunehmenden staatlichen Eingriffe, Zwangs- massnahmen, Abgaben und Gebühren, dass sich der Bundesrat

Roland Bilang, Geschäftsführer Erdöl-Vereinigung

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