ewp_kompakt_4-2017_Web

Unter dem Einsatz digitaler Technologien kann die Wasserwirt- schaft ihrer Rolle als wichtiger Akteur einer intelligenten Stadt gerecht werden. “ ”

wertet. Kombiniert mit Netzdaten der Energieversorger entsteht ein modernes Energiemanagement, das für Großverbraucher und -erzeuger, wie es Unternehmen der Wasser- wirtschaft oft sind, unabdingbar ist. Digitale Workflows in der Planung und Durchführung von Baumaß- nahmen optimieren nicht nur die betriebsinternen Prozesse und in- tegrieren beispielsweise Beschaf- fung und Auftragsvergabe ganz na- türlich in den Planungsprozess, sie schaffen auch Synergien, von denen eine ganze Stadt profitieren kann – nämlich, wenn alle Infrastruktur- betreiber nach einem Modell vor- gehen, ihre Daten austauschen und so Maßnahmen bündeln. Die Folge sind nicht nur geringere Kosten für jeden Betreiber, sondern auch kür- zere Bauzeiten mit geringeren Belas- tungen für Anwohner und Verkehr. Die Beispiele zeigen, dass Was- ser-Unternehmen schon heute er- heblich von der Digitalisierung profitieren. So ist ein modernes, unternehmensweites Asset Manage- ment erst durch die digitale Samm- lung, Bereitstellung und Analyse von Daten möglich. Nachhaltigkeit und Effizienz von Managementpro- zessen und Finanzierungskonzepten lassen sich heute nicht nur imNach- hinein bewerten. Vielmehr können wir unter Zuhilfenahme datenge- stützter Simulationen verschiedene Varianten vergleichen und Entschei- dungen so auf einer wesentlich bes- seren Grundlage fällen. Big Data ist kein inhaltsleeres Schlagwort, bereits heute verfügen wir über Datensammlungen, die sich für entsprechende Analysen nutzen lassen. Dies kann beispiels- weise bedeuten, Kunden vollstän-

Innovationsbereitschaft darf nicht verwechselt werden mit blinder Fortschrittsgläubigkeit. Das Verhält- nis zwischen Digitalisierung auf der einen und Systemsicherheit auf der anderen Seite muss immer wieder neu betrachtet werden. Eine konti- nuierliche Prüfung von Schnittstel- len und möglichen Gefahrenquel- len ist dennoch unabdingbar. Denn Digitalisierung kann eben auch Un- sicherheit bedeuten. Die Antwort darauf kann nur die entschiedene Trennung der Prozessleitsysteme von der übrigen – vor allem der internetangebundenen – IT-Land- schaft sein. Was das betrifft, sind viele Unternehmen der deutschen Wasserwirtschaft bereits heute gut aufgestellt. Wasser- und Abwassernetze lassen sich weder miniaturisieren noch entmaterialisieren. So digital unsere Kundenkommunikation auch ist, unsere Dienstleistung wird immer eine ganz persönlich Erfahrbare bleiben: die ständige Lieferung von frischem Trinkwasser bester Qua- lität und die sichere und umwelt- gerechte Behandlung des Abwas- sers. Doch daraus eine Ablehnung neuer Technologien zu folgern, wäre grundfalsch und gefährlich. Denn es hieße, die Chancen, die in diesem Thema für die Wasserwirtschaft ste- cken, zu leichtfertig zu vergeben. ■

dig digitalisierte Kommunikations- prozesse anzubieten, wie sie sie aus anderen Branchen bereits kennen, und so Kundenbeziehungen und Marketing besser auszusteuern. Daten zumWassernutzungsverhal- ten lassen sich quasi in Echtzeit zur Anpassung betrieblicher Prozesse, etwa für ein modernes Druckma- nagement im Wassernetz, nutzen. Und Daten zu Niederschlägen, ebenfalls in Echtzeit, helfen beim Management der innerstädtischen Abwasserströme. Dies beschreibt le- diglich in Ansätzen das, was unter dem Stichwort Smart City möglich ist. Denn Sensorik und Datensamm- lung finden in allen Bereichen des Lebens statt. Für die Wasserwirtschaft kommt es darauf an, sich dem nicht zu ver- schließen, sondern Chancen zu er- kennen und Innovationen für sich zu nutzen. Unter anderem deshalb unterstützen die Berliner Wasser- betriebe eine Stiftungsprofessur an der Technischen Universität Berlin, die sich in den nächsten Jahren mit intelligenten Wasser-Infrastruktu- ren beschäftigen wird. Und wir sind Partner im InfraLab, in dem die großen Infrastrukturbetreiber der Stadt Ideen zur Digitalisierung und Vernetzung der Smart City Berlin entwickeln und gemeinsammit Un- ternehmen an den Markt bringen.

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energie | wasser-praxis kompakt  4/2017

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