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Titelthema
Wechselwirkung? | Gefährliche Kombinationen
Medikamente können sich gegenseitig beeinflussen und in ihrer Wirkung hemmen oder verstärken. Das kann zu ernsthaften gesundheitlichen Problemen führen. Worauf sollten Sie achten, um dieses Risiko zu umgehen?
Eine Frau nimmt regelmäßig ihre verordneten Medikamente zur Blutdrucksenkung ein, aber plötzlich schnellen die Wer te trotzdem gefährlich nach oben. Was ist passiert? Wegen eines Infekts hatte sie häufig zu frei verkäuflichen Schmerz tabletten gegriffen. So kam es zu einer Wechselwirkung der Arzneimittel: Die Schmerztabletten hemmten unbemerkt den Wirkstoff des Blutdruckmedikaments.
Das Beispiel ist keine Ausnahme: Viele Arzneistoffe können sich im Körper gegenseitig hemmen oder ihre Wirkung ver vielfachen, z. B. Blutverdünner, Antidiabetika (bei Diabetes) und Schmerzmedikamente. Und: Die Wirkstoffe einer Arznei verstärken unter Umständen auch die Nebenwirkung eines anderen Medikaments. Genaue Zahlen fehlen, aber Schät zungen zufolge geht bei älteren Menschen jede fünfte Kran kenhauseinweisung auf eine starke Wechselwirkung zurück. Wer ist gefährdet? Wer zwei Präparate einnimmt, hat ein Risiko von rund 10 Prozent, bei sieben eingenommenen Mitteln steigt die Wahr scheinlichkeit einer Wechselwirkung sogar auf rund 80 Pro zent! (Siehe dazu auch unser neues Leistungsangebot auf Seite 5). Versetzte Einnahme planen In vielen Fällen lässt sich das Problem umgehen, indem Sie die Medikamente zu unterschiedlichen Zeiten am Tag einneh men. So ist der eine Wirkstoff von der Leber bereits abgebaut und kann im Körper wirken, bevor der andere nachkommt. Lassen Sie sich dazu in der Apotheke beraten. Eine andere Möglichkeit ist, dass der Arzt einen Mix aus Medikamenten zusammenstellt, die sich nicht gegenseitig beeinflussen. Ärzte informieren Wichtig ist grundsätzlich, alle Ihre behandelnden Ärzte über Ihren persönlichen Medikamentenplan zu informieren. Ge nau dies gewährleistet auch die elektronische Patientenakte (ePA), die ab Januar 2025 für alle gesetzlich Versicherten ein geführt wird (Näheres dazu siehe S. 6-7). Wenn Sie möch ten, können in ihr alle rezeptpflichtigen Medikamente, frei verkäuflichen Präparate und Nahrungsergänzungsmittel auf geführt werden. Jeder Ihrer Ärzte kann diese dann einsehen und berücksichtigen.
Nebenwirkungen? Aufmerksam, aber nicht ängstlich sein Jedes Medikament, das wirkt, hat auch Nebenwirkun gen. Das erscheint erst einmal beunruhigend zu sein. Doch nur weil eine Nebenwirkung für ein Medikament typisch ist, heißt das nicht, dass sie bei allen Patienten auftritt. Und auch dann verursachen Nebenwirkungen meist „nur“ leichte Symptome wie etwa Hautreaktio nen oder Magen Darm-Probleme. In extrem seltenen Fällen können aber auch lebensbedrohliche Situationen wie Herzrhythmusstörungen entstehen. Zur richtigen Einordnung von Nebenwirkungen helfen schon vorab das Gespräch mit Arzt und Apotheker und der aufmerksame Blick in den Beipackzettel. Im Zweifelsfall gilt: Nachfragen, statt abwarten. Außer halb der Hausarzt-Sprechzeiten hilft
der Ärztliche Bereitschaftsdienst unter der Telefonnummer 116117 (bundesweit, rund um die Uhr, ohne Vorwahl) oder unter www.116117.de
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