Weekend Magazin Oberösterreich Großraum Linz 2026 KW13
STORYS
Zwischen Spiritualität und Social Media ent steht eine neue Form religiöser Gemein schaft.
Influencer.“ Denn, so Faber, entscheidend sei immer ge wesen, dorthin zu gehen, wo die Menschen sind. Früher waren es die Marktplätze, heute sind es eben digitale Feeds. Was wir glauben Aber: „Wie bei jedem Instru ment muss man fragen: Was wird dort wirklich weiterge geben?“, mahnt Faber. Auch Theologe Loffeld warnt vor einer Vereinfachung religiö ser Botschaften im Netz. Viele würden einen „unter komplexen, selektiven Glau ben“ vermitteln, der sich gut verkaufen lasse, aber wenig Tiefe habe. Kirchen versu chen gegenzusteuern, etwa mit Projekten wie dem evan gelischen Netzwerk „yeet“, das religiöse Inhalte profes sionell in soziale Medien bringt. Die Kernfrage aber bleibt dieselbe: Wer be stimmt, was wir glauben? Die Kirche, der Algorithmus – oder doch wir selbst? V
Rollenbild vertritt: Der Mann als Familienoberhaupt, die Frau als gehorsame Ehefrau und Mutter. Die Botschaft „Frauen zurück an den Herd“ überschneidet sich zuneh mend mit Narrativen der europäischen Rechten. In Deutschland greifen AfD-na he Onlinenetzwerke ähnliche Motive auf. „Neu ist das Phä nomen der identitären In anspruchnahme religiöser Inhalte und deren Gebrauch für nationalistische oder an dere politische Ideen“, beob achtet der niederländische Theologe Jan Loffeld. Glaube als Geschäft Ob politisch oder nicht: Kon troversen bringen Reichwei te. Was provoziert, wird ge teilt, was empört, wird kom mentiert – genau dadurch wandert der Inhalt immer weiter durch die Feeds. Und das nicht nur getrieben von missionarischem Eifer: Ko operationen, Affiliate-Links und eigene Onlineshops sind
„Wenn Jesus heute leben würde, wäre er wahrscheinlich auch Influencer.“ Dompfarrer Toni Faber über moderne Glaubensvermittlung
keine Kirchenbank mehr, nur ein Smartphone. Wo früher Priester predigten, sprechen heute Creator in die Kamera. Der Feed ersetzt keine Kir che, wird aber zunehmend zum Ort der Sinnsuche: Rund 70 Prozent der 16- bis 29-Jährigen nutzen Plattfor men wie Instagram oder Tik Tok täglich. Unter dem Hash tag #ChristianTok sammeln sich mehr als fünf Milliar den Videoaufrufe welt weit. Jesus wäre Influencer „Die Glaubensvermittlung über TikTok kann funktio nieren – zu 100 Prozent“, zeigt sich Dompfarrer Toni Faber im Gespräch mit weekend überzeugt. „Wenn Jesus heute leben würde, wäre er wahrscheinlich auch
Teil des Geschäftsmodells. Lena stört das nicht. „Das gehört halt dazu“, sagt sie. Sie genieße das Gefühl der Ver bundenheit. „Wenn jemand so viel Zeit in Videos und Community steckt, darf er damit auch Geld verdienen.“ TikTok statt Kirche Wer zuhören will, braucht
FOTOS: KREUZ: RAWPIXEL, BIBEL: ANNA SAVINA/ISTOCK/GETTY IMAGES, BILD OBEN: RAWPIXEL/ISTOCK/GETTY IMAGES
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