GOLF TIME 4/2023

Die GOLF TIME Ausgabe 4/2023 als E-Paper, Erscheinungstermin 10.07.2023

26. JHG. | AUSGABE 4 | JULI 2023 € 6,90 | CHF 8,00 | IT € 8,90 | A, LUX € 6,90

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4-2023

151. OPEN CHAMPIONSHIP

FOTO TIME ADAM HADWIN AM BODEN FUN TALK MARCEL SCHNEIDER WAS MACHT ... DAVID LYNN SENSATIONSSIEG CHIARA HORDER

SAMSONITE- SHOWDOWN AUF DER SONNENINSEL GRADO GLORREICHES FINALE DEUTSCHE PROS SORGEN FÜR HOCHSTIMMUNG TURNIERE IN DEUTSCHLAND PATRONS DAY MIT MERCEDES-BENZ IN ROYAL LIVERPOOL

ROBOTEST DRIVER DIE NEUEN MODELLE IM HÄRTETEST TEIL 2

PIF-DEAL

HOTELS AUF DEM GOLFPLATZ SPEZIAL CLUBS SCHWUNGSTUDIE BROOKS KOEPKA MIT DEM DRIVER VERRAT DER DIE HINTERGRÜNDE ZUR 180-GRAD-WENDE VON PGA TOUR COMMISSIONER JAY MONAHAN TRAINING QUICK TIPP MIT RORY MCILROY

EDITORIAL

SPIKELESS

MACHENSCHAFTEN Wer dachte, die Profi-Golfwelt der Herren stünde seit Gründung von LIV Golf Kopf, der möge innehalten: Seit Anfang Juni hat das Drama eine ganz neue Dimension erreicht.

I

m Grunde fehlen mir die Worte, unglaublich, was sich da in den letz ten Wochen im Herren-Profigolf abgespielt hat. Ich brauche wohl nicht das durch die Saudi-Milliarden versaute Image von 48 Pros zu erwähnen oder die Streitereien um die Spielberechtigungen auf der PGA Tour und der DP World Tour. Oder den moralischen Zwist und Schaden, den die vor zwei Jahren gegründete LIV Golf Tour angerichtet hat. Aber was sich jetzt einige Herren, allen voran PGA Tour Commissioner Jay Mo nahan, erlaubt haben, grenzt an den totalen Verrat an der eigenen Sache. Wie eine Bombe hat Anfang Juni die 180-Grad-Wende Monahans eingeschlagen: die bahn brechende und völlig überraschende Einigung und der geplante Zusammenschluss zwischen PGA Tour, DP World Tour und PIF (Public Investment Fund von Saudi Arabien und Geldgeber von LIV Golf). Das wahnwitzige Rollenspiel: PIF-Governor Yasir bin Othman Al-Rumayyan soll Vorsitzender der neu zu gründenden Organisation werden, Jay Monahan CEO und

„Kein Wunder, dass Monahan nach seiner 180-Grad-Wende von vielen PGA-Tour Spielern als Heuchler bezeichnet wird. Das ist mit Verlaub noch die harmloseste Wortwahl.“

für die Amtsgeschäfte zuständig – er befindet sich aktuell übrigens aus nicht näher definierten Grün den im Krankenstand. Ich kann mir schon vorstel len, was Monahan plagt – wahre Kreuzprobleme, denn was hier eingefädelt wurde, kann nur von Leuten ohne Rückgrat ausgedacht worden sein. Kein Wunder, dass Monahan nach seiner Kehrt wende von vielen PGA-Tour-Spielern als Heuchler bezeichnet wird. Das ist mit Verlaub die noch harmloseste Wortwahl. Jene Spieler, die kein milli onenschweres Angebot von LIV erhalten bzw. die ses abgelehnt hatten, fühlen sich, wie Rory McIlroy

Foto: picture-alliance

Der neue Vorsitzende in spe: PIF-Governor Yasir Al-Rumayyan

fassungslos erklärte, als „Opferlamm“. Auch, weil es demnach zur nächsten Saison eine Rückkehrmöglichkeit für die LIV-Tour-Spieler auf die PGA und DP World Tour geben soll. Bleibt abzuwarten, ob der derzeit ermittelnde U.S.-Senat den schmutzigen Deal doch noch blockieren wird. Am 11. Juli (nach Redaktionsschluss) wurden Mo nahan, Al-Rumayyan und LIV-CEO Greg Norman zu einem Hearing geladen, wo erklärt werden sollte, wie der Deal zustande gekommen war (Coverstory ab S. 28).

Es grüßt Sie ein kopfschüttelnder

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VERFÜGBAR FÜR HERREN & DAMEN

OSKAR BRUNNTHALER Chefredakteur

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4 | 2023 INHALT

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ROBOTEST DRIVER Die neuen Modelle im Härtetest, Teil 2 ab Seite 70

COVER/NEWS 14 DURCHBRUCH Wyndham Clark triumphiert bei der 123. U.S. Open im The Los Angeles Country Club. 16 SENSATION Chiara Horder ge winnt die 120. Women‘s Amateur Championship im The Prince‘s. 28 GEMEINSAM STATT EINSAM Die Golfwelt steht seit der Verkündung der Tourenzusammenschlüsse Kopf. Eine Bestandsaufnahme. 38 1 51. OPEN CHAMPIONSHIP Exklusiver Patrons Day mit Mercedes-Benz und Padraig TURNIERE 18 PORSCHE EUROPEAN OPEN Tom McKibbin setzt einer tollen Harrington im Royal Liverpool GC. Turnierwoche in Hamburg die Krone auf. Siem, Kieffer sorgen für Furore.

CLUBS/REISE 44 HOTELS AUF DEM GOLFPLATZ Spezial: Ausgewählte Top-Resorts, bei denen der Golfplatz maximal ein Par 4 vom Hotel entfernt liegt. 78 LA DOLCE VITA Ein Golftrip durch TRAINING 90 DER TEE-CHECK Tom Duncan zeigt eine simple Übung für mehr Länge. 92 MAJOR-DYNAMIK Pro Danny Wilde analysiert den Schwung des 5-fachen Majorsiegers Brooks Koepka. Südtirol, Teil 2, inklusive toller Golfplätze und exklusiver Hotels.

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TEE OFF 6 FOTO TIME

Adam Hadwin wird von Security Guard getackelt

8 QUICK TIPP

22 AMUNDI GERMAN MASTERS

Der Bunkerschlag am Beispiel Rory McIlroy 10 GO ASK ... Fun Talk mit Marcel Schneider

Premierensieg für Krystina Napo leaova im G&CC Seddiner See, So phie Hausmann wird starke Dritte.

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25 BMW INTERNATIONAL OPEN Thriston Lawrence holt seinen vierten Titel im GC München Eichenried – Kieffer erneut top.

12 WAS MACHT ... David Lynn?

Mercedes-AMG SL 55 4MATIC+ | WLTP: Kraftstoffverbrauch kombiniert: 13,2–12,6 l/100 km, CO₂-Emissionen kombiniert: 299–286 g/km.1 1 Die angegebenen Werte sind die ermittelten WLTP-CO₂-Werte i. S. v. Art. 2 Nr. 3 Durchführungsverordnung (EU) 2017/1153. Die Kraftstoffverbrauchswerte wurden auf Basis dieser Werte errechnet.

