Cellitinnen 1_2020

Kultur | Freizeit

„Skandal der Skandale“ Der Autor Manfred Lütz liest im Seniorenhaus St. Josef

schichte, Rom und die National- sozialisten und jüngst die unter demDach der Kirche aufgedeckten Missbrauchsfälle – die Geschichte der Katholischen Kirche erscheint in der kollektiven Wahrnehmung als eine Abfolge von Skandalen. Doch wird man der über 2.000 Jahre alten Institution damit ge- recht? Lütz kommt, so wie einige jüngere Forschungsergebnisse, zu dem Schluss: Nein! Die Motivation Lütz‘ für das Buch liegt aber nicht am Vergnügen einer wissenschaft- lichen Auseinandersetzung, son- dern geht tiefer: Das Christentum als eine Abfolge von Skandalen zu sehen, erschüttere den Kern des christlichen Glaubens und versetze ihm den ‚Todesstoß‘. Dagegen an- zugehen habe ihn dazu veranlasst, den ‚Skandalen‘ auf den Grund zu gehen. Mit seinem Buch wendet sich Lütz an ein breites Publikum. Sein Anspruch: Tiefgründiges lo- cker und spannend zu erzählen. Und das ist ihm gelungen. Etwa 150 Bewohner, Mitarbeiter und Gäste des Meckenheimer Se- niorenhauses St. Josef begeister- te Lütz im vergangenen Jahr mit ‚rheinischemHumor‘ und ‚frommer Klugheit‘, bevor er aus ‚Skandal der Skandale‘ vorlas. Bei seinen ein- führenden Worten ging der Autor zur Erheiterung aller auf die Rivalität zwischen den Städten Köln und Düsseldorf ein, wobei die Kölner besser wegkamen. Seniorenhaus- leiter Mathias Junggeburth, als

Neusser eher der rechtsrheinischen Stadt verbunden, nahm es mit Hu- mor. Im Anschluss an die Lesung stellte sich Lütz den Fragen von Oliver Maksan, Chefredakteur und Geschäftsführer der ‚Tagespost‘, und denen der Zuhörer, die wissen wollten, wie er zu diesem Thema kam. Lütz bekannte, selbst über Jahre von der mächtigen Schuld der Katholischen Kirche überzeugt gewesen zu sein. 2007 las er das 800 Seiten starke Buch ‚Toleranz und Gewalt‘ von Arnold Angenendt, das ihm einen neuen Blick auf die Kirchengeschichte öffnete. Zu der Lesung eingeladen hatte Christoph Konopka, Geschäftsfüh- rer der Jakob-Christian-Adam-Stif- tung, die dem Seniorenhaus sehr verbunden ist .

Dass Bestsellerautor Manfred Lütz Angst vor ‚heißen Eisen‘ habe, kann ihm wohl niemand vorwerfen. Der katholische Theologe, Psychiater und Psychotherapeut greift in sei- nen Büchern Themen auf, die die Gesellschaft tabuisiert (‚Irre- wir be- handeln die Falschen‘) oder weiter- gibt, ohne ihren Wahrheitsgehalt zu hinterfragen (‚Skandal der Skan- dale‘). Dass der Autor dafür nicht nur Lob erhält, versteht sich von selbst, denn Lütz relativiert nicht, sondern ergreift eindeutig Position und fordert damit heraus. Auf dem Feld historischer Fragen holt er sich dabei Hilfe von Fachleu- ten. So arbeitete an seinem Buch ‚Skandal der Skandale‘ der an- erkannte Kirchenhistoriker Arnold Angenendt mit. Worum es 286 Sei- ten geht: Kreuzzüge, Ketzer- und Hexenverfolgungen, Missionsge-

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