Blickpunkt Schule 2 2026
16 Titelthema SCHULE 2|2026
Karikatur: privat
Werte- und Demokratiebildung in der Praxis »Soll unsere Schule eine Zuckersteuer in der Mensa einführen?« D as Hessische Kultusministeri um stellt die Werte- und De mokratiebildung zunehmend Perspektivwechsel als Schlüssel der Demokratiebildung
Nachbarschule und reale gesund heitspolitische Debatten, simulierte die Klasse eine Sitzung der Schüler vertretung. In einer Podiumsdiskus sion diskutierten vier Schüler in vor bereiteten Rollen – Mensaleitung, Gesundheitsbeauftragte, Sportlehrer und Schulsozialarbeit – über Chancen und Risiken der Maßnahme. Mode riert wurde die Runde vom fiktiven Schülersprecher, während der Rest der Klasse als SV-Gremium mit Beobachtungsaufträgen am Prozess beteiligt war. Nach zwanzig Minuten strukturier ter Debatte, Ergebnissicherung und Reflexion der Argumente erfolgte eine offene Abstimmung. Das Ergebnis – eine knappe Ablehnung der Steuer – wurde in einem Brief an den Schullei ter dokumentiert. Die Handlung blieb fiktiv, die Beteiligung der Lernenden dennoch real erfahrbar. Der Rahmen ermöglichte es so den Schülern, demokratische Aushandlungsprozesse zu simulieren.
in den Mittelpunkt schulischer Bil dung. Kultusminister Armin Schwarz betonte jüngst, wie wichtig es sei, dass junge Menschen demokratische Grundwerte wie Meinungsfreiheit, Respekt und Verantwortung nicht nur theoretisch kennen, sondern prak tisch erfahren. Wie dies im Fachunter richt gelingen kann, zeigt eine Unter richtsreihe aus dem Fach Politik und Wirtschaft in Jahrgangsstufe 9 am Gymnasium: eine schulnahe Debatte über eine mögliche Zuckersteuer an der Mensa – eingebettet in ein fiktives Schülervertretungsformat. Die SV tagt – Zuckersteuer auf der Tagesordnung Ausgangspunkt der Reihe war die Leitfrage: »Soll unsere Schule eine Zuckersteuer einführen?« Angeregt durch ein Szenario an einer fiktiven
Im Zentrum der Unterrichtsreihe stand die Auseinandersetzung mit unterschiedlichen Interessen. Die Rollenkarten ermöglichten es den Schülern, Perspektiven einzunehmen, die nicht der eigenen Meinung ent sprachen. Der Mensabetrieb verwies auf wirtschaftliche Risiken, die Ge sundheitsbeauftragte plädierte für präventive Steuerung, der Sportlehrer sprach über Konzentrationsfähigkeit im Unterricht, und die Schulsozial arbeit verwies auf soziale Belastungen durch Preiserhöhungen. Die Podiumsdiskussion förderte so gezielt Perspektivwechsel, Fremd verstehen und die Fähigkeit, gegen sätzliche Meinungen auszuhalten. Für die Schülerinnen und Schüler im Publikum bedeutete dies: zuhören, mitdenken, festhalten – unterstützt durch einen strukturierten Beobach
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