GOLF TIME 7/2019

TIME OUT

Der Schlaf- Faktor

D

avon träumt jeder: etwas im Schlaf können, etwas im Schlaf machen, etwas im Schlaf be- herrschen. Also etwas ohne Mühe, ohne große

Wesentlich dabei ist die Betrachtung des Schlafes. Während des Schlafes findet beim gesunden Menschen die Entschleunigung sowie die Erholung statt. Ähnlich wie beim eigenen Bankkonto zahlt ein Mensch Gesund- heitspunkte auf sein Energie- und Lebens-Konto ein, von dem er während des Tages wieder abhebt.“ Wenn aber das Konto leer ist, wenn kaum mehr Ener- gie vorhanden ist, herrscht Alarmstufe 1! Dr. Hauschild:

Anstrengung, einfach eben so bewerkstelligen können. „Das kann ich doch im Schlaf“, sagt sich so einfach, ist aber alles andere als jederzeit abrufbar. Gerade im Spitzensport heißt es meist, „das musst du üben, bis du es wie im Schlafe beherrschst“. Dass z. B. Golf geradezu mühelos, routiniert, eben „wie von

„Das zu erkennen ist für den Sportler und seinen Trainer wesentlich für die Belastung bzw. die richtige Dosierung und Erholung. Die Auswirkun- gen von Schlafmangel oder Schlafstörungen machen sich in verschiedensten Problemen beim Sport bemerkbar. Dies sind z. B. kognitive Probleme, Reizbarkeit, ADHS-ähnliche Symptome, geschwächtes

(Erholsamer Schlaf dokumentiert durch Grün)

selbst“ ausgeübt werden kann. Es gibt Tausende sehr gute Golfer weltweit, und dennoch schaffen es nur wenige Hun- dert, davon ordentlich leben zu können. Stellt sich die Frage: Wenn diese tollen Sportler Golf wie im Schlafe beherr- schen, warum gewinnen sie dann nicht nach Belieben? Und

weshalb spielt ein Martin Kaymer an einem Tag eine 66, am nächsten Tag dann eine 76? Eine mögliche Antwort: Er mag diese Sportart zwar wie im Schlafe beherrschen, aber ein noch kaum beachteter Erfolgsfaktor wurde bisher nicht einkalkuliert: Wie steht es mit dem Schlaf-Faktor? Offensichtlich ein völlig neuer Aspekt. Das Institut für ChronoPsychologie und ChronoMedizin an der Sigmund Freud Privat Universität Wien beschäftigt sich seit Jahren mit dem Thema Belastung, Erholung, Schlaf, Ernährung, Sport-Rehab, psycholo- gische Betreuung und Motivation und hat aus der jahre- langen Forschung ein GesundheitsmessSystem namens WAVE 6.0 (https://chronopsychologie.org) entwickelt. Dr. Peter Hauschild, Universität Wien: „Mit diesem System wird das autonome Nervensystem (ANS) eines Menschen unter Belastung und Entspannung gemessen.

Immunsystem, Unfallgefährdung, Muskelzerrungen etc.!“ Und weiter: „Wesentlich für den Trainer ist auch die Kenntnis der anaerob-laktaziden Phase der Energie- bereitstellung …“ Aha! Jetzt wissen wir’s. Auch wenn der Golfer seinen Sport „bereits wie im Schlaf“ beherrschen sollte, heißt das noch lange nicht, dass er geradezu schlafwandlerisch erfolgreich ist. Es kommt dann nämlich hauptsächlich darauf an, wie das persönliche Schlaf- bzw. Energie-Konto aussieht. Nicht wirklich neu – um 1600 heißt es in einem Shakespeare-Drama: „Sag mir, mein Liebster, was ist es, das dir deinen Schlaf raubt...“ In diesem Sinne: ein schönes Spiel und einen besonders gesunden Schlaf.

OSKAR BRUNNTHALER ob@golftime.de

Die nächste

erscheint am 25. November 2019

98

GOLF TIME | 7-2019

www.golftime.de

Made with FlippingBook - professional solution for displaying marketing and sales documents online