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MISSGLÜCKTER JUBEL Der kanadische Tourpro Adam Hadwin sorgte unfreiwillig bei der RBC Canadian Open für den wohl kurioses ten Moment der Woche. Nachdem sein Landsmann Nick Taylor gerade als erster Kanadier seit 1954 das Heimturnier auf der PGA Tour gewin nen konnte, stürmte Hadwin, bereits geduscht und in Zivilkleidung, mit einer Champagnerflasche aufs Grün, um den neuen Champion nach seinem gelochten Siegesputt gebührend zu feiern. Ein allzu eifriger Sicherheits mann dachte jedoch, der Mann mit Vollbart, Kapuzenpullover, Kappe und Jeans sei ein Störenfried und nicht ein Tour-Kollege. Er umkurvte den jubelnden Nick Taylor und seinen Caddie Dave Markle und riss den nichtsahnenden Hadwin samt Scham pus in bester American-Football- Manier ziemlich unsanft zu Boden. GT

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QUICK TIPP

BUNKER MAGIC DER SCHLAG AUS DEM BUNKER RUND UMS GRÜN SOLLTE KEINEM WIRKLICH ANGST MACHEN ... Sie sind ein notwendiges Übel – zumindest wenn man so manchen Amateurgolfer fragt – gehören aber einfach zu jedem Golfplatz wie das Amen in der Kirche. Dabei gibt es eigentlich keinen Grund, sich vor den Bunkern bzw. dem Schlag aus selbigen zu fürchten. Im Grunde ist der Bunkerschlag rund ums Grün ein ganz normaler Golf schlag mit ein paar kleinen Einschränkungen bzw. Anpassungen. Folgende Punkte sind zu beachten, wenn Sie den Ball aus dem Bunker spielen (für Rechtshänder):

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RORY MCILROY Scrambling aus dem Bunker (Par oder besser):

Der Ball liegt mittig vor Ihnen, verlagern Sie nun Ihr Gewicht mehr auf den linken Fuß.

61,11% (PGA Tour: T19.)

Die Fußspitzen stehen in Verlängerung parallel zum Ziel. Öffnen Sie Ihren Stand nur, wenn Sie den Loft des Schlägers erhöhen wollen, z. B. bei einem kurzen Schlag mit hohem Ballflug.

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Öffnen Sie die Schlagfläche, um mehr Loft und Bounce zu erzeugen.

Kreieren Sie früh im Rückschwung einen steilen Winkel (90°) zwischen Handgelenken und Griff bzw. Schläger.

Der Oberkörper und linke Arm „ziehen“ im Downswing aktiv nach links vom Ziel, um den Loft auf dem Weg zum Ball beizubehalten.

Treffen Sie nicht den Ball, sondern den Bereich davor. Sie schlagen also vor dem Ball in den Sand und dieser wird auf einem „Sandkissen“ in die Luft befördert.

Regulieren Sie die Distanz durch die Intensität Ihres Schwungs, aber auch dadurch, wie weit vor dem Ball Sie in den Sand schlagen.

Üben Sie den Bunkerschlag auf Ziele mit unterschiedlichen Entfernun gen. Achten Sie dabei stets darauf, beherzt durch den Sand zu schwin gen. Sie werden sehen, mit etwas Übung verliert der Bunkerschlag schnell seinen vermeintlichen Schrecken ... GT

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TEE OFF | INTERVIEW

Deine Top-3-Golfer (tot oder lebendig)? Erneut Tiger Woods, weil er für mich so etwas wie ein Wedge-Gott ist. Dahinge hend dann auch Phil Mickelson und, nicht zuletzt, ich (lacht). Welcher ist dein Lieblingsschläger im Bag? Mein heiliges Lob Wedge – das ist stets für einen Zauberschlag bereit ... Gibt es einen Schlag in deiner Karriere, den du gerne noch einmal spielen würdest? Ach, den ein oder anderen verschobe nen 1-Meter-Putt würde ich dann doch gerne nochmals wiederholen (lacht). Wir nehmen dich mit auf eine Faschingsparty. Als was verkleidest du dich? Als Cowboy. Welche übernatürliche Kraft hättest du gerne? Wenn ich es mir aussuchen könnte, dann würde ich wohl am liebsten gerne fliegen können. Welche ist deine erste Golferinnerung? Das sind wahrscheinlich meine ersten Schläge auf dem heimischen Fußballplatz. Das war sozusagen meine erste Trainings base, bevor ich dann im Golfclub Monrepos Mitglied wurde. Gibt es Schwächen? Woran arbeitest du am meisten? Ich arbeite am meisten an meinen Scoring-Schlägen, also vor allem an den Schlägen mit dem Eisen 8 bis zum Pitching Wedge. Was ist das Schönste am Leben als Tour Pro? Am schönsten finde ich, dass alles jede Woche wieder von vorne beginnt. Was gefällt dir daran am wenigsten bzw. ist das Unangenehmste? Dass Erfolge aufgrund von – siehe vorherige Frage – auch schnell wieder in Vergessenheit geraten. Ein Tipp für unsere Leser: Woran sollten sie am meisten arbeiten? Investieren Sie VIEL mehr Zeit auf und um das Grün – der Score wird es Ihnen über kurz oder lang danken. GT Hattest du mal so richtig Ärger in der Schule? Wer nicht (grinst)? Fisch, Fleisch oder vegetarisch? Fisch. Hund oder Katze? Ich fürchte weder noch ...

der Saison 2022 und der laufenden Saison 2023. Zum Vergleich: In seiner gesamten Zeit auf der Challenge Tour, immehin sie ben Jahre, konnte er rund 405.000 Euro an Preisgeldern einspielen. Aktuell rangiert Marcel Schneider auf dem 82. Platz im Race to Dubai und in der offiziellen Weltrangliste auf dem 188 Rang. Bei der Porsche European Open erzielte er den geteilten 33. Platz, mit dem er nach ei gener Aussage nicht ganz so zufrieden war – da wäre mehr drin gewesen, wie er nach dem Turnier meinte. Im Vorfeld hatte ich – nicht zum ersten Mal – die Gelegenheit, das Pro-Am mit Marcel zu bestreiten, wie immer eine überaus erfrischende Erfahrung mit dem sympathischen jungen Mann. Dein Leben steht auf dem Spiel und es gilt, einen Downhill-Putt mit starkem Break aus drei Metern zu lochen. Du darfst den Putt nicht ausführen – wen wählst du für diese Aufgabe? Keine Frage: Tiger Woods. Was war der emotionalste Moment auf dem Golfplatz, den du erlebt hast? Mein Sieg auf der Challenge Tour 2018 in der Schweiz war schon etwas ganz Besonderes für mich. Nicht nur, weil es mein erster auf der Challenge Tour war, sondern auch, weil mein Spiel während der vier Turniertage absolut genial war.

GO ASK

MARCEL

Was ist deine größte Stärke auf dem Platz? Das ist mein kurzes Spiel.

Nach einer erfolgreichen Amateur Karriere entschied sich Marcel Schneider Ende 2012 dazu, den Schritt ins Profilager zu gehen (Handicap +5). Zuvor, genauer gesagt seit 2007, hatte er bereits mehrere nationale und internatio nale Titel gewonnen, darunter 2012 das drittgrößte Amateur-Turnier der Welt, die Australian Amateur Championship. Bei der Team-Weltmeisterschaft in der Türkei konnte Marcel mit dem Golf Team DP World Tour Pro Marcel Schneider über seine früheste Golferinnerung, seine Stärke auf dem Platz, was ihm am besten am Leben als Tour Pro gefällt und woran Amateure seiner Meinung nach am meisten arbeiten sollten. Von Oskar Brunnthaler

