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68

GOLF TIME

|

7-2017

www.golftime.de

B

ei der 146. Open Championship

in Royal Birkdale gab es in den

vier Tagen viele Regelfälle, aber

einer hatte es in sich.

Der spätere Champion Jordan Spieth

verzieht in der Finalrunde am 13. Loch

seinen Abschlag nach rechts in die Dünen.

Er erklärt seinen Ball für unspielbar

(Regel 28)

und hat damit drei Optionen für

das weitere Vorgehen.

» 1.

Zum Abschlag zurück und den Ball so

nahe wie möglich von der Stelle spielen,

von der der ursprüngliche Schlag zuletzt

gespielt wurde;

» 2.

Den Ball in beliebiger Entfernung

hinter dem Punkt, an dem der Ball lag,

fallen lassen, wobei dieser Punkt auf

gerader Linie zwischen Loch und der

Stelle liegen muss, an der der Ball fallen

gelassen wird;

» 3.

Den Ball innerhalb zweier Schläger-

längen nicht näher zum Loch von der

Stelle, an der er lag, fallen lassen.

Jordan Spieth entscheidet sich für die

zweite Option und möchte seinen Ball

hinter den Tourtrucks fallen lassen. Es ist

etwas verwunderlich, dass die dort gelegene

Driving Range nicht als Aus gekennzeich-

net ist. Da im normalen Spielgebrauch dort

auch kein Aus gekennzeichnet ist, hat sich

die Spielleitung dafür entschieden, diesen

Bereich so zu belassen, wie er von den

Mitgliedern des Golfclubs gespielt wird.

Von dort erhält Jordan Spieth Erleichte-

rung von dem Truck als zeitweiliges, unbe-

wegliches Hemmnis.

1. ERKLÄRUNG

Ein zeitweiliges unbewegliches Hemmnis

(Temporary Immovable Obstruction – TIO)

ist ein künstlicher Gegenstand, der vorüber-

gehend installiert wurde, oftmals in Ver-

bindung mit einem Wettspiel, und befestigt

ist und nicht ohne Weiteres bewegt werden

kann. Beispiele für TIO sind Zelte, Anzeige-

tafeln, Tribünen, Fernsehtürme, Toiletten

und Ähnliches.

2. BEHINDERUNG

Behinderung durch ein TIO ist gegeben,

wenn (a) der Ball davor und so nah am

TIO liegt, dass die Standposition des Spie-

lers oder der Raum seines beabsichtigten

Schwungs durch das TIO behindert sind,

oder (b) der Ball in, auf, unter oder hinter

dem TIO liegt, sodass irgend ein Teil des

TIO die Linie zwischen dem Ball des Spie-

lers und dem Loch beeinträchtigt und auf

seiner Spiellinie ist.

Behinderung liegt auch dann vor, wenn der

Ball innerhalb einer Schlägerlänge von einer

gleich weit vom Loch entfernten Stelle liegt,

an der eine derartige Beeinträchtigung be-

stehen würde. Den vollständigen Wortlaut

finden Sie im Anhang I, Teil A, Platzregeln,

4b, Seite 196.

So erhält Jordan Spieth Erleichterung und

kann seinen Ball neben dem Truck inner-

halb zweier Schlägerlängen (eine für das

TIO und eine als Erleichterung) fallen las-

sen. Als erfahrener Spieler hat Spieth bis

zur endgültigen Klärung des Sachverhalts

durch die Spielleitung seinen Ball in den

Dünen liegen lassen, sodