Weekend Magazin Oberösterreich Großraum Linz 2026 KW13
SOCIETY
FUSSBALLLEGENDEN POLSTER UND HERZOG „Ich glaube, es menschelt“
VOLLTREFFER. 198 Länderspiele, 70 Tore, ein Bestseller: Die beiden Teamlegenden bleiben noch Jahre später im kollektiven Gedächtnis. Andi Herzog und Toni Polster über Wuchteln, Freundschaft und was im Leben wirklich zählt. Von Marcel Toifl W er von euch ist der „Schmähtandler“? Herzog: Es gibt zwei Sicht
Könnten sich solche Szenen wie bei euch, als Toni dich bei einem Deut schen Bundesligaspiel als Gegner ab gebusselt hat, heute auch abspielen? Herzog: Da musst du ein spezieller Typ sein. Ich hätte das nicht gemacht, aber Toni ist extrem freundschaftlich. Polster: Ich habe ihm gesagt: Du schaust
Polster: Das Zwischenmenschliche macht’s aus. Mit dem Handy wirst du nicht befreundet sein und mit dem Han dy kannst du dich nicht unterhalten. Das Schönste ist, wenn du mit Freunden zu sammensitzt, vielleicht gut isst, Schmäh führst und dich austauschst. Das ist das Leben.
weisen. Er hat seine, ich habe meine. Polster: Die Erinnerungen spielen ihm öfter einen Streich. Er erzählt eine Geschichte manchmal mehrmals, und irgendwann glaubt er, jetzt hat er es richtig. Da muss ich das Ganze wieder in die richtigen Bahnen lenken. Herzog: Unser Anliegen war, den Leuten ein paar Minuten oder ein Stunderl zu geben, in denen sie lachen können. Na türlich hilft es, wenn man fußballaffin ist und uns von früher kennt. Da waren viele schöne Momente – nicht nur für uns, sondern auch für viele Österreicher. Polster: Ich glaube, es menschelt einfach. Beim Menscheln: Ist eine Freund schaft wie eure im heutigen Fußball noch möglich?
Früher Rivalen, heute Freunde
Herzog: Ich glaube schon. Für aktive Spieler ist das etwas anderes: Du hast ständig Spiele, Öffent lichkeit und Druck. Wir können über alte
Zeiten lachen. Die heutige Generation muss da mehr auf passen. Mir ist lie
ber, sie hüpfen aufeinan der drauf und busseln sich ab, als dieses Reden nach dem Match mit der Hand vor dem Mund, damit ja kein Lippenleser was mitkriegt. Das hasse ich wie die Pest.
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