Blickpunkt Schule 2 2026

benarbeit, sich selbst zurücknehmen, um Spielspaß für alle sowie eine mu sikalische Weiterentwicklung und da mit Selbstwirksamkeitserfahrungen zu garantieren, sind hier elementar. Die Verantwortungsübernahme für Kulturgüter manifestiert sich im pfleglichen und sorgsamen Umgang mit Instrumenten und Equipment, den aus unserer Beobachtung junge Men schen (oftmals) erst noch erlernen müssen. Hierzu gehört das gemein same Auf- und Abbauen bei Proben und Aufritten. Grundsatz unserer Arbeit mit der Band ist, dass alle für den Auf- und Abbau verantwortlich sind, gleich welches Instrument sie spielen. Alle helfen beispielsweise dem Schlagzeuger beim Abbau, auch wenn das eigene Saxophon eigentlich schnell verstaut ist. Denn ohne das Schlagzeug würde genauso etwas fehlen wie ohne die 2. Trompete. Alle sind für die gesamte Band und alles, was dazu gehört, verantwortlich. Das erfordert von der Leitung natürlich Transparenz, Erklärung, Vorleben und vor allem ein konsequentes Achten darauf und ein Selbstverständnis der Lehrkraft als »Werterepräsentant« (Standop/Schubart 2016:102) . Das ist durchaus eine kontinuierliche und auch fordernde Aufgabe, diese Pflich ten und das Engagement für die Band konsequent einzufordern. Durch diese »Verantwortungsübernahme unter

direkter bzw. indirekter Begleitung durch eine Lehrperson« (Standop/ Schubarth 2016:103) zeigt sich aus unserer Erfahrung mittlerweile, dass die Band selbstständig auf- und ab baut und Probleme löst. Hier wird ein deutig Verantwortung und Verläss lichkeit für Handeln für sich selbst und für andere in der Gesellschaft an gebahnt. Big Bands und natürlich alle Musikgruppen können dafür sorgen, dass Werte und soziale Regeln suk zessive erworben und im Gehirn nach haltig verankert (vgl. Roth 2016) wer den. Gerade das Erleben von Werten wie Verantwortung für mich und andere werden nachhaltiger verinnerlicht und in Handlungen überführt als die bloße theoretische Beschäftigung damit (vgl. Standop/Schubarth 2016) . Zu guter Letzt soll noch auf einen anderen integrativen Aspekt von schulischen Musikgruppen hingewie sen werden. Zugewanderte Schülerin nen und Schüler, die ein Instrument spielen, können hier integriert und gefördert werden, da sie als Teil einer jahrgangsübergreifenden Gemein schaft, bei der es nur um Musiknoten und die Gesamtleistung einer Gruppe geht, Anerkennung und Selbstwirk samkeit erfahren sowie Anschluss finden. Wenn junge Musikerinnen und Musiker Deutsch als Zweitsprache erworben haben, unterstützt eine sprachsensible Probenarbeit (vgl.

Seemann 2015) bei der Integration in die Band, die Schulgemeinschaft und letztendlich in die Gesellschaft. Während schulische Musikgruppen das Schulleben musikalisch bereichern und die Schulgemeinde erfreuen, wird an den ausgewählten Beispielen auch deren unschätzbares Potenzial für Demokratiebildung und Wertevermitt lung und damit der Big Band als »Wer tebildungsraum« (Standop/Schu barth 2016:101) sichtbar. Ein weiteres Argument, die besondere Arbeit von Musikgruppen in der Schule zu unter stützen und zu fördern. Björn Bock und Florian Seemann | Schillerschule Frankfurt am Main Literatur: Beutel, Wolfgang (2025): Demokratiebil dung. Chance und Herausforderung zu gleich. In: Friedrich Jahresheft 43/2025 – Bildung, S. 48–51. Roth, Gerhard (2016): Werte setzen sich im kindlichen Stirnhirn fest. In: Schüler. Wis sen für Lehrer. Themenheft Werte, S. 34. Seemann, Florian (2015). Sprachsensible Probenarbeit. Unterstützungshilfen für nicht muttersprachliche Musiker. In: Clarino 10/2015, S. 38–40. Standop, Jutta und Wilfried Schubarth (2016): Sind Werte ein Thema für die Schule? Möglichkeiten der Wertebildung. In: Schüler. Wissen für Lehrer. Themenheft Werte, S. 100–103. Wohne, Kerstin (2016): Martha und das Schulorchester. Von Disziplin, Gemein schaft und Musik. In: Schüler. Wissen für Lehrer. Themenheft Werte, S. 104–107.

Titelthema

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SCHULE 2|2026

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