Germany die Bronzemedaille gewinnen. Seine Amateur-Karriere beendete der heute 33-Jährige mit Geburtsort Bietigheim- Bissingen, nördlich von Stuttgart gelegen, auf dem überaus beachtlichen 6. Platz in der Amateur-Weltrangliste. In seinem ersten Jahr als Profi, 2013, konnte er sich auf der Pro Golf Tour prompt unter die Top 15 spielen. 2014 gewann er dort zwei Turniere und sicherte sich on top auch noch den Gesamtsieg der Pro Golf Tour. Somit gelang ihm 2015 erstmals der Aufstieg auf die Challenge Tour. Ein Jahr später gewann er die Deutsche PGA-Meisterschaft im Golfclub St. Leon Rot. 2018 gelang ihm schließlich der Durchbruch auf der Challenge Tour mit seinem ersten von drei Siegen bei der Swiss Challenge im Golf Club Sempach. 2020 wurde Marcel in der Challenge Tour-Rangliste, der Road to Mallorca, sensationeller Zweiter, wodurch er sich die Spielberechtigung für die DP World Tour sicherte. Zwei weitere Siege auf der Challenge Tour 2021 sollten folgen und

auch die Teilnahme an seinem ersten Major – der 149. Open Championship. Auf der DP World Tour spielte Marcel vergangenes Jahr seine bislang beste Saison: Er qualifizierte sich durch insgesamt sechs Top-10-Resultate nicht nur für sein zweites Major (U.S. Open), sondern auch für das Saisonfinale der DP World Tour, zu dem nur die besten 50 Spieler des Jahres zugelassen sind. Sein bislang bestes Resultat auf der DP World Tour erzielte Schneider bei der Singapore Classic 2023, wo er den hervor ragenden geteilten dritten Platz belegte und damit verbunden auch das höchste Preisgeld (rund 97.000 Euro) seiner bisheri gen Karriere kassierte. Überhaupt scheint es so, als wäre der Knoten bei dem sympathischen Deutschen vergangenes Jahr geplatzt, was sich auch im wohlverdienten Preisgeld niederschlägt: Von den rund 1,2 Millionen Euro, die Marcel in seiner bisherigen Karriere auf der DP World Tour bei 97 Turnieren einspielen konnte, erfolgten rund 930.000 Euro in

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Fun Talk: Oskar Brunnthaler, Marcel Schneider beim Pro-Am der Porsche European Open

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TEE OFF | NEWS

PABLO LARRAZÁBAL ist der Mann der Stunde auf der DP World Tour. Im April gewann der 40-jäh rige Spanier bei der Korea Championship

presented by Genesis seinen achten Titel. Im Mai legte er bei der KLM Open nach und feierte in den Niederlanden mit zwei Schlägen Vorsprung vor sei nem Landsmann Adrián Otaegui Titel Nummer neun auf der DP World Tour.

PATRICIA ISABEL SCHMIDT holte mit einer überragenden Schluss runde von 6-unter-Par bei der Belgian Ladies Open ihren ersten Titel auf der

Ladies European Tour. Für die 27-jährige Deutsche ist es das erste Jahr in der höchsten europäischen Damenliga. In der vergangenen Saison konnte sie auf der LET Access in Schweden ebenfalls einen Sieg verbuchen. ROSE ZHANG war, siegte die 20-jährige Kalifornierin bei ihrem Debüt als LPGA-Proette bei der Mizuho Americas Open 2023 im Liberty National. Zuletzt war dieses Kunststück auf der LPGA Tour Beverly Hanson im Jahr 1951 gelungen. Ausnahmetalent Zhang wird schon seit Längerem eine große Zukunft vorhergesagt. Nur 13 Tage nach dem Gewinn ihres zweiten NCAA-Titels und neun Tage, nachdem sie ins Profilager gewechselt

2013 holte David Lynn den Sieg beim Portugal Masters

DAVID LYNN WAS MACHT EIGENTLICH …?

Ich war neun Jahre lang ununterbro chen gereist und es war so verrückt in dem Laufrad, dass ich sogar vergessen hatte, wie das Wetter funktionierte. Ich kam nach Hause und fragte meine Partnerin Sally, wann in Großbritan nien die Sonne herauskommt, weil ich mich nicht mehr erinnern konnte.“ IMMOBILIEN-EXPERTE Lynn hatte aber einen Backup-Plan und verfolgte ihn in den letzten Jahren vol ler Freude. „Ich habe 2001 angefangen, mich mit Immobilien zu beschäftigen, und dafür bin ich sehr dankbar“, sagte er. Der heute 49-jährige Ex-Pro entwi ckelt nun Immobilien und sein jüngstes Projekt in Hull sieht den Verkauf von 38 Häusern vor, von denen einige nach Golfgrößen benannt sind. „Bei diesem Geschäft wende ich ein wenig Golfphi losophie an. Wenn etwas nicht richtig läuft, betrachte ich es als einen verpass ten Cut, also schüttelst du den Staub ab und machst mit dem nächsten Schritt weiter. Es gibt auch ein Risiko-Reward Element, bei dem du deine Strategie ab wägen und überlegen musst, ob es sich lohnt, sie anzunehmen.“ David Lynn ist zufrieden mit seinem „normalen“ Leben in Stoke-on-Trent und genießt die Zeit mit seiner Frau Sally und den beiden Töchtern Layla (9) und Lexi (7). Hin und wieder greift „Shoulders“ dann aber doch noch zum Schläger, aber nur mehr zum Spaß, und auch auf Twitter kommentiert der für seinen Humor bekannte Engländer gerne noch das Tourgeschehen. GT

Vor knapp einem Jahrzehnt sorgte der Engländer David Lynn auf der Tour für Furore. Bei der PGA Championship 2012 musste er sich als völliger Außenseiter auf dem Ocean Course in Kiawah Island lediglich ei nem damals überlegenen Rory McIlroy geschlagen geben. Kurz darauf wurde er auch Mitglied der PGA Tour, wo er bei der Wells Fargo Championship 2013 im Stechen Derek Ernst unterlag. Im Oktober 2013 holte er beim Portu gal Masters dann nach der KLM Open 2004 seinen zweiten großen Titel auf der European Tour. Doch das Karriere Highlight besiegelte auch ein wenig den Abgesang von „Shoulders“, wie Lynn gerne wegen seiner breiten Schultern genannt wurde. Er war 2013 insgesamt 42 Wochen unterwegs, und als er im darauffol genden Jahr körperlich und geistig er schöpft wieder loslegte, wusste er, dass er in Schwierigkeiten steckte. Ende 2014 setzte er seiner Karriere ein abruptes Ende und nahm bis heute nie wieder an Profiwettkämpfen teil. Damals mun kelte man, er habe eine chronische Seh nenentzündung im Ellenbogen. „Ich hatte zwar eine Sehnenentzündung, aber das war nicht der Grund, warum ich aufgehört habe“, gestand er vor zwei Jahren der Daily Mail. „Die Wahrheit ist einfach, dass ich keine Leidenschaft mehr für das Spiel hatte. Es mag selt sam klingen, aber ich wollte einfach normal leben. Wir hatten unser erstes Kind bekommen und ich hatte das Ge fühl, dass das Leben an mir vorbeizog.

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MICHAEL BLOCK sorgte zunächst bei der PGA Champion ship mit Platz 15 und einem Hole-in-one in der Finalrunde für die Feelgood Story N T

des Jahres. Der Teaching Pro aus Kalifornien über trieb es dann aber bei einem Interview, als er mein te, hätte er die Länge von Rory McIlroy, wäre er wohl der beste Golfer der Welt. Nur Tage später belegte er bei der Charles Schwab Challenge den letzten Platz. PHIL MICKELSON das HyFlyers-GC-Team unter der Leitung von Phil Mickelson ein und beschuldigte die Liga, ihr Logo kopiert zu haben. Die Anwälte von Cool Brands Supply argumentieren, dass „die Übernahme und Verwendung eine vorsätzliche Verletzung darstelle“. JOHN DALY Die Muttergesellschaft der Skateboard- und Lifestyle-Marke Fallen reichte vor einem Bundesgericht Klage gegen LIV und

sorgt aktuell für eine Absage-Flut. Nach der PGA Championship reichte es dem 57-Jährigen bei der Seniors PGA nach 13

Löchern und er kritisierte die Veranstalter danach für die schiefen Abschlagboxen. Last but not least sagte er kurzfristig auch noch die Teilnahme beim Charity Event „Beauty & the Beast“ ab, wo er gegen Influen zerin Paige Spiranac hätte antreten sollen.

