Petrosphäre 3/16

// PERSÖNLICH

Die Energiestrategie des Bundes prognostiziert einen starken Rückgang der zweckgebundenen Einnahmen aus der Mineralölsteuer Millionen Franken

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Ein Lob auf den Benziner

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Falls Sie sich in diesen Tagen entschieden haben, eines der neusten Automodelle erstehen zu wollen, und Sie dabei gleich- zeitig Wert auf höchste Effizienz legen: Was für ein Fahrzeug wird Ihnen der Händ- ler dann wohl verkaufen? Mit grosser Wahrscheinlichkeit einen Benziner oder ein Dieselfahrzeug. Anfang Juli wurde die Datenbank der Auto-Umweltliste (www.autoumweltliste. ch) mit den «ökologischsten Autos, die derzeit auf dem Schweizer Markt erhält- lich sind», auf den neuesten Stand ge- bracht. Diese Eigenwerbung stammt vom Betreiber der Datenbank, dem Ver- kehrsclub der Schweiz, und somit von durchaus unverdächtiger Seite. Von den fünfzehn auf der Liste aufgeführten neuen Modellen unterschiedlichster Marken sind zehn mit einem Benzinmotor ausge- stattet, je zwei mit einem Diesel- oder Elektromotor und eines mit einem Gas- antrieb. Dieses vielleicht viele überraschende Resultat steht im Kontrast zum medialen Hype, der sich jüngst – wohl nicht zu- letzt auch im Sog von Solar Impulse – wieder um die Elektromobile gebildet hat. Die neuste Version der Auto-Umwelt- liste zeigt hingegen einmal mehr: Der technologische Fortschritt beim Verbren- nungsmotor wird in der öffentlichen Wahrnehmung unterschätzt, während die Bedeutung alternativer Antriebssysteme deutlich überbewertet wird. Nicht nur starke, rassige und schöne, sondern auch ökologische Autos werden vor allem mit Erdöl angetrieben.

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Quelle: NAF-Botschaft vom 18. Februar 2015

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2020

2025

2030

2035

2040

 Mineralölsteuer (50%) 

 Mineralölsteuerzuschlag (100%)

lity Pricing in erster Linie der künftigen Finanzierung der Strasseninfrastruktur dienen muss (siehe unten und «Petro­ sphäre» 4/2015). Der Konzeptbericht wird nun hoffent­ lich alle Stakeholder, einschliesslich der Wirtschaft, motivieren, sich aktiv an der Gestaltung der künftigen Verkehrsfinan­ zierung zu beteiligen. Noch besteht dazu genügend Zeit: Eine schweizweite Einfüh­ rung von Mobility Pricing ist frühestens im Jahr 2030 möglich.

vorgesehenen Kompensationsmechanis­ men bleiben vage. Wer täglich zu Stoss­ zeiten zwischen den Wirtschafszentren verkehren muss, wird nach der Lektüre all der andiskutierten Varianten kaum da­ von überzeugt sein, dass er «nicht mehr, sondern anders bezahlen» wird, wie es das Konzept verspricht. Entsprechend zu­ rückhaltend bis negativ waren denn auch die medialen Reaktionen auf diesen ers­ ten Wurf. Wie aus dem Bericht hervorgeht, ver­ langte auch eine Mehrheit der Anhö­ rungsteilnehmer, die sich im vergange­ nen Jahr zur Vorlage äussern konnten, dass nebst der Modellierung der Ver­ kehrsströme noch weitere Ziele verfolgt werden, mitunter die Finanzierung. Für die Erdöl-Vereinigung ist klar, dass Mobi­

¹ Konzeptbericht Mobility Pricing, 29. Juni 2016, Seite 10 ² ebd., Seite 50

Road Pricing–die richtige Idee falsch aufgezäumt EV-Präsident Daniel Hofer fordert gleich lange Spiesse für alle (fahrenden) Strassenbenutzer.

Rechtzeitig vor den Sommerferien wurden wir mit einer neuen Idee für das Ver­ kehrsmanagement beglückt: dem Mobility Pricing. Mit dem vorgeschlagenen Konzept sollen die Verkehrsströme durch finan­ zielle Anreize gelenkt werden, um so die

Nutzungsspitzen in den Stosszeiten zu glätten. Der Vorstoss aus dem UVEK lan­ ciert die Diskussion über die Verkehrs­ finanzierung für die Zeit nach dem NAF³. Zwecks Alimentierung des NAF will das Parlament die Mineralölsteuer erhöhen.

Roland Bilang Geschäftsführer Erdöl-Vereinigung

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Petrosphäre Nr. 3  /  September 2016

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