Blickpunkt Schule 3 2026
Bestandteil einer zeitgemäßen All gemeinbildung und adressiert die oben erwähnten Herausforderungen des 21. Jahrhunderts. Sie ermöglicht informierte Entscheidungen im Um gang mit Einnahmen und Ausgaben, Verträgen, Investitionen, den verant wortungsbewussten Umgang mit Schulden sowie die Planung der per sönlichen finanziellen Zukunft, was vor dem Hintergrund der Erwartungen an die junge Generation an Bedeu tung gewinnt, sich für die Altersvor sorge nicht allein auf die gesetzliche Rente zu verlassen. Finanzielle Bil dung leistet somit einen Beitrag dazu, soziale Ungleichheiten zu verringern, indem sie die wirtschaftliche Unab hängigkeit stärkt und die jungen Menschen dazu befähigt, aktiv am gesellschaftlichen Leben teilzuneh men und demokratische Prozesse mitzugestalten. Um die Bedeutung des Themas und die Notwendigkeit einer konzertier ten, ressortübergreifenden Anstren gung zu verdeutlichen, wurde im Koalitionsvertrag für die 21. Legislatur periode vereinbart, Hessen zum Vor reiter für die Stärkung der Finanz kompetenz in der Bevölkerung zu machen. Dazu gehört auch, mehr Finanz- und Verbraucherbildung in der Schule zu vermitteln (vgl. CDU Hessen; SPD Hessen 2024) . Das Hes sische Ministerium für Kultus, Bildung und Chancen (HMKB) hat es sich daher zum Ziel gesetzt, gemeinsam mit dem Hessischen Ministerium der Finanzen (HMdF) die Finanz- und Verbraucherbildung im Land künftig weiter auszubauen und zu stärken. Hessen orientiert sich hierbei an den von der Bildungsministerkon ferenz (BMK) kürzlich aktualisierten Empfehlungen der Kultusminister konferenz (KMK) zur Verbraucher- bildung. Diese sehen die Verbraucher bildung als festen Bestandteil der Allgemeinbildung, der in allen Schul formen und Klassenstufen verankert sein soll, und identifizieren zentrale Themenfelder wie Konsum und Le bensführung, Finanzen und Vorsorge, Verbraucherrechte, Ernährung und Gesundheit sowie Medien und Infor
mation in der digitalen Welt (vgl. BMK 2025) . Finanzkompetenz als Alltagskompetenz und Querschnittsaufgabe Finanzbildung zielt auf eine Verbes serung der persönlichen Finanzkom petenz ab und soll Schülerinnen und Schüler befähigen, eigene finanzielle Entscheidungen bewusst zu treffen und deren Folgen abzuschätzen. Sie vermittelt somit praktische Kom petenzen. Daher ist sie von der um fassenderen ökonomischen Bildung abzugrenzen, die ein breiteres Spek trum wirtschaftlicher Zusammenhän ge wie Wirtschaftstheorien, gesamt wirtschaftliche Zusammenhänge und politische Rahmenbedingungen um fasst. Letztere werden insbesondere in der gymnasialen Oberstufe thematisiert, insbesondere im Kurshalbjahr der Q2 ‘Wirtschaft und Wirtschaftspolitik in der sozialen Markwirtschaft’, während die Kerncurricula der Sekundarstufe I ihren Fokus stärker auf ‘Konsumen tenentscheidungen als kritische Ver braucherinnen und Verbraucher’, die Beurteilungen von Angeboten auf dem ‘Konsumgütermarkt und zu Finanz- und Versicherungsdienstleistungen’ oder die Beurteilung der eigenen öko nomischen Situation legen (vgl. Hessi sches Kultusministerium 2021) . Dabei geht es um mehr, als reines ‘Finanzwis sen’: Finanzbildung fördert Einstellun gen und Wertehaltungen im Umgang mit Geld, wie Verantwortungs bewusstsein, Weitsicht und kritisches Konsumverhalten, und trägt damit zur Persönlichkeitsbildung bei. Insofern sind finanzielle Bildung und Verbrau cherbildung untrennbar miteinander verbunden, weil finanzielle Kompeten zen die Grundlage für bewusste Kon sumentscheidungen bilden. Die Verankerung der Finanzbildung und Verbraucherschutz seit 2022 als besondere Bildungs- und Erziehungs aufgaben im Schulgesetz (§ 6 Abs. 4 HSchG) trägt ihrer wachsenden Be deutung im Alltag von Jugendlichen Rechnung und zeugt vom Stellenwert
dieser Themen als bildungspolitische Priorität. Gleichzeitig bedeutet dies, dass ihre Vermittlung im Rahmen ei nes überfachlicher Bildungsauftrag als Querschnittsaufgabe erfolgen sollte, wenngleich sich seit 2002 ‘Po litik und Wirtschaft’ als Leitfach für die finanzielle Bildung etabliert hat. Eine enge Verzahnung bietet sich auch mit der Beruflichen Orientierung an Schulen an, da die Entscheidung für einen bestimmten Berufsweg auch mit langfristigen finanziellen Kon sequenzen verbunden ist und auch die Frage der Finanzierbarkeit eines Studiums oder gegebenenfalls Vor- und Nachteile eines dualen Studiums oder einer Ausbildung abgewogen werden müssen. Handlungsorientierte Umsetzung im Unterricht und darüber hinaus Wirtschaftliche Themen wirken für die Schülerinnen und Schüler oftmals abstrakt. Es ist daher unabdingbar, Unterrichtseinheiten zur Finanz- und Verbraucherbildung lebensnah und handlungsorientiert zu gestalten. Die vom HMKB und der Hessischen Lehr kräfteakademie beauftragte Handrei chung zur Finanzbildung ‘Verstehen, Entscheiden, Handeln’ geht daher überwiegend auf methodische For mate ein, die »nicht auf die Aufnahme und Reproduktion von Information beschränkt [sind], sondern das eigen ständige Entscheiden, Urteilen und Handeln der Lernenden in konkreten Situationen« (Froitzheim 2025) he rausfordern: Planspiele ermöglichen es Schüle rinnen und Schülern, wirtschaftli che Entscheidungen in realitätsna hen und kooperativen Situationen zu erleben. Durch die Übernahme von Rollen sind sie emotional invol viert. Der Ablauf eines Planspiels erfolgt klassischerweise in Runden, sodass die Teilnehmerinnen und Teilnehmer immer wieder innehal ten und neben analytischem Den ken auch ihr Reflexionsvermögen und ihre finanzielle Urteilsfähigkeit
Varia
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