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TEE OFF | NEWS

Gott hatte einen Plan für mich, und der ist offensichtlich viel größer, als ich es mir je mals hätte vorstellen können.“ Zu Beginn der U.S.-Open-Woche hatte er 18 von 21 Cuts dieser Saison geschafft, bei Weitem seine beständigste Leistung, und landete sechsmal in den Top 10. Im Mai gewann er die Wells Fargo Champi onship (und 3,6 Millionen U.S.-Dollar). Er beherzigte einen neuen mentalen Ansatz (von Mentaltrainerin Julie Elion), der ihm seiner Meinung nach geholfen habe, sich an den Wochenenden besser zu konzentrie ren. Eines der Dinge, zu denen Elion Clark ermutigte, war, in jedem Turnier drei Ziele zu verfolgen: 1. Genieße deine Zeit auf dem schönen Golfplatz. 2. Sei frech da draußen. 3. Erinnere dich an die ersten beiden Din ge. Und als er am U.S.-Open-Finalsonntag im letzten Flight mit Rickie Fowler die endlosen „Rickie“-Anfeuerungsrufe hör te, befolgte er genau Elions Ratschlag und blieb selbstbewusst. „Sie sagte: ‚Jedes Mal, wenn du jemanden ‚Rickie‘ rufen hörst, denk an deine Ziele, sei übermütig und zei ge ihnen, wer du bist“, sagte Clark. „Heute habe ich mich sicher mehr als 100 Mal an diese Ziele erinnert.“ EIN WÜRDIGES ENDE Clark stand also am 18. Abschlag und brauchte ein Par, um die 123. U.S. Open zu gewinnen. Eine der letzten Botschaften, die seine Mutter Lise ihrem Sohn mitgege ben hatte, war: „Spiel groß auf“, nicht nur beim Golf, sondern auch im Leben. Das war ihr Mantra. Am 18. Abschlag, als die Sonne langsam unterzugehen begann, schlug Clark einen starken Fade, fand aber noch die rechte Seite des Fairways. Sein Approach aus 180 Metern landete auf der Vorderseite des Grüns. Clark rollte seinen Birdieputt direkt zum Loch, der Tap-in zum Par war nur noch Formsache. Es war geschafft. Als der Ball im Loch ver schwand, ballte Clark die Faust und die Emotionen strömten aus ihm heraus. Er umarmte seinen Caddie und Freund John Ellis und vergrub dann schluchzend sei nen Kopf in seiner Kappe. Als Nächstes kamen seine Familienmitglieder. Er um armte sie alle, sie weinten: sein Bruder, sei ne Schwester, seine Freundin. Auch Fowler gratulierte ihm. „Deine Mutter war bei dir“, sagte er, „sie wäre sehr stolz.“ Clark widersprach nicht. „Meine Mutter war so positiv und ein großer Motivator in allem, was sie tat“, sagte Clark, die silberne U.S.- Open-Trophäe an seiner Seite. „Sie würde heute Freudentränen weinen. Sie nannte mich immer Wynner, als ich klein war, also würde sie jetzt wahrscheinlich einfach nur sagen: ‚Ich liebe dich, Wynner!‘“ GT

WYNNER SIEGT IN HOLLYWOOD

nem Schlag Vorsprung auf Rory McIlroy reichen sollte. Während für den Nordiren und Rickie Fowler, der am Finaltag mit ei ner 75 (+5) noch auf den geteilten fünften Platz zurückfiel, wieder einmal ein Major mit Tristesse endete, konnte Wyndham Clark wuchs in Denver, Colorado, auf, wo seine Mutter Lise ihn im Alter von drei Jahren mit dem Golfsport in Berührung brachte. Er lernte mit und von seinem Va ter Randall, spielte und trainierte im Cher ry Hills Country Club, gewann zwei High school-Staatsmeisterschaften und spielte College-Golf im Bundesstaat Oklahoma. Während seines ersten Jahres als Cowboy wurde bei seiner Mutter Brustkrebs diag nostiziert. Sie starb im Jahr 2013. Ihr Tod erschütterte Clark sowohl auf als auch abseits des Platzes. Er zerschmetterte die Schläger und gab inmitten so mancher Runde einfach auf. Er hatte Schwierigkei ten, sich zu konzentrieren. Clark wech selte dann, widerwillig, nach zwei Jahren nach Oregon. Im Jahr 2017 wurde er Profi, schaffte in seinen ersten beiden Jahren auf der PGA Tour zwei von acht Cuts und hat te in den letzten vier Jahren gemischte Er folge: 62 Prozent der Cuts und neun Top 10-Platzierungen, sein bestes Ergebnis war ein zweiter Platz bei der Bermuda Cham pionship 2020. Er fühlte sich ohne seine Mutter verloren und war frustriert, dass er nicht mit seinen Kollegen mithalten konn te, obwohl er wusste, dass er es könnte. Er schlug in seinem Auto auf Gegenstände ein und schrie. „Ich bin wirklich froh, dass ich da durchgehalten habe“, sagte Clark. „Und Clark sein Glück kaum fassen. MENTALE ACHTERBAHN

→ „Ich weiß, dass meine Mutter stolz auf mich wäre“, sagte Wyndham Clark, der jüngste Major-Champion des Golfsports, der im Los Angeles Count ry Club (LACC) die 123. Auflage der U.S. Open für sich entscheiden konnte. „Sie war immer stolz auf mich, egal wie es mir ging oder was ich machte. Ich wünschte nur, sie könnte hier sein und wir könnten das ge meinsam genießen.“ So ziemlich niemand hatte den 29-jährigen Clark vor den Toren Hollywoods angesichts der Starpower auf dem Leaderboard auf der Rechnung. Klar teilte er bei 10-unter-Par die 54-Loch-Füh rung mit Fanfavorit Rickie Fowler. Doch dahinter lag der nordirische Superstar Rory McIlroy nur einen Schlag zurück. Und auch Scottie Scheffler, die Nummer 1 der Welt, lauerte auf der Suche nach seinem zweiten großen Titel ebenso unmittelbar dahinter. Clark? Dies war erst sein siebter Start bei einem Major, sein bestes Ergebnis zuvor war ein geteilter 75. Platz. Niemand hätte gedacht, dass dessen Woche Stoff für ein Hollywood-Drehbuch sein könnte. Aber Wyndham schaffte am Finaltag eine solide Par-Runde, die für den Sieg mit ei sich seinen ersten Major-Titel. Rory McIlroy und Rickie Fowler haben erneut das Nachsehen. Von Markus Scheck Wyndham Clark gewinnt als Außenseiter die 123. Ausgabe der U.S. Open und sichert

