Fortbildung aktuell - Das Journal
Nr. 2/2011 der Apothekerkammer Westfalen-Lippe 31
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Fortbildung aktuell – Das J urnal
Nr. 1/2014 der Ap thekerkammer Westfalen-Lippe
Fortbildung ktuell – Das Jou nal
Dr. Helge Prinz
zur oralen Rachitisprophylaxe verwendet.
Das DAB 6 führte Phosphorlösung (Phos-
phorus solutus) auf,
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bereitet aus 1 Teil
Phosphor, 194 Teilen Paraffin liquid. und 5
Teilen Ether. Die Lösung verschwand erst
mit dem DAB 7 gegen Ende der sechziger
Jahre. Als Phosphorlatwerge bezeichnete
man eine Paste von Phosphor mit Mehl,
Wasser und Öl, die der Vernichtung von
Schädlingen diente.
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Phosphorpillen
dienten dem gleichen Zweck.
Weißer Phosphor ist eine der giftigsten
anorganischen Substanzen. Es handelt
sich um die reaktivste Modifikation des
Phosphors. Die Substanz ist honigfarben,
von der Konsistenz her wachsartig und
wasserunlöslich. Phosphorstangen wer-
den unter Wasser aufbewahrt, niemals
unter Petroleum. Eine hohe Gesundheits-
gefährdung resultiert durch Berühren der
Stangen, Kontakt mit dem Absperrwasser
und damit Aufnahme von Weißem Phos-
phor durch die intakte Haut.
Restbestände an Weißem Phosphor be-
lässt man am besten in der Phosphordo-
se bzw. im Phosphorschrank und lässt sie
durch einen kommerziellen Entsorger in
Abstimmung mit den zuständigen Be-
hörden abholen.
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Von jeglichen Entsor-
gungsversuchen, auch sehr kleiner Men-
gen etwa durch Verbrennen, wird drin-
gend abgeraten.
Quecksilbersalze
Noch im DAB 9 fanden sich im Reagen-
zienteil neben elementarem Quecksilber
sechs Quecksilber(II)salze. In der aktuellen
Ph. Eur. findet Quecksilber(II)chlorid Ver-
wendung zur Herstellung des Neßler Re-
agenzes. Quecksilber(II)bromid dient der
Herstellung von Quecksilber(II)bromidpa-
pier im Rahmen der Grenzprüfung auf Ar-
sen. Altbestände in größeren Mengen re-
sultieren aus der früheren Verwendung
des Quecksilber(II)-Salzes in heutzutage
obsoleten Externa wie der Gelben Queck-
silberoxidsalbe oder der Quecksilberprä-
zipitatsalbe. Man führt die Verbindungen
einem kommerziellen Entsorger zu.
Phlegmatisierte Substanzen
Zur Herabsetzung der Empfindlichkeit be-
stimmter Substanzen gegen Schlag, Rei-
bung, Stoß oder Erschütterung werden
diese meist mit Wasser angeteigt (Phleg-
matisierung). Bei zu niedrigem Wasserge-
halt besteht Explosionsgefahr.
Mit Blick auf etwaige Restbestände
in Apotheken sind die Nitroaromaten
2,4-Dinitrophenylhydrazin (mit 0,5 mL
H
2
O/g) und die Pikrinsäure (mit 0,5 mL
H
2
O/g, Abb. 17, 18) zu nennen. Bei phleg-
matisierten Substanzen sollte der Wasser-
Entsorgungshinweis
Bei Hautkontakt mit Weißem Phos-
phor ist sofort ein Arzt zu rufen. Kon-
taminierte Hautpartien kann man mit
einer CuSO
4
-Lösung 1-2 % spülen.
Kontaminierte Kleidung wird sofort
entfernt und unter Wasser aufbe-
wahrt (Eimer). Mit Weißem Phosphor
in Kontakt geratene Gerätschaften
(Pinzette, Zange etc.) werden eben-
falls mit CuSO
4
-Lösung (5-10 %) be-
handelt (Kupfer(I)-phosphid-Bildung
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,
Cu
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P, unlöslich, nach Abfiltrieren zum
Schwermetallabfall). Man lässt ca. 24
Stunden stehen. Solche Lösungen wer-
den dann dem Schwermetallabfall zu-
geordnet.
Abbildung 16:
Apothekenphosphorschrank, Phosphordose und Phosphorstangen unter
Wasser.
Sicherheitshinweis
Trockener Weißer Phosphor, besonders
in feiner Verteilung, entzündet sich
an der Luft und bei Zimmertempera-
tur spontan, in kompakter Form bei
etwa 50 °C
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, und verbrennt mit einer
offenen, sehr heißen Flamme. Es bil-
det sich rasch ein sehr dichter Rauch
von Phosphorpentoxid. Eine Verät-
zung der Schleimhäute durch Einat-
men des Rauches (Phosphorsäurebil-
dung) ist unbedingt zu vermeiden. Von
brennendem Phosphor abspritzende
Partikel haften auf der Haut. Phos-
phorbrand bedingt schwerste Brand-
wunden und Gewebeverletzungen mit
tiefen Nekrosen. Zum Löschen eines
Phosphorbrandes kann man feuchten
Sand einsetzen. Das Phosphor-Sand-
Gemisch belässt man bis zur Entsor-
gung in einem Behälter unter Wasser.