6_2018
KULTUR
Nachhaltigkeit zu garantieren. Die Mitfi- nanzierung gibt den Gemeinden zudem den entscheidenden Vorteil, an den Ent- wicklungen beteiligt zu sein und eine aktivere Rolle in der Steuerung zu über- nehmen. Investitionen für Lebensqualität und Standortmarketing Investitionen lohnen sich, und zwar in vielseitiger Hinsicht. Es liegen zwar keine Statistiken über die Pro-Kopf-Aus- gaben im soziokulturellen Bereich vor, jedoch kann davon ausgegangen wer- den, dass der Output gemessen an den Investitionen hoch ist, insbesondere im Vergleich mit anderen Budgetposten der Gemeinde. Ein soziales Netz, ein attrak- tives Umfeld und Begegnungsmöglich- keiten für alle verbessern die Lebens- qualität. Investitionen in soziokulturelle Angebote ermöglichen es Gemeinden, sich von anderen abzuheben. Nicht nur Faktoren wie Wohnen, Verkehrsanbin- dung oder der Steuerfuss sind aus- schlaggebend für die Attraktivität einer Gemeinde, sondern auch die soziale Einbindung der Bevölkerung und eine vielseitige Freizeitgestaltung. Wer sich mit dem Wohnort identifiziert, ist eher bereit, sich für das Umfeld zu engagieren (und umgekehrt), sei dies in einem Ver- ein, einer Elterngruppe, einem Senioren- netzwerk usw. Engagierte Bewohnerin- Das Forschungsprojekt «Soziokulturelle Angebote: Neue Modelle für Gemein- den im Wandel» geht der Frage nach, wie soziokulturelle Angebote geplant und ausgerichtet werden müssten, da- mit sie im Interesse der sozialen, kultu- rellen und wirtschaftlichen Entwicklung einer Gemeinde sind. Das Projekt wurde vom Institut fürViel- falt und gesellschaftliche Teilhabe des Departements SozialeArbeit der ZHAW, von der Stiftung Zürcher Gemein- schaftszentren und den drei Partnerge- meinden Illnau-Effretikon, Schlieren und Wädenswil im Zeitraum von 2015 bis 2017 durchgeführt und durch För- dermittel der KTI (Kommission fürTech- nologie und Innovation des Bundes) mitfinanziert. Aus der Forschung ist eine Publikation entstanden, die die Erkenntnisse des Projekts zusammenfasst, die Bedeu- tung von Gemeinwesenentwicklung und soziokultureller Arbeit aufzeigt und insbesondere Entscheidungsträgerin- nen und -träger in Gemeinden und Fachpersonen in den Bereichen Sozia- les, Gesellschaft, Stadt- und Ortspla-
nen und Bewohner sind ein wichtiger Wert für eine Gemeinde, denn ohne freiwilliges Engagement stirbt ein Teil des Dorf- oder Stadtlebens. Wie werden Mittel effektiv eingesetzt? Gespräche mit politisch Verantwortli- chen und Führungspersonen der Ge- meinden haben ergeben, dass soziokul- turelle Angebote zwar oft in irgendeiner Form unterstützt, in der Regel aber zu wenig über Wirkungen gesteuert wer- den. In allen am Projekt beteiligten Ge- meinden haben wirWorkshops durchge- führt, in denen die Verantwortlichen diskutiert und schlussendlich festgelegt haben, welches die soziokulturellen An- gebote in ihrer Gemeinde sind und wel- cheWirkung sie mit diesen erzielen wol- len. Treffpunkte, Gemeinwesenarbeit, Jugendarbeit oder Freizeitanlagen erzie- len in verschiedenen Bereichen Nutzen: Die Bevölkerung verwirklicht ihre Ideen und organisiert Aktivitäten und Veran- staltungen selbstständig. Soziale Kon- takte werden gepflegt. Der Zusammen- halt, das Gemeinschaftsgefühl und die Identität mit dem Umfeld und mit der Gemeinde werden gestärkt. Informatio- nen über das Gemeindeleben undAnge- bote sind einfach zugänglich gemacht. Wie gehen Gemeinden am besten vor, um die Mittel möglichst effektiv einzu- setzen? Im Idealfall definiert die Ge- Der Fokus des Forschungsprojekts lag insbesondere bei Fragen der Funktion, Entwicklung und Steuerung von Ange- boten wie Familienzentren, Jugend- treffs, Quartierarbeit und anderen mehr. Diese Einrichtungen werden un- ter den Begriffen «soziokulturelle An- gebote» und «Soziokultur» zusam- mengefasst. Soziokulturelle Angebote zeichnen sich durch einen hohen Grad an Beteiligung, Freiwilligenarbeit und Selbstorganisation aus. Angebote wer- den oft von mehreren öffentlichen wie auch privaten Trägerschaften lanciert, funktionieren ressourcenorientiert, richten sich nach den Ideen und Bedürf- nissen der Bevölkerung und ermögli- chen Begegnung und Austausch. Die Stiftung Zürcher Gemeinschaftszen- tren bietet Beratungsdienstleistungen im Bereich Führung und Entwicklung von soziokulturellen Betrieben an und entwickelt nach Bedarf Tools für die operative Umsetzung. Sie ist Mither- nung eine Grundlage sowie praktische Anregungen bei der Überprüfung und Entwicklung ihrer Angebote und Struk- turen liefert.
meinde zunächst die erwünschten Ziele undWirkungen und formuliert eine Stra- tegie. Darauf aufbauend bietet die Ge- meinde Vereinen und Organisationen einen Rahmen und Unterstützung an. Die Empfehlung geht dahin, einen guten Mix zwischen Selbstorganisation, Koor- dination, Steuerung und Unterstützung zu finden und als Gemeinde eine aktive Rolle einzunehmen. Es lohnt sich und erhöht auch die Erfolgschance einerVer- änderung, alle Beteiligten ins Boot zu holen und die Interessen der Involvier- ten zu berücksichtigen. Fazit Die Analyse der ZHAW, Soziale Arbeit, und die Zusammenarbeit mit den Ge- meinden haben gezeigt, dass soziokul- turelle Angebote einen wichtigen Stel- lenwert haben. Es hat sich aber auch gezeigt, dass es im Bereich der Unter- stützung, Steuerung und Koordination Optimierungspotenzial gibt. Dies mit dem Ziel, Ressourcen gezielt einzuset- zen,Vorhandenes zu nutzen und auch im Bereich Soziokultur Entwicklungen in den Gemeinden nicht zu verpassen. Monika Cajas, Stabsstelle und Projekte, Sabine Schenk, Geschäftsführerin, Stiftung Zürcher Gemeinschaftszentren
ausgeberin des Handbuchs «Soziokul- turelle Angebote und ihre Bedeutung für Gemeinden imWandel». Für den Bezug der Publikation und den Kon- takt für Beratungsdienstleistungen: Stiftung Zürcher Gemeinschaftszentren, Postfach 7164, 8050 Zürich, www.gz-zh.ch Monika Cajas, 043 300 60 07, monika.cajas@gz-zh.ch
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SCHWEIZER GEMEINDE 6 l 2018
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