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TEE OFF | NEWS

Bei der 19. German Boys & Girls Open im Golf Club St. Leon-Rot verteidigt Tim Wiedemeyer (Münchener GC) seinen Titel. Bei den Mädchen gewinnt die Spanierin Rocio Tejedo vor der Deutschen Helen Briem (Stuttgarter GC Solitude). JUGEND- FESTSPIELE Hubbelrath wurde Zweiter und sorgte so für den Doppelerfolg des Junior Team Germany (JTG) bei dem hochklassig besetzten, inter nationalen Jugendgolfturnier im GC St. Leon-Rot. Dritter wurde der Italiener Giovanni Manassero mit 209 Schlägen. Wiedemeyer, der im vergangenen Jahr schon einen souveränen Start-Ziel-Sieg bei dem Turnier hingelegt hatte, wiederholte diesen Erfolg auf die gleiche Weise: Dabei ging der Matchplan des Spielers des Junior Team Germany voll auf. „Ich hatte mir vorgenommen, mir vie le Chancen zu erarbeiten. Ich wollte nicht unbedingt auf sicher spielen, sondern eher smart. Auf den ersten 13 Löchern habe ich allerdings ein paar dumme Fehler gemacht und mich mit nicht so optimalen Drives in schwere Lagen gebracht. Dann hat es bei mir aber doch noch richtig gut funktioniert.“ Bei den Mädchen gewann die Spanierin Rocio Tejedo (69, 68, 69, insgesamt 206) mit nur einem Schlag Vorsprung vor Helen Briem (Stuttgarter GC Solitude, 207), die an allen drei Tagen je weils eine 69er-Runde ins Clubhaus brachte. Platz drei ging mit Anna Canado Espinal ebenfalls an eine Spanierin (209). Tejedo ging als Führende mit einem Schlag Vorsprung auf Briem in die Finalrunde und es blieb spannend bis zum Schluss. Am Ende brachten beide eine 69 (-3) ins Clubhaus, womit Tejedo einen wei teren großen Titel ihrer Sammlung hinzufügen durfte. „Es ist eine riesige Ehre, hier zu gewinnen. Ich habe noch kein Turnier auf die sem Niveau gespielt. Von der Organisation her ist dies das beste Turnier, bei dem ich je mitgespielt habe“, so die Spanierin. GT S tarke Leistung von Tim Wiedemeyer: Der Spieler vom Münchener GC setzte sich bei den Jungen über drei Runden mit 66, 67 und 71 Schlägen (gesamt 204 Schläge) souverän durch. Peer Wernicke (208) vom GC

hiara Horder mit Heimatclub Golf Valley München ist nach Aline Krauter (2020) und Leonie Harm (2018) bereits die dritte Deutsche, die die Women’s Amateur Trophy in den letzten sechs Jahren gewinnen konnte. Horder, die zur Halbzeit im englischen The Prince’s mit drei Lö chern in Führung lag, setzte sich im Nachmittagsmatch dank kon stanter Drives, präzisem Eisenspiel und einem exzellenten Kurz spiel durch. „Ich fühle mich großartig und bin so glücklich, dass ich gewon nen habe“, so Horder nach ihrem Sieg. „Ich meine, es ist eine der größten Amateurmeisterschaften und kann es nicht glauben, ich bin einfach super glücklich. Wir haben in den letzten paar Tagen so viele Runden gespielt. Es waren etwa elf Runden, und dann ha ben wir heute fast 36 gespielt, das war schon anstrengend. Aber ich bin dabeigeblieben und habe es genossen. Das ist etwas ganz Besonderes für mich.“ Mit ihrem Sieg hat sich Horder einen Platz im Teilnehmerfeld der Amundi Evian Championship und der AIG Women’s Open in diesem Sommer sowie der Chevron Championship und der U.S. Women’s Open 2024 gesichert. Die deutsche Nationalspielerin, die im Women’s World Amateur Golf Ranking (WAGR) auf Platz 273 geführt wird, erhält zudem eine Einladung für die Augusta Natio nal Women’s Amateur Championship im nächsten Jahr. GT C PRINCESS CHIARA Chiara Horder gewinnt sensationell die 120. Women’s Amateur Championship. Im Finale über 36 Löcher setzt sich die 20-jährige Deutsche im The Prince’s, England, souverän mit 7&6 gegen Annabelle Pancake durch.

Die Champions: Tim Wiedemeyer und Rocio Tejedo

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TURNIERE NEWS | NATIONAL | INTERNATIONAL

es der einfachere Schlag, als vorzulegen und über das Wasser zu spielen. Ich werde es wahrscheinlich erst morgen begreifen. Meinen Vater dabei zu haben, ist natürlich besonders. Vor seinen Augen gewinnen zu können, war unglaublich.“ McKibbin war erst vergangenen Winter von der Challenge Tour auf die DP World Tour aufgestiegen. Sein bislang bestes Er gebnis in diesem Jahr war ein zwölfter Rang in Singapur; der Sieg erfolgte bei sei nem 26. Turnier auf der DP World Tour. Er ist der zweite nordirische Sieger in dieser Saison nach Rory McIlroy. Durch den Sieg, für den McKibbin ein Preisgeld in Höhe von rund 316.000 Euro erhielt, machte er einen Sprung im Race to Dubai auf den 24. Platz. DEUTSCHES POWER-DUO Bei den beiden deutschen Siegaspiranten Marcel Siem und Maximilian Kieffer löste die Freude über ein historisches Ergebnis schnell die Enttäuschung über den ver passten Sieg ab. „Ich habe noch nie eine solch überragende Stimmung bei einem deutschen Turnier erlebt – und ich habe sie alle gespielt seit 1999“, so der 42-jährige Siem, der mit seiner Emotionalität die Fans immer wieder mitriss und dabei mitunter selbst überwältigt wirkte. „Das war hinsichtlich der Atmosphä re mit Abstand das schönste Turnier, der Golfplatz ist einfach mega. So viele Kids waren da draußen. Ich glaube, das war ein richtig wichtiges Turnier für die Zukunft und unsere jüngeren Golfer. Das einzige Mal, dass mir die Hand gezittert hat, war beim zweiten Schlag auf der 18. Deswegen ist der auch nach rechts weggegangen. Am ersten Abschlag war es schon heftig, wie mich die Leute da hochgejubelt haben. Ich war eigentlich sehr kontrolliert, dachte, ich bekomme das alles ganz gut hin. Auf der 1 musste ich dann aber erst einmal doppelt

Versöhnlicher Turnierausgang für Maximilian Kieffer als geteilter Zweiter, der das Feld bis zur Halbzeit angeführt hatte

durchatmen. Das war so schön, hat total Spaß gemacht. Das war eine der geilsten Golfrunden, die ich je vor so vielen Zu schauern spielen durfte – das war richtig cool.“ Der einzige wohl unnötige Fehler, der Siem möglicherweise den Titel kostete, war der Abschlag an der 16. Siem dazu: „Ei gentlich peinlich, weil ich den Platz in- und auswendig kenne. Aber ich hatte in mei nem Birdie Book die Distanzen vom fal schen Abschlag notiert. Daher dachte ich, ich kann ein Holz 3 spielen, um auf dem Fairway zu landen. Leider war das Wasser aber deutlich näher als gedacht. Daran sieht man: Selbst nach 23 Jahren auf der Tour hat man noch nicht ausgelernt. Nächstes Mal werde ich mich besser vorbereiten.“ Siem und Kieffer sind nach Allen John (2018) und Bernd Ritthammer (2019)

die nächsten Golfer, die in Hamburg nur knapp am ersten deutschen Heimsieg vor beischrammten. „Nach der dritten Runde habe ich ei gentlich nicht mehr dran geglaubt. Ich war richtig fertig von der Woche. Aber dann war ich auf dem Platz und hatte ein ganz gutes Mindset. Ab der 4 habe ich dran ge glaubt, mein eigenes Spiel gespielt und nicht mehr auf das Leaderboard geschaut“, so Kieffer, der mit zwei Bogeys an den Lö chern 13 und 14 die Tür für McKibbin auf gemacht hatte. „Ich hätte an der 18 ein Bir die spielen müssen. Nach dem Abschlag habe ich wirklich die schlechteste Lage ge habt, die man nur haben kann: Das Rescue war genau an der Kante. Wenn ich das nicht treffe oder ein bisschen Wind kommt, ist der Ball im Wasser. Das Holz 3 war ei gentlich viel zu lang, aber dann habe ich einen Dreiviertel-Schwung gemacht,

