impuls | Pfarrbrief St. Georg, St. Marien, St. Josef und St. Hildegard

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Augenblicklich hatte er es auf den bischöflichen Generalvikar Dr. Johannes von Pomuk abgesehen, der als pflichtgetreuer, eifriger und hilfsbereiter Priester überall geschätzt wurde. Er ließ ihn zu sich kommen. Das bedeutete nichts Gutes. Johannes war sich seiner Lage bewusst. Der König würde wohl irgendeinen Vorwand gebrauchen, eine ungehörige Forderung an ihn zu stellen. Er wusste, was er zu tun hatte. Wenzel redete freundlich, liebens- würdig. Was führt er im Schild? Dachte Nepomuk. Da war auch schon die Frage heraus: „Sie sind Beichtvater meiner Gemahlin, was beichtet sie?“ „Über jeder Beichte steht das Siegel der Verschwiegen- heit“, antwortete er fest und ruhig. Es wetterleuchtete in den Augen des Königs. Schon wieder kommt die Frage:“ Was beichtet sie?“ „Nie wird es über meine Lippen kom- men!“ Die Antwort ist gegeben. Der König wirft seine Maske ab. Henkersknechte stehen immer bereit. Wenzel selbst ist Henkers- knecht. Mit satanischem Gelächter schürt er die Glut, hält die Fackel hinein, stößt sie seinem Opfer in die Seite. „ Na wird’s bald?“ Nepomuk schweigt, eher beißt er sich die Zunge ab. Mittlerweile ist es Nacht

geworden. Nacht deckt das Ver- brechen zu, scheinbar wenigstens. Noch lebt Johannes. Die Henker zerren ihn nach draußen. Wie labend ist die Nachtluft! Sie schleifen ihn – gehen kann er nicht mehr – an die Moldaubrücke. Ein Stoß, ein Fluch, ein Aufschlag, Gelächter – los ist er ihn, den feigen Mucker! Los? Nun spürt er ihn, bei Tag und Nacht. Alle, die durch seine Hand umkamen, spürt er, fühlt ihre Nähe, fühlt sie nach seinem Herzen greifen, rastlos wird er unter der Last des gefolterten Gewissens. In der Morgenfrühe sehen Fischer ein Leuchten aus der Tiefe der Moldau. Nie sahen sie das sonst. Mit ehrfürchtigem Entsetzen heben sie den Leichnam des heiligen Priesters zur Höhe. In der Prager Domkirche wird er bestattet. Sein Leib verging – seine Zunge nicht, 1729 wurde er Heiliggesprochen. Fast überall, wo Brücken sind, steht er. Nepomuk ist der Schutzheilige der Gewässer, hilft bei Überschwem- mungen und ist allgemein der Brückenheilige.

Elke Lindemann St. Josef

Quelle: „An ewigen Brünnlein“ von Mutter Huberta Schmetz

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