CellitinnenForum 1_2019

Kultur | Freizeit

Kunst in den Einrichtungen Die historischen Josefs-Fenster im Wuppertaler ‚Kapellchen‘

Es ist das Jahr 1855 – das Zeit- alter der Industrialisierung hat be- gonnen, gleichzeitig bestimmen Wohnungsnot und soziale Prob- leme den Alltag vieler Elberfelder. Wie kleine Leuchtfeuer wirken da die stets hell erleuchteten bunten Kirchenfenster des neuerrichteten Krankenhauses St. Josef. Bis heute zieren die drei prächtigen Bleiglasfenster die Josefs-Kapelle. Angeordnet als Triptychon zeigen sie Situationen aus dem Leben des hl. Josef. Aus dem Geschlecht Kö- nig Davids stammend, lebt Josef, der Ziehvater von Jesus, als Zim- mermann in Nazareth. 1870 er- nennt ihn Papst Pius IX. zum Patron der katholischen Kirche. In Darstel-

lungen wird Josef häufig mit dem Jesuskind, einer Lilie oder einem Winkelmaß gezeigt. Attribute, die sich auch auf den Fenstern der Jo- sefs-Kapelle finden. So ist Josef auf dem linken der drei Fenster zu- sammen mit weiteren Personen als Zimmermann in der Zimmermanns- werkstatt abgebildet. Das mittlere Fenster zeigt Josef mit dem Jesus- kind auf dem rechten Arm und einer Lilie – als Symbol für Keuschheit und Reinheit – in der linken Hand. Das rechte Fenster hingegen zeigt Josef als Sterbenden im Beisein von Jesus Christus, seinem Sohn. Bis zur Grundsteinlegung am 22. März 1854 gibt es in Elberfeld kein konfessionelles Krankenhaus. Erst auf Betreiben des Pädagogen

Johann Gregor Breuer und Her- mann Joseph Herkenraths, Kaplan der Pfarrei St. Laurentius, gelingt es, genügend Kapital für den Bau eines katholischen Krankenhauses zu sammeln. Am 21. November 1855 wird das Hospital zusammen mit seiner Kapelle eingeweiht. Kur- ze Zeit später sind bereits alle 20 Betten belegt. Im zweiten Weltkrieg werden die kostbaren Josefs-Fenster im Kel- ler des Krankenhauses eingelagert. Über die Jahre gerät ihr Versteck in Vergessenheit. Erst in den 1960er Jahren werden sie zufällig wieder- entdeckt und in den 1980er Jahren restauriert und in die Kapelle ein- gesetzt.

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