DP-World-Tour-Rookie Tom McKibbin gewinnt die Porsche European Open

s war das mitreißende Fi nale einer atemberauben den Auflage der Porsche European Open: Der erst 20-jährige Tom McKibbin Dem 20-jährigen Tom McKibbin gelingt bei der 40. Porsche European Open der Durchbruch auf der DP World Tour. Marcel Siem und Maximilian Kieffer sorgen für deutsche Furore. E PREMIEREN-SIEGER ZUM 40. JUBILÄUM

seinen Ball aus rund 187 Metern über das Wasser und wenige Meter neben die Fah ne. Damit setzte er sich endgültig vom restlichen Feld ab. Mit 283 Schlägen (-9) gewinnt McKibbin die Porsche European Open mit zwei Schlägen vor den Zweitplat zierten Siem und Kieffer – Kieffer hatte das Feld die ersten beiden Runden angeführt – sowie dem Franzosen Julien Guerrier. „Es war ein großartiger Tag. Ich war in einer tollen Gruppe mit Jordan (Smith, d. Red.) und David (Law)“, so Tom McKib bin. „Es war einfach schön, da rauszuge hen und eine richtig gute Runde spielen zu können. Ich denke ich habe gelernt, dass ich gut genug bin, um zu gewinnen. Es mir selbst zu beweisen, war ziemlich besonders. Aber ich habe auch viel von Misserfolgen gelernt, z. B. um einen Schlag den Cut zu verpassen und andere Dinge knapp nicht zu schaffen. Heute habe ich all das nut zen können.“ Zu seinem Schlag ins Grün auf dem Schlussloch meinte der Champi on: „Es war definitiv einer meiner besten Schläge jemals. Er war knifflig, aber dann doch irgendwie nicht. Ich wollte ihn rechts auf dem Grün landen lassen und dann ist er noch abgebogen. Das Wasser war nicht im Spiel, das wusste ich. Am Bildschirm sah er bestimmt gut aus, aber letztlich war

aus Nordirland pariert an einem hoch spannenden Finaltag auf dem Porsche Nord Course der Green Eagle Golf Courses bei Hamburg erfolgreich die Attacken der beiden Deutschen Marcel Siem und Maxi milian Kieffer und sichert sich mit einem Traumschlag am letzten Loch den Titel bei der 40. Austragung des prestigeträchtigen Turniers auf der DP World Tour. McKibbin, der im selben Golfclub wie Rory McIlroy im nordirischen Holywood das Golfspielen lernte, schlug auf der 18

Erzielte bei der Porsche European Open 2023 das beste Ergebnis sei ner bisherigen DP-World-Tour-Karriere: Der Franzose Julien Guerrier

War sehr zufrieden mit seinem geteilten 14. Platz, seinem ersten Top-20-Resultat in diesem Jahr: Freddy Schott

Publikumsmagnet und starker geteilter Zweiter: Marcel Siem

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TURNIERE | PORSCHE EUROPEAN OPEN

„GOLF-FEST, DAS IN ERINNERUNG BLEIBEN WIRD ...“ „Wir sind uns sicher: Das war die beste Porsche European Open, die wir je hat ten“, so Turnierdirektor Dirk Glittenberg (U.COM). „Wir haben einen sportlich un glaublich hochklassigen und spannenden Wettbewerb gesehen mit einem grandio sen Sieger vor atemberaubender Kulisse und einer riesigen Anzahl an Fans, die für maximale Stimmung gesorgt haben. Das war ein Golf-Fest, das allen Beteiligten, Zuschauern und Fans noch lange in Erin nerung bleiben wird.“ Die Porsche European Open 2023 bleibt zu dem aufgrund spektakulärer Kunstschläge in Erinnerung – wenngleich das Ass an der 17 nicht fallen wollte und der Porsche Taycan Turbo S als offizielles Hole-in-one Car somit nicht gewonnen wurde. Aber dennoch, drei absolute Traumschläge gab es während der Woche zu bejubeln: Für gleich zwei Holes-in-one sorgten Jannik de Bruyn und der Thailänder Jazz Janewat tananond am Donnerstag bzw. Freitag an Loch 2. Hurly Long gelang zudem während der zweiten Runde auch noch ein sensati oneller Albatros an der 11: Auf dem Par 5 lochte der Deutsche seinen zweiten Schlag aus sage und schreibe 259 Metern ein. PRO-AM-GAUDI AM MITTWOCH Aber bereits im Vorfeld des offiziellen Turnierstarts der Porsche European Open sollten ausgewählte Pros und Golffans schon voll auf ihre Kosten kommen. Strah lender Sonnenschein begleitete die 40 Pro fis und 120 Amateure einen Tag vor Runde eins am Mittwoch über den Porsche Nord Course. „Sensationell“, fand der frühere Welthockeyspieler Moritz Fürste die Ge legenheit, auf dem Turnierkurs zu spielen. „Solche Grüns habe ich noch nie gesehen, fantastisch – und es macht unglaublich viel Spaß.“ Auch BVB-Keeper Gregor Kobel war begeistert: „Überragende Bedingun gen, ein Megaevent.“ Das schlug sich im Flight, in dem neben

Fürste und Kobel auch Joachim Llambi und Maximilian Kieffer unterwegs waren, direkt im Ergebnis nieder. „Gregor hat echt sehr stark gespielt“, schwärmte Kieffer von Kobel, der sich selbst noch als Anfänger bezeichnet. „Er hat echt sehr viel Potenzi al, wenn er dranbleibt, ist viel möglich. Wir hatten echt viel Spaß“, so Kieffer. Kobel vermutete, dass er deshalb „über meinen Möglichkeiten spielte, weil mich das Event hier so beflügelt. Das sind echt super Jungs. Schön, auch mal live zu sehen, wie Max das alles im Griff hat“. Und Joachim Llambi, Juror der TV-Show Let’s Dance, bilanzier te am Ende kurz und knapp: „Es war ein überragender Tag.“ So sah das auch Fotograf Paul Ripke, der von einer „hervorragenden Stimmung“ sprach. „Heute ist wahrscheinlich der bes te Golftag, den ich je hatte. Zumindest in Deutschland. Die Bedingungen hier sind großartig. Und das gefällt mir persönlich riesig“, so Ripke, der gemeinsam mit dem früheren Formel-1-Piloten und Langstre cken-Weltmeister Mark Webber auf der Runde unterwegs war. Der Australier er gänzte: „Das war ein unglaublich lustiger Tag. Der Platz ist Weltklasse, meine Grup pe war Weltklasse.“ Zum Flight zählte Pro Matthew South gate, den Ripke ganz genau beobachtete: „Die Kommunikation zwischen Profi und Caddie ist sensationell gut. Wie die ge meinsam analysieren, das ist schon geil zu sehen. Es ist toll, das einmal aus der Nähe zu erleben.“ Für die deutschen Titelhoffnungen stand am Mittwoch ebenfalls der Spaß im Vor dergrund. Bevor es ab Donnerstag ernst wurde, konnten Marcel Siem, Yannik Paul und Co. an der Seite der Amateure das ide ale Golfwetter und die heimische Atmo

Albatros-Schütze: Hurly Long mit Turnierdirektor Dirk Glittenberg (U.COM) und Sandra Siegloch, Leiterin Sponsoring und Partnering Porsche AG

Pro-Am am Mittwoch: BVB-Keeper Gregor Kobel im Flight mit unter anderem Maximilian Kieffer

auf Nummer sicher spielen. Ich habe die ganze Zeit auf die Woche gewartet, in der ich mich wohlfühle und sich mein Spiel gut anfühlt. Das war so eine Woche und jetzt freue ich mich auf den Rest der Saison.“ Zum Turniererlebnis, abgesehen vom Ergebnis, meinte Schott: „Das ist mein zweites Zuhause. Es war eine tolle Woche, meine Familie war dabei. Ich hatte alle Menschen hier, die mir gerne beim Golfen zusehen und mit denen ich abends gerne essen gehe. Es war eine Woche Golf, in der ich auch sehr viel Spaß gehabt habe. Alles in allem bin ich sehr zufrieden mit meiner ersten Top-20-Platzierung des Jahres.“ Die weiteren Ergebnisse der deutschen Spieler: Marcel Schneider und Hurly Long teilten sich den 33. Platz bei +3, Nicolai von Dellingshausen und Max Schmitt den 59. Rang bei +7. Yannik Paul wurde geteilter 66. bei +9, Marc Hammer geteilter 69. bei +10 und Jannik de Bruyn beendete die Wo che auf dem geteilten 72. Platz bei +14.

