Blickpunkt Schule 2 2026
n Die Big Band der Schillerschule beim Auftritt im März 2025 im Mozartsaal der Alten Oper
Titelthema
Foto: Björn Bock
Im Groove zur Wertevermittlung Big Band als demokratischer Erfahrungsraum D er Politikdidaktiker Wolfgang Beutel betont in einem Auf satz zu Chancen und Heraus tesystems« (Standop/Schubarth 2016: 103) bei den jungen Musizierenden. In einer Big Band musizieren Jugend
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vs. Freiheit anderer (vgl. Art. 2 GG) spür- und hörbar. Man kann nur so laut spielen, dass es dem Gesamt klang nicht leidet, und man muss im gemeinsamen Tempo spielen. Gleich zeitig gibt es gerade in Big Bands die Möglichkeit der individuellen künst lerischen instrumentalen Entfaltung bei solistischen und improvisierenden Parts. Wie in der Gesellschaft der BRD findet dies aber in einem Rahmen statt, der hier durch die Harmonik, das Tempo und die Charakteristik des Stückes gesetzt ist. Das erfolgreiche Mitwirken in einer schulischen Big Band oder anderen Musikgruppen ist mit der »Übernah me von Verantwortung bzw. speziellen Pflichten, [die] nicht nur das eigene Selbst, sondern zugleich andere Per sonen […] / Kulturgüter« (Standop/ Schubarth 2016:103) betrifft. Das be deutet beispielsweise, dass ein pünkt liches und verlässliches Erscheinen bei den Proben die Basis für eine Zu sammenarbeit der Gruppe ist. Eine konzentrierte und disziplinierte Pro
forderungen von Demokratiebildung, dass Schulbands Schulen »zu einer demokratischen Erfahrungswelt« (Beutel 2025:49) werden lassen kön nen, was auf den ersten Blick mög- licherweise verwundert. Als Leiter der Big Band unserer Schule konnten wir in den vergange nen Jahren deren Wirkung für Demo kratiebildung sowie das Erlernen und Einüben von für gesellschaftliches Zusammenleben essenziellen Werten beobachten und fördern. Im Folgen den zeigen wir exemplarisch das Po tenzial von schulischen Musikgruppen am Beispiel einer Big Band für Demo kratie- und Wertebildung. Natürlich lässt sich die demokrati sche Erfahrungswelt etwa durch Mit bestimmung beim Repertoire oder der Darbietung (Welche Showelemente wollen wir nutzen?) integrieren. Rele vant erscheint uns jedoch umso mehr »die Herausbildung eines eigenen Wer
liche unterschiedlicher Jahrgangs stufen gemeinsam, kommen so in Kontakt und ins (musikfachliche) Gespräch, wobei nicht zuletzt ein respektvoller Umgang erfahren und erlernt wird (vgl. Wohne 2016) . Dies kann als innerschulische Alteritäts erfahrung und als Vorstufe genera tionenübergreifender Perspektiven Grundsteine für das spätere Leben legen. Zudem ist die Aufführung eines einstudierten Musikstücks in der Ver antwortung der gesamten Band. Alle sind für den Sound und den Groove verantwortlich: »Wenn jeder sich an strengt, entsteht ein Musikstück und jeder trägt dazu bei, dass es funktio niert« (Wohne 2016:107) . Schülerinnen und Schüler erkennen dadurch die Wertigkeit und Notwendig keit des Individuums für das (musika lische) Gesamtergebnis. Hier wird auch das Erleben des Spannungs- feldes zwischen Freiheit des Einzelnen
SCHULE 2|2026
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