Gate to Travel No 16

Nichts deutet darauf hin, dass sich hinter der schlichten, gleichwohl schönen Fassade ein aufsehenerregend designtes Fünf-Sterne-Hotel verbirgt, das Kunst- und Architekturinteres sierte glücklich macht. Mit der direkten Nachbarschaft zum Ausstellungsge lände der Biennale, dem Contempo rary Art District, als Bonus. Wenn man durch das gläserne Halbrund der Eingangstür tritt, er öffnet sich eine Lounge, deren Wand reliefs und Bögen aus einer alten Ba silika stammen, mit weich gerundeten Polstercouchen, darüber ein Leuch ter mit mehr als 14 000 schimmern den Kristallplättchen, der in einem Atelier in Murano gefertigt wurde. Die in Mailand ansässige Desig nerin Patricia Urquiola kreierte ein Design, das die Schlichtheit des Ge bäudes aufnimmt und für das traditio nelle venezianische Kunsthandwerk, wie es sich in den zahllosen Palästen Venedigs findet, eine zeitgemäße In terpretation findet. Das Wasser der Lagune, über die man von den meis ten Zimmern schaut, diente als Leit motiv für die Gestaltung der 57 Suiten und neun Deluxe-Zimmer: In den Teppichen ein Wellenmuster, die Wände bespannt mit Tapeten, die in spiriert sind von den Reflexionen des Sonnenlichts auf der Wasseroberflä che. Elegante gedämpfte Farbnuancen in den Stoffen von Rubelli wie auch die verwendeten Materialien des klas sischen Kunsthandwerks Glas, Holz, Schmiedeeisen, Stein und Marmor – alles knüpft an die venezianische Tra dition an. Durch Bogenfenster in den gradlinigen Gängen fällt das Sonnen licht auf die Terrazzoböden und bringt kleine Lichtpunkte zum Tanzen. Was das CÀ DI DIO vollends zur Stadtoase macht, ist eine seltene Kostbarkeit in Venedig: ein abge

VENEDIG CA`DI DIO

chlendert man in Venedig die Riva degli Schiavoni entlang vorbei an San Marco und dem Dogenpa last, bekommt man die volle Dosis dessen, was unter dem Etikett Overtourism verhandelt wird. Touristenmassen, viele Reisegruppen, zahllose Souvenir stände, Vaporetti, die tuckernd Menschenmassen ausspu cken und wieder einsammeln. Was man auch bekommt: einen traumschönen Blick über die Lagune zur Giudecca und dem Inselchen mit der Chiesa S. Giorgio Maggiore. Man erklimmt die Treppenstufen der Brücken über die Kanäle nach Osten in Richtung des Kunstareals Ar senale, treppauf, treppab. Noch eine Brücke und noch eine und dann ändert sich das Bild komplett: An der Ponte Ca`di Dio trennt sich die Welt. Der Kai weitet sich fast zu einem Platz, begrenzt an der Stirnseite von einem Gebäude mit einer streng anmutenden, schlichten Fas sade. Schmale kleine Fenster unterstreichen die Stringenz. Bis ins Jahr 1272 reicht die Geschichte des sandfarbenen Gebäudes zurück, das als Herberge für Pilger auf dem Weg ins Heilige Land diente. S

schirmter begrünter Innenhof mit zwei im Original erhal tenen Brunnen. Wie geschaffen, um nach einem aus gedehnten und definitiv anstrengenden Stadtspaziergang im Schatten der Mimosenbäume zu entspannen. Oder den Ferientag zu beginnen - bei einem ausgedehnten Früh stück auf der Terrasse des Restaurants Essentia. Zu toppen ist das allenfalls von den zwei Altanas, die al lerdings zwei Suiten vorbehalten sind. Noch so eine vene zianische Besonderheit. Freiluftterrassen, die nach strengen Auflagen auf die Dächer gebaut werden dürfen, in einer Stadt, wo es nur wenige Balkons gibt. Wer unterwegs ab und zu den Kopf in den Nacken legt, kann sie entdecken. Die Küche im edel gestalteten Restaurant Vero arbeitet saisonal und regional, serviert werden italienische Klassiker, zeitgemäß weiterentwickelt. Sie nimmt Einflüsse aus dem Orient auf, auch das passt zur Geschichte der Handels metropole Venedig. Gin-Liebhaber sind in der Bar Alchemia bestens auf gehoben, die eine eigene Gin-Linie auf der Karte hat. Zum Apero mit Blick auf die Lagune werden frisch be legte Cicchetti angeboten. Perfekt auch um den Abend ausklingen zu lassen. https://vretreats.com/ca-di-dio/

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