dieses Jahr erstmals initiiert hatte und de ren Erlöse der Ukraine-Hilfe zugutekom men. Für jedes gespielte Birdie während der vier Turnierrunden auf dem Porsche Nord Course spendete der Titelsponsor 75 Euro. Den Profis gelangen während der vier Tage insgesamt 1.359 Birdies. Damit ergab sich eine Spendensumme für die Aktion in Höhe von 101.925 Euro, Porsche rundete den Betrag letztlich auf 120.000 Euro auf. Dieser ging zu gleichen Teilen an die „JOB LINGE Hamburg“ sowie den Verein „Ham burger Abendblatt hilft“. GT www.porscheeuropeanopen.com

einen hohen Fade gespielt, und der war sehr gut. Beim Chip dachte ich, der wäre ein bisschen schneller und ich meinte auch, ich hätte einen guten Putt gemacht. Scha de, dass der noch nach rechts abgebogen ist – die 18 ärgert mich im Nachhinein. Aber die ersten beiden Runden liefen sehr gut und dann hatte ich einen harten dritten Tag. Insgesamt bin ich aber sehr stolz dar auf, wie ich mich zurückgekämpft habe.“ Das starke deutsche Ergebnis auf dem Por sche Nord Course rundete Freddy Schott auf dem geteilten 14. Rang ab (-1). „Das war eigentlich eine gute Runde, ich habe mich sehr wohlgefühlt. Mega Wetter, gutes Ballstriking – alles top“, so der 22-Jährige. „Hier muss man die Par-Runde anders bewerten als auf den Plätzen, die wir zu Beginn der Saison gespielt haben. Das Bir die auf der 18 war für mich sehr wichtig. Ich habe auf das Leaderboard geschaut, wo ich liege, und gesehen, dass ich 19. bin. Den Bunkerschlag wollte ich daher nicht

sphäre genießen. „So viele Pro-Ams gibt es in Deutschland nicht, deswegen war es mal schön, sich über 18 Löcher auf Deutsch zu unterhalten“, so Paul, der eine „gute Zeit“ mit einer „coolen Gruppe“ hatte. Siem kam ebenfalls bestens gelaunt von der letzten Runde und sprach vom „lustigsten Pro-Am“, das er je gespielt habe: „Es war mega geil. Wir haben so viel Spaß gehabt und lagen 18 unter nach neun Löchern. Es war richtig herzlich und wir hatten eine großartige Party.“ BIRDIES FOR CHARITY: 120.000 EURO FÜR DIE UKRAINE Ein großer Erfolg war auch die Aktion „Bir dies for Charity“, die Titelsponsor Porsche

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Beendete die Woche u. a. mit Hurly Long auf dem T33. Platz: Marcel Schneider

Lochte am Donnerstag an der 2 aus 174 Metern zum Hole-in-one: Jannik de Bruyn

Verwöhnte erneut die Gäste in der VIP Garden Lounge: Starkoch Thomas Bühner

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TURNIERE | AMUNDI GERMAN MASTERS

Siegerin Krystina Napoleaova umringt von freiwilligen Helferinnen und Helfern

Bis zum Schluss dabei: Karolin Lampert belegte den T59. Platz und auch der Hole-in-one-Preis, ein EQE SUV von Mercedes-Benz, blieb bis Sonntag auf der Anlage – kein Ass war an Loch 17 gefallen

Beste Deutsche: Sophie Hausmann wurde sensationell geteilte Dritte

Deutschlands Supertalent: Chiara Noja belegte den 12. Platz

an kann ja auch einmal Glück haben! Aber gleich zweimal? Beim Amundi German Masters fehlte nicht viel und das gleiche Eine Engländerin und eine Tschechin liefern sich in Seddin ein heisses Duell um den Sieg, doch die Stars des Amundi German Masters sind die deutschen Spielerinnen. Von Reinhold Schnupp M „WAS DA PASSIERT, IST DOCH IRRE ...“ Ende gemeinsam den zweiten Platz beleg ten. Das Publikum war dennoch nachhal tig elektrisiert, weil deutsche Profigolfer den Nahkampf probten, die direkte Aus

in England aufwuchs, könnte tatsächlich so etwas wie das Pendant zu Tiger Woods werden. Bislang hat sie alle Ziele erreicht, die sie sich vorgenommen hat. Das ging schon damit los, dass sie gegen den Willen der Eltern Profigolferin geworden ist. Und mit dieser Entscheidung liegt sie offenbar richtig. In Berlin sorgte das Supertalent für Aufsehen – und belegte erneut Rang zwölf. So richtig Spaß bereitete den Zuschauern am Ende noch eine andere Spielerin, die am letzten Tag des Turniers eine bogeyfreie Runde von 64 Schlägen auf das Meisterwerk von Robert Trent Jones Jr. zauberte. Es war das beste Resultat einer Spielerin am Wo chenende. An die beiden Führenden kam Sophia Hausmann jedoch nicht mehr he ran, doch mit Platz drei entstanden schon wieder Gefühle wie beim Turnier in Ham burg: Deutsche Golferinnen und Golfer sind neuerdings in der Lage, an der Spitze mitzuspielen und internationale Turniere zu gewinnen. Seit dem British-Open-Sieg von Sophia Popov 2020 muss man aufpas sen, dass man als Golffan nichts verpasst. DEUTSCHE LEISTUNGSEXPLOSION Zurück zum Golf- und Country Club Sed diner See, dessen großartiger Golfplatz (es gibt dort noch einen zweiten sehr guten Kurs, der von Rainer Preißmann gebaut wurde) in nur einer halben Stunde vom Kudamm entfernt liegt. „Auf diese Leis tungsexplosion hatte ich gehofft“, sagt Ver anstalter Dirk Glittenberg. „Das ist einfach irre, was da passiert“, und schließt damit

auch die Erfolge von Yannik Paul, Nick Ba chem, Christopher „Hurley“ Long, Marcel Siem, Max Kieffer und Kollegen ein. Bei Frauen und Männern sei es gelungen, das Momentum zu nutzen. Bereits 2019 wurde Esther Henseleit nicht nur Rookie-of-the year auf der Ladies European Tour, son dern in Hamburg auch noch Sportlerin des Jahres – und das als Golferin. Die Wege in die Erfolgsspur sind allerdings recht unterschiedlich. Oft sind es immer noch die Eltern, die den ersten Ansporn in itiieren wie bei Chiara Noja, aber auch der DGV darf inzwischen zufrieden mit sei nem Förderprogramm sein. Vize-Präsident Achim Battermann sieht die Anstrengun gen des Verbandes bestätigt, der von seinen Beitragseingängen jeweils 4,50 Euro pro Mitglied in den Leistungssport investiert, unter anderem über das Golf Team Germa ny. „Wir finanzieren den Übergang unserer besten Amateure ins Profilager“, sagt Bat termann. Legitimiert fühlt sich der Verband auch dadurch, dass über den DGV die Olympia nominierungen laufen. „Spitze“, fügt Bat termann hinzu, „kommt nur durch Breite“. Damit könnte er Recht haben, aber ein bisschen Zeit ist schon ins Land gegangen, bis deutsche Golferinnen und Golfer nach haltig für Aufsehen sorgen konnten. Und aus der Breite einige Leuchttürme unüber sehbar wurden. GT www.amundigermanmasters.de

Polly Mack, vergangenes Jahr Vierte, war dieses Mal nicht am Start. Sie wurde über die Jahre systematisch im Berliner Golf Club Stolper Heide gefördert. Olivia Cowan wurde in Hamburg ge boren, ihr Vater Andrew stammt aus Eng land und ist passenderweise Golflehrer. Er drückte ihr schon im Alter von drei Jahren einen Schläger in die Hand, was zunächst wenig Begeisterung bei Olivia auslöste. Doch mit der Zeit erwachte der Ehrgeiz, zumal sie als Amateurin schon bald reich lich Titel sammelte. Heute lebt sie in Kai serslautern, strahlt Selbstbewusstsein aus, fast schon Überlegenheit. Im vergangenen Jahr gewann sie ihr erstes Turnier auf der Tour. Von ihr schwärmen alle deutschen Insider des Damengolfs. Sie kam nach ei nem weniger gelungenen Start und einer wechselhaften Schlussrunde immerhin noch auf den 25. Platz. Cowan, 27, steht allerdings schon jetzt im Schatten einer 17-Jährigen, die in den USA kürzlich bei ihrem ersten Start auf der LPGA Tour als „European teen golf sensation“ bezeichnet wurde: Chiara Noja belegte bei ihrer USA-Premiere gleich Platz zwölf. In Europa hatte sie bereits im Alter von 16 ihren ersten Sieg eingefahren. Drei Merkmale heben sie von der inzwischen zahlreichen Konkurrenz hervor: ihr Alter, die enorme Weite ihrer Abschläge von um die 270 Meter und ihre Ambitionen. Im Al ter von 27 will sie die Spitze der Weltrang liste erobert haben. So lautet jedenfalls ihre eigene Zielsetzung. Chiara Noja, die in Berlin geboren wurde, aber als Golferin

einandersetzung um den Erfolg bei einem Turnier der DP World Tour. Das gibt und gab es bislang nicht allzu oft zu sehen. In der Nähe von Berlin, auf dem einzi gen von Robert Trent Jones Jr. gebauten Platz in Deutschland, war die Ausgangs lage für die Veranstaltung von vorneher ein ähnlich. Denn schon im vergangenen Jahr erreichten vier deutsche Spielerinnen einen Platz unter den besten Zehn. Dieses Jahr sollte es noch besser kommen, jeden falls hoffte das der Veranstalter – mit Dirk Glittenberg von U.COM derselbe, der auch in Winsen bei Hamburg die Fäden zieht. Gleich mehrere Golferinnen durften sich Hoffnungen auf eine gute Platzierung, so gar auf den Turniersieg machen. Und wenn einheimische Spielerinnen vorne mitmi schen, steigen automatisch auch Stimmung und Interesse von Seiten des Publikums. TALENTSCHMIEDE BERLIN Berlin ist zu einer Art Ausbildungszentrale deutscher Nachwuchsgolferinnen gewor den. Von Alexandra Försterling wird in der Hauptstadt gerne gesprochen, wenn es um eine Perspektivenspielerin für die Zukunft geht. Um es vorweg zu nehmen, sie schaffte es nicht, ihr Talent vor heimischem Pub likum zu beweisen (Platz 66). Die spätere Siegerin Kristyna Napoleaova aus Tsche chien, die sich im Stechen am ersten Ext raloch gegen die Engländerin Cara Gainer durchsetzte, war ihr weit enteilt. Aber das fiel nicht ins Gewicht, sie wird noch viele Gelegenheiten bekommen, auf europäi scher Bühne Erfolge zu sammeln.

Szenario wie bei der Porsche European Open hätte sich im Golf- und Country Club Seddiner See wiederholt: Junge deutsche Golferinnen und Golfer tauchen plötzlich immer wieder an der Spitze von Turnieren auf. Langjährige Beobachter reiben sich die Augen und fragen: Was ist da los? Ist die Ära Bernhard Langers nun doch langsam vorüber? Die Schlagzeile: „Nach Langer lange nichts“ wirkt auf einmal staubig und klingt nach Vergangenheit. Beim Herren-Turnier in Winsen bei Hamburg sorgten Maximilian Kieffer und Marcel Siem für beste Unterhaltung bis zum letzten Loch, weil sie um den Sieg kämpften. Beide streckten die Hände nach dem Siegerscheck aus, auch wenn sie am

Cara Gainer musste sich im Stechen gegen Krystina Napoleaova geschlagen geben

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BMW INTERNATIONAL OPEN | TURNIERE

Finish zeigte. Dem 37-jährigen Niederlän der Luiten hingegen gelang nur ein Birdie bei drei Bogeys, so dass er mit einem Schlag Rückstand auf Lawrence den Kürzeren zog. „Ich habe mitbekommen, dass Joost nicht gut unterwegs war und wusste, dass ich die letzten vier Löcher an den anderen Tagen einige Schläge unter Par gespielt hatte. Die Idee war, weiter an der Strategie festzuhal ten und gleichzeitig mein Spiel zu genießen. Ich bin sehr stolz auf mich, dass ich ruhig geblieben bin“, sagte Lawrence. „Ich wuss te nicht, dass Ernie Els bislang der einzige Südafrikaner war, der die BMW Internati onal Open gewonnen hat, und fühle mich sehr geehrt. Er war mein absolutes Vorbild, und seine Junior Foundation hat mich sehr unterstützt.“ KIEFFER KLETTERT AUF PLATZ 3 Den dritten Platz teilten sich bei 11 unter Par Adrian Meronk (POL), Rikuya Hoshi no (JPN), Daniel Hillier (NZL) und Maxi milian Kieffer, der damit der beste deut sche Spieler des Feldes wurde. „Es ist schön, dass ich wieder bei einem Heimturnier am Sonntag um den Sieg mit gespielt habe, aber ich hätte die Chance heute nutzen müssen. Das tut weh“, sagte Kieffer. „Der Empfang durch die Fans auf dem 18. Grün war grandios. Die BMW International Open ist mit Abstand mein Lieblingsturnier, und ich hätte hier gerne den Pokal hochgehalten. Ich werde es wie der versuchen.“ Als bester Amateur wurde Jonas Baum gartner ausgezeichnet. Der 20-Jährige vom GC Hösel kam mit 289 Schlägen (+1) auf den geteilten 52. Platz. „Als Amateur den Cut zu schaffen, war ein großartiges Erleb nis“, sagte Baumgartner. „Es war eine rich tig gute Woche, in der ich viele wichtige Erfahrungen sammeln konnte.“ GT www.bmw-golfsport.com

Thriston Lawrence gewinnt als erster Südafrikaner seit Ernie Els die 34. BMW International Open in Eichenried. SPANNENDES FINALE

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LUITEN GEHT DIE LUFT AUS Lawrence war mit vier Schlägen Rückstand auf Luiten in den Finalsonntag gestartet und erlebte eine „Achterbahnfahrt“: Auf den ersten 13 Spielbahnen notierte er sechs Birdies, aber auch fünf Bogeys. Innerhalb der Spitzengruppe war es aber der Südafri kaner, der mit zwei Birdies (15, 17) das beste

s war ein brillantes Birdie am 17. Loch des Golfclubs Mün chen Eichenried, mit dem Thriston Lawrence sich den entscheidenden Schlag

Vorsprung holte und den Vortagsführen den Joost Luiten (NED) auf den zweiten Platz verwies. Der 26-jährige Südafrika ner spielte auf dem Weg zu seinem vierten Titel auf der DP World Tour Runden von 71, 69, 66, 69 für einen Gesamtscore von 275 Schlägen (13 unter Par). „Herzlichen Glückwunsch an Thriston Lawrence zum Sieg bei der 34. BMW International Open. Es waren zum Teil sehr herausfordern de Bedingungen auf dem Championship Course, umso höher ist seine Leistung zu bewerten“, sagte Ilka Horstmeier, Mitglied des Vorstands der BMW AG, Personal und Immobilien, Arbeitsdirektorin. „Wir haben eine großartige Turnierwoche mit drei Assen und 59 weiteren Eagles erlebt. Damit sind 99.000 Euro für ‚Eagles for Education‘ zusammengekommen, die für mehr Chancen- und Bildungsgerechtigkeit sorgen werden.“

Bester Deutscher auf dem hervorragenden geteilten dritten Platz: Maximilian Kieffer

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