Blickpunkt Schule 3 2026

Operatoren, so liegt folgender Schluss nahe:  KI-Anwendungen lösen Aufgaben stellungen auf höchstem Niveau, die dem Anforderungsbereich I Reproduktion/Produktion ent sprechen und zum Beispiel über die Operatoren Nennen, Beschreiben, Beschriften, Zusammenfassen, Wiedergeben zu bearbeiten sind.  KI-Anwendungen lösen Aufgaben eher auf mittlerem Niveau, die dem Anforderungsbereich II Anwendung entsprechen und zum Beispiel über die Operatoren Analysieren, Aus werten, Erklären, Vergleichen Cha rakterisieren, Erläutern, Untersu chen zu bearbeiten sind.  KI-Anwendungen zeigen Schwä chen bei der Lösung von Aufgaben, die dem Anforderungsbereich III Transfer entsprechen und zum Bei spiel über die Operatoren Erörtern, Begründen, Interpretieren, Disku tieren, Beweisen, Verfassen zu be arbeiten sind. 3 Entsprechend naheliegend, und da bei im Sinne einer nicht von der Hand zu weisenden Notwendigkeit aktiver Täuschungsprävention, scheint es, Aufgabenstellungen und Bewer tungsformate zukünftig KI-robust zu gestalten bzw. die Eigenleistung in KI-integrierenden Aufgabenforma ten transparent zu machen. Doch was würde dies bedeuten? Den bis herigen Gedankengang einmal radi kal fortgesetzt würde dies bedeuten, dass unter anderem lexikalische Kenntnisse, Orientierungswissen, Wissen von Definitionen und metho dische Fähigkeiten aus den Anforde rungsbereichen I und II zugunsten KI-robuster Anforderungen in Leis tungsnachweisen keinen Platz mehr finden können. Entwickelte Kom petenzen von Schülerinnen und Schülern, die sich primär den Anfor derungsbereichen I und II zuordnen lassen, würden für die Leistungs bewertung keine Rolle mehr spielen und damit auch keinen Wert mehr haben. Für eine stimmige Gesamt darstellung bislang notwendige und in der Leistungsbewertung honorier te Gedankengänge, die allen drei

Anforderungsbereichen eine Bedeu tung beimessen, würden einzig noch den Transferbereich fokussieren. Der Wert von Leistungen, die bislang pri mär die Bewertungsbereiche ausrei chend oder befriedigend spiegeln, würde infrage gestellt werden. Doch will man diese Entwicklungen wirk lich und was würde dies für das Ler nen bedeuten? Wäre es tatsächlich fair bzw. erhöht sich die Fairness von Bewertungen, den Anforderungs bereichen I und II zukünftig eine deutlich geringere oder sogar keiner lei Bedeutung mehr beizumessen? Braucht es nicht gerade in einer Welt von KI zentrale Grundkenntnisse und Grundkompetenzen als immerwäh rende Bezugs- und Ankerpunkte für das Treffen mündiger Entscheidun gen? Weder die Faszination und Begeis terung über die Möglichkeiten von KI zur Gestaltung von neuen Aufgaben stellungen mit hohen individuellen und individualisierten Lernpotenzialen noch die Sorge und der Ärger über Täuschungen mit KI sollten, so zumin dest meine Einschätzung, die natür lich zur Diskussion steht, den klassi schen Aufsatz infrage stellen. Upskilling, Deskilling und Eigenleistung als Wert Doch was braucht ein Bekenntnis zum klassischen Aufsatz , wohl wissend, ob der mit den skizzierten KI-Logiken sich eröffnenden Möglichkeiten von Täuschungen, die das Potenzial ha ben, faire Leistungsbewertungen schier ad absurdum führen zu kön nen? Vieles lässt sich hier diskutieren. Zentral scheinen auch folgende bei den Aspekte zu sein: Das Bekenntnis zum klassischen Aufsatz in einer Welt von KI braucht eine Verständigung darüber, welche Rolle KI-Anwendungen in der Erarbei tung des klassischen Aufsatzes spie len können, dürfen und sollen. Es geht also darum auszuloten und aus zubuchstabieren, unter welchen Be dingungen KI-Anwendungen Lernen nicht nur unterstützen, sondern in be sonderer Weise großartige Möglich

keiten eröffnen, die ohne KI so nicht zur Verfügung stünden. Gemeint sind hier all jene erst durch KI zur Ver fügung stehenden Formate, die für echte Lerngewinne stehen ( Upskil ling ), die sich zum Beispiel in der un terstützenden Reduzierung von Lern barrieren, in der Individualisierung des Lerngegenstandes, in Anregungen zur inhaltlichen Vertiefung, in Formaten von Feedback, Feedup und Feedfor ward oder in Impulsen zur Reflexion zeigen (vgl. Terfloth 2025). 4 Das Bekenntnis zum klassischen Aufsatz in einer Welt von KI benötigt außerdem und weiterhin ein klares Bekenntnis zum Wert von Eigenleis tungen und einer gemeinsam geteil ten Haltung, dass Täuschungen nicht in Ordnung sind. Nur weil in einer Welt von KI, von Scanstiften, KI-gestützten Smart-Brillen und ‘In-Ear-Kopf hörern’ vieles möglich ist, heißt das nicht, dass das auch in Ordnung ist. pädagogische Debatten Es steht außer Frage, dass vor dem Hintergrund der bereits zur schu lischen Realität gehörenden und sich sicherlich auch weiterhin aufzeigen den unerlaubten Nutzung von KI-An wendungen möglichst klare Antwor ten auf neue, erst durch KI möglich werdende Täuschungen entwickeln müssen. Vorliegender Beitrag stellt diese Notwendigkeit in keiner Weise in Frage oder gar in Abrede. Gleichzeitig, und diese These gilt es gemeinsam in aller ihr gebührenden Kontroversität zu diskutieren, sollte sich Schule auf kein ‘Hase-Igel-Spiel’ einlassen, mit KI-Anwendungen als dem Igel und dem Wunsch nach täuschungs- robusten Leistungsnachweisen und Leistungsbewertungen als dem Hasen – allein aufgrund der Entwicklungs geschwindigkeiten von KI-Anwendun gen kann dieses Wettrennen nur ver loren gehen. Es sollte außerdem außer Frage stehen, dass KI-Anwendungen, wann immer fachlich, didaktisch, methodisch und pädagogisch sinnvoll, selbstverständliche Bestandteile KI als Booster für didaktische und

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