Petrosphaere_3-18

// PERSÖNLICH

Brennstoffe Schweiz 13,2 Millionen Tonnen (17,1 Millionen Tonnen)

Treibstoffe Schweiz 15,3 Millionen Tonnen (14,9 Millionen Tonnen)

Realitäts-Check In der Energiedebatte scheinen viele etwas Mühe zu haben, das Wünschbare vom Machbaren zu unterscheiden. Energie- und damit auch Klimafragen werden nur noch in die Kategorien «Gut» oder «Böse» und «Richtig» oder «Falsch» eingeteilt. Was nicht sein darf, kann nicht sein. Auf internationaler, eidgenössischer und kantonaler Ebene wird die Realität ausgeblendet zuguns- ten von Zielen, die schon alleine auf- grund der physikalischen Gesetze kaum zu erreichen sind. Wer hingegen einmal eine der zahlrei- chen Informationsveranstaltungen der Erdöl-Vereinigung zum Thema «Heizen mit Öl» besucht, wird ein sehr differen- ziertes Bild der Realität erhalten. Den Teilnehmenden, die nicht selten zu Hun- derten zusammenströmen, stellen sich ganz praktische Fragen: Wie und wann ersetze ich meine Heizung? Was kann ich machen, was darf ich noch machen? Und vor allem: Wie finanziere ich den Mehraufwand, den die neuen Gesetze mit sich bringen? Sorgen, von denen man noch vor kurzer Zeit nicht geglaubt hätte, dass sie unsereins je umtreiben könnten. Hier zeigt sich, was eine abge- hobene Energiepolitik mit ihren ideologi- schen Zielen bei der Bevölkerung be- wirkt: eine fundamentale Verunsicherung, die auch mal in Wut und Verweigerungs- haltung kippen kann. Gerade im anste- henden Wahljahr ist den Entscheidungs- trägern zu raten, ihr energiepolitisches Weltbild anlässlich einer solchen Veran- staltung einmal einem Realitäts-Check zu unterziehen.

1990 2016

Globaler Ausstoss 2016: 32,1 Gigatonnen (1990: 20,5 Gigatonnen)

Die Schweizer CO₂-Emissionen machen 1 Promille des globalen Ausstosses aus, Tendenz sinkend.

Im Gegensatz zum globalen ist der CO₂-Austoss in der Schweiz seit 1990 ge- sunken. Trotzdem nimmt der Gesamtaus- stoss aufgrund des Schweizer Konsums zu. Das heisst, dass der CO₂-Ausstoss für die Produktion der in der Schweiz ver- brauchten Güter immer mehr ins Ausland verlagert wird. Diese Fakten sprechen für einen flexi­ blen Mechanismus, der Kompensations- massnahmen sowohl in der Schweiz als auch im Ausland ermöglicht. Für den Kli- maschutz spielt der Ort der Einsparung keine Rolle. Der Klimawandel ist eine glo- bale Herausforderung, die auf dieser Ebene angegangen werden soll. Den ent- sprechenden Rahmen bietet das Pariser Klimaabkommen. Im Einklang mit dem Pariser Abkommen Gemäss Pariser Abkommen können Emis- sionsreduktionen zwischen Staaten ge- handelt und an die Reduktionsziele ange- «Die neuen Ansätze müssen Umweltintegri- tät und Transparenz gewährleisten, Doppel- zählungen vermeiden und einen Beitrag zur nachhaltigen Entwick- lung leisten.»

rechnet werden. Es schafft aber eine neue Ausgangslage, da nun alle Länder ver- pflichtet sind, die Treibhausgasemissio- nen zu reduzieren. «Wenn ein Land Emissionsverminde- rungen verkauft, können diese bei der Erreichung seiner eigenen Verminde- rungsziele nicht angerechnet werden. Die verkauften Verminderungen müssen korrekt gemessen und nicht doppelt an- gerechnet werden», erklärt das Bundes- amt für Umwelt (Bafu) gegenüber Pe- trosphäre. In dieser Hinsicht arbeitet derzeit die in- ternationale Gemeinschaft an Umsetzungs- regeln. Diese sollen im Dezember 2018 bei der nächsten Konferenz zum Klimawandel in Kattowitz verabschiedet werden. «Die neuen Ansätze müssen Umwelt­ integrität und Transparenz gewährleisten, Doppelzählungen vermeiden und einen Beitrag zur nachhaltigen Entwicklung leisten», heisst es beim Bafu. Es obliegt der Privatwirtschaft, in die- sem Rahmen die effizientesten Projekte zu identifizieren und umzusetzen. Wertvolle Erfahrungen Die Schweiz hat bereits erfolgreich Kom- pensationsprojekte im Ausland durchge- führt. Die Stiftung Klimarappen hat diese umgesetzt und dabei wichtige Erfahrun- gen gesammelt für die nun folgende Phase. Die Stiftung wurde aufgrund einer freiwil- ligen Initiative der Erdölbranche ins Leben gerufen. Dank dem Klimarappen konnte die Schweiz ihre Reduktionsziele für den Zeitraum 2008–2012 erreichen.

Roland Bilang Geschäftsführer Erdöl-Vereinigung

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Petrosphäre Nr. 3  /  September 2018

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