Blickpunkt Schule 3 2026
Bildungsforschung und Schulpraxis Als zweite Referentin der Tagung konnten wir Dr. Raphaela Schlicht-Schmälzle vom DIPF | Leibniz-Institut für Bil dungsforschung und Bildungsinformation begrüßen, die über die aktuellen Forschungsschwerpunkte des Instituts, das sich mit dem Transfer zwischen Bildungsforschung und schulischer Praxis beschäftigt, referierte. Der Ansatz des Instituts ist, dass die Forschung praxis relevant sein solle und gleichzeitig Erfahrungen aus Schu len aktiv in die Forschung einfließen sollten. Im Mittelpunkt der Bildungsforschung stehen, so die Referentin, co-konstruktive Kooperationen zwischen
hphv intern
n Dr. Raphaela Schlicht-Schmälzle während ihres Vortrags
29
mildern, aber nicht beseitigen. Unterschiede in Leistung hängen auch mit Familie, sozialem Umfeld, kulturellem Kapital sowie individuellen Fähigkeiten zusammen. Seiner Ansicht nach sei eine vollständige Bildungsgerechtigkeit unrealistisch. ‘Mythos Chancengleichheit’ Dieser ‘Mythos’ sei, laut Brodkorb, eng verbunden mit Bil dungsgerechtigkeit. Seine Argumente: Absolute Chancen gleichheit existiere nicht, Menschen starten mit unter schiedlichen Voraussetzungen und die Politik verspreche oft mehr, als sie leisten kann. Er kritisiert ein normatives Ideal, das er praktisch für nicht erreichbar hält. Schule könne nicht alle sozialen Unterschiede ausgleichen und Chancengleichheit vollständig herstellen. Brodkorb vertrat in seinem Vortrag eine skeptische Sicht auf Bildungspolitik. Er wendete sich gegen überzogene Erwartungen an Schule und gegen Gleichmacherei als politisches Ziel. Den zweiten Tag starteten alle Teilnehmenden gemein sam mit einer Feedbackrunde. Insgesamt wurde das For mat Tag der Ausschüsse als positiv gewertet. Angemerkt wurde, dass die Ausschüsse sich gerne auch am zweiten Tag noch einmal zu einer Sitzungsrunde getroffen hätten. Dies war ein ausgesprochen positives Zeichen für die in haltliche intensive Arbeit der Ausschüsse, die im Rahmen einer zukünftigen zweitägigen Veranstaltung einen ent sprechenden Zeitrahmen erhalten wird.
n Volker Weigand mit Dr. Raphaela Schlicht-Schmälzle
Forschenden und Lehrkräften (zum Beispiel langfristige Partnerschaften wie Campusschulen), wobei der Transfer als mehrdimensionaler Prozess verstanden werde. Es gehe, laut Dr. Schlicht-Schmälzle, zum einen um die Aufberei tung und Kommunikation von Forschungsergebnissen so wie um die persönliche Zusammenarbeit und die gemein same Entwicklung von Lösungen für Schule und Unterricht. Ziel sei es, wissenschaftliche Erkenntnisse wirksam in Un terricht, Schulentwicklung und Bildungspolitik zu integrie ren. Der Fokus des Instituts liege auf der Kooperation und Umsetzung von Forschung im Bildungssystem und der Praxisrelevanz. Der weitere Forschungsschwerpunkt ‘Vergleichende Bildungsforschung und vergleichende Bildungspolitik’, von dem die Referentin berichtete, untersucht Bildungssyste me im nationalen und internationalen Vergleich. Analysiert werden Bildungsbedingungen, Leistungen und Entwicklun gen in verschiedenen Ländern und Kontexten. Ziel sei es, Unterschiede und Gemeinsamkeiten von Bildungssyste
SCHULE 3|2026
Made with FlippingBook - professional solution for displaying marketing and sales documents online