04 / 2013
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Apothekerstiftung
Über Placebo, Nocebo und die richtige Ansprache
vom Heilberufler an den Patienten
Fachvorträge im Fokus der sechsten Stiftungsfortbildung im Erbdrostenhof zu Münster
Mit Professor Eugen Verspohl war
nicht nur ein mit allen pharmazeu-
tischen Wassern gewaschener Fach-
mann Referent bei der sechsten öf-
fentlichen Vortragsveranstaltung der
Apothekerstiftung Westfalen-Lippe.
Er agierte zugleich als glänzender
Unterhalter, der es fertigbrachte,
selbst äußerst chemielastige Teile
seines Vortrages derart zu gestalten,
dass sich wohl keiner der 156 interes-
sierten Besucher im historischen Erb-
drostenhof geärgert haben dürfte,
einen Samstagnachmittag bei einer
Fortbildung zu verbringen. Das Event
im innenstädtischen Prunksaal stand
unter dem globalen Thema „Gute
Pille – schlechte Pille“, wobei der
emeritierte Pharmakologie-Professor
über „Therapie – Glaube oder Wis-
sen“ referierte und darin den Aus-
wirkungen von Nocebo und Placebo
auf den Grund ging. Der Träger der
Verdienstmedaille der Apotheker-
kammer Westfalen-Lippe gab auch
praktische Tipps, mit welchen Wor-
ten man Arzneimittel besser nicht
an Patienten abgeben solle – wenn
man den Heilungserfolg nicht ver-
langsamen wolle, da man damit Ver-
unsicherung auslöse: „Vielleicht hilft
das Medikament“ oder „Probieren
wir mal dieses Mittel aus“ seien nicht
wirklich hilfreich.
In eine ähnliche Richtung argumen-
tierte auch Professorin Regina Jucks
vomInstitut für Psychologie inBildung
und Erziehung der Westfälischen
Wilhelms-Universität Münster, die
den zweiten Teil der Veranstaltung
mit einem Vortrag über „Patienten-
information – Fluch oder Segen“ ge-
staltete. Es sei immens wichtig, eine
einfache Sprache zu verwenden, so
die Wissenschaftlerin, zudem solle
man besser die Finger vom Stilmittel
der Ironie lassen. Insgesamt zähle bei
der Patienteninformation die Devise:
„So wenig wie möglich, aber so viel
wie nötig.“ Das illustrierte Jucks an
einem anschaulichen Beispiel: Na-
türlich müsse man eine ältere Dame
bei Abgabe eines Medikaments auf
Neben- und Wechselwirkungen hin-
weisen, „man muss ihr aber nicht un-
bedingt erzählen, dass das Präparat
nicht in der Schwangerschaft einge-
nommen werden darf“. Das verwirre
mehr, als zu helfen.
In historischer Kulisse:
150 Interessierte kamen auf Einladung der Apothekerstif-
tung Westfalen-Lippe in den Erbdrostenhof zu Münster und folgten den Fachvorträ-
gen – unter anderem dem der Psychologin Professorin Regina Jucks (erste Reihe, rechts).
Fotos (2): Sebastian Sokolowski
Fachlich perfekt
und dazu unterhaltsam –
der emeretierte Pharmakologe Professor Eu-
gen Verspohl über „Therapie – Glauben oder
Wissen“.