Blickpunkt Schule 4 2026

formulierte, ist dabei wohl selbst für Laien keine überzeugende Lösung. Was also tun? Wozu brauchen wir Schulen noch? Dass die Arbeit mit KI in den Schulen eine Rolle spielen muss, ist mittler weile selbst den konservativsten Be obachtern klar. Die Frage, wie dies ge schehen sollte, ist dabei alles andere als trivial. Zwar gibt es mit AIS.chat mittlerweile einen staatlichen KI Chatbot für Schulen, aber mit der Stabilität und der Akzeptanz ist es nicht überall weit her. Hinzu kommt, dass laut dem Deut schen Schulbarometer zwar 64 Pro zent der Lehrkräfte angeben, KI zu nutzen, wenn sie Aufgaben erstellen. Und trotzdem fühlt sich die Hälfte von ihnen im Umgang mit KI unsi cher. Eine widersprüchliche Entwick lung, wie es Gymnasiallehrer Hendrik Haverkamp, der Gründer der Feed back-KI ‘FelloFish’, ausdrückt. »Rollt eine Welle von AI-Slop auf die Klas senzimmer zu?«, fragt er. Von KI Slop spricht man, wenn es sich um massenhaft erzeugte, meist minder wertige Inhalte handelt, die mit KI erzeugt wurden. Minderwertig im Schulbereich würde heißen: nicht auf Qualität geprüft, wenig sorgfältig oder kreativ. Dies wäre insofern gera dezu paradox, da ja gerade viele Lehrpersonen den Rückgang von Kreativität und kritischem Denken bei den Schülern fürchten. Kann und sollte es also Aufgabe der Schule sein, dass alle Lehrkräfte so kompetent im Umgang mit künst licher Intelligenz werden, dass sie ihre Schülerinnen und Schüler selbst zu KI-Experten machen? Oder landen wir dann bei einer Situation wie bei den kontroversen ‘Enhanced Games’, ei nem Sportwettkampf, bei dem jeder dopen darf? Die Analogie mag übertrieben wir ken, aber die Entwicklung des indivi duellen Lernens mit KI bis zu einer Dystopie zu denken, ist eine sinnvolle Übung. Denn auch wenn ein solches Szenario unwahrscheinlich ist: Wozu

flexibel und individualisiert aufzube reiten wie die KI? Bildung unter dem Diktat individueller, ökonomischer Verwertbarkeit Dies sind keine an den Haaren herbei gezogenen Fragen. In den sozialen Medien gibt es längst einen Nützlich keitsdiskurs, der Bildung vor allem unter dem Diktat individueller, öko nomischer Verwertbarkeit sieht. Und das mehr als sowieso schon. Der stän dige Hinweis darauf, dass Finanzbil dung, Miete, Steuern und Versiche rung als Unterrichtsinhalte fehlen (eine übrigens falsche Behauptung), soll dafür als Beleg dienen. Längst gibt es aber auch ernsthafte Ver suche, das Konzept Schule als solches zu hinterfragen. Der ehemalige Rektor Christoph Schmitt weist in regelmäßig erscheinenden Newslettern darauf hin, dass Schule nicht in der Krise sei: »Schule ist zu Ende.« Vor Kurzem fragte er: »Wie lässt sich Bildungs arbeit jenseits der ‘Form Schule’ denken?« Beobachtern und Begleitern der Bildungsdebatte wird auffallen, dass diese Entwicklungen nicht erst mit KI eingesetzt haben. KI ist nur der Kata lysator. Auch dann, wenn sie nicht so genutzt wird, wie die zu Anfang be schriebenen Lernexperten Linda Weise und Alexander Jorias es getan haben. Denn dass KI auch das Nicht lernen verstärken kann, ist längst ausgemachte Sache. Florian Nuxoll ist Lehrer für Englisch und Gemeinschaftskunde und arbeitet als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität Tübingen. Vergangenes Jahr brachte er die dunkle Seite des Lernens mit KI mit dem Begriff des ‘Deskillings’ auf den Punkt. »Wenn die KI den Prozess zum Produkt über nimmt – die Recherche, das Gliedern, das Formulieren –, findet kein Kom petenzaufbau in diesen Bereichen statt«, sagte er. Auf einer Konferenz erklärte mir ein Berufsschullehrer mit einem müden Lächeln: »Ich habe noch nie so gute Handouts für die mündlichen Prüfun

ZUR PERSON

Titelthema

Foto: Oliver Forstner

genau wären Schulen noch gut, wenn alle Schülerinnen und Schüler genug Expertise hätten, sich alles selbst an zueignen? Gäbe es überhaupt noch einen Grund dafür, an einen bestimm ten Ort zu gehen, an dem ein Mensch den Stoff lehrt, präsentiert oder er klärt? Zumal dann, wenn dieser gar nicht in der Lage ist, diesen so präzise, Bob Blume ist Lehrer, Autor, Podcaster und Bildungsinfluen cer. Er studierte Germanistik, Anglistik sowie Geschichte und arbeitete bis 2025 als Oberstu dienrat an einem Gymnasium in der Nähe von Baden-Baden. Momentan promoviert er in den Erziehungswissenschaften. Zu dem ist Bob Blume ein gefragter Experte in der deutschen Me dienlandschaft zum Thema Schule, schreibt Kolumnen bei 1&1 und dem Deutschen Schul portal und Gastbeiträge für den Spiegel. Bei der Verleihung der Goldenen Blogger 2022 wurde er als Blogger des Jahres aus gezeichnet. Im Jahre 2023 wurde Blume im Rahmen des Politik awards als einer von 15 ‘Young Thinkers’ ausgezeichnet. Im Rahmen der Auszeichnung ‘Top of the Table’ würdigte das Fach portal Bildung.Table ihn als eine einflussreiche Stimme im Bil dungsbereich. Sein Buch »Wa rum noch lernen?« wurde kurz nach Erscheinen zum SPIEGEL Bestseller. Sein Elternbuch ‘Wie kommt mein Kind gut durch die Schule?’ stieg nach Erscheinen im Februar 2026 auf Platz 3 der SPIEGEL-Bestsellerliste ein.

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