Blickpunkt Schule 3 2026
Foto: Studio Zenith|AdobeStock KI-generiert
Titelthema
Abschied vom Aufsatz?! Überlegungen zur Bedeutung von KI für die Bewertung von Leistungsnachweisen
Der Text beginnt mit einem ungemein gelungenen Einstieg, souveräne Argumen tationslinien leiten die Leserin und den Leser durch die Gedankenstränge, die Textkohärenz entspricht der von Proseminararbeiten. Darüber hinaus überzeugt die abgegebene Ausarbeitung mit fehlerfreiem Deutsch, präzisen Zitaten, einem breit gefächerten Quellenverzeichnis und einem in allen Bereichen ge lungenen Layout. Das Ergebnis der schriftlichen Ausarbeitung übertrifft den der Korrektur hinterlegten Erwartungshorizont bei Weitem und lässt mich als Lehr kraft staunend zurück. Wow, was für eine feine Ausarbeitung, die als Ergebnis einer gestellten Lernaufgabe vorgelegt wurde. Da hat die Schülerin oder der Schüler doch enorm viel Zeit investiert, war kreativ, hat umfangreich recher chiert und überzeugende inhaltliche Verknüpfungen hergestellt. Doch zwischen meinen bisherigen Eindrücken sowie den gezeigten Vorleis tungen aus dem Unterricht und der nun auf meinem Schreibtisch zur Korrektur und Bewertung liegenden Ausarbeitung zeigen sich erkennbare Diskrepanzen. Und bei aller Anerkennung für das Ergebnis und meinem auf intensiven Korrektur erfahrungen basierendem Wissen darum, dass es durchaus Unterschiede zwischen Unterrichtseindrücken und Leistungen selbstständig anzufertigender Ausarbei tungen geben kann, so stelle ich mir doch zwangsläufig die Frage, ob eine und, wenn ja, welche KI an der Ausarbeitung mitgewirkt hat und was dies nun für eine faire Bewertung bedeutet?
die es zu honorieren gilt? Und wenn dies so ist, was bewerte ich nun, ging es in der Aufgabenstellung doch um die schriftliche Auseinandersetzung mit einer Fragestellung aus dem Un terricht und nicht um KI-Kompeten zen? Doch womöglich kann ein KI-ge stütztes Arbeiten nur gelingen, wenn auch die im Zusammenhang mit dem Lernprozess intendierte inhaltliche Auseinandersetzung ausführlich durchdrungen wurde. Lassen womög lich von generativen Sprachmodellen begleitete Arbeitsprozesse Leistungen zu, die sonst unter dem Radar verbor gen geblieben wären, jedoch dem Po tenzial der Schülerin oder dem Schü ler entsprechen? Wurde womöglich einfach vorab zu wenig geklärt, ob und wie der KI-assistierte Erarbei tungsprozess zu dokumentieren ist? Oder wurde die Aufgabenstellung von der Schülerin oder dem Schüler gänz lich ohne KI gelöst? Was zeigen also die zwischen den Vorleistungen und Unterrichtseindrücken und dem zur Bewertung abgegebenen Aufsatz er kennbaren Diskrepanzen tatsächlich auf und wie gilt es damit in der kon kreten Beurteilungs- und Bewer tungssituation nun umzugehen? KI-Anwendungen im Alltag von Jugendlichen Die vom ‘Medienpädagogischen For schungsverbund Südwest (mpfs)’
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gebnis vielleicht vielmehr ein gekonn tes und äußerst anspruchsvolles Arbeiten mit klug gesetzten Prompts wider? Hat sich die Schülerin oder der Schüler das Ergebnis sekundenschnell ‘ausspucken lassen’ und dabei außer den Chatbot zu starten keine Eigen leistung erbracht oder wurden von der Schülerin oder dem Schüler vielmehr als Teil der Erarbeitung ein absolut stimmiges, d.h. mit der zu erarbeiten den Aufgabenstellung in besonderer Weise korrespondierendes digitales Kontextfenster aufgebaut, sodass die Gestaltung dieser Hintergrundarchi tektur eine enorme Leistung aufzeigt,
von DR. ANNETTE PETRI
Schulleiterin der Internatsschule
Schloss Hansenberg, aktuell abgeordnet in das Hessische Ministerium für Kultus, Bildung und Chancen, Referat III.A.3
W as also nun? Handelt es sich bei dem zur Korrektur und Bewertung vorgeleg ten Ergebnis um einen mehr als un verschämten und somit eindeutig mit ‘ungenügend’ zu bewertenden Täu schungsversuch oder spiegelt das Er
SCHULE 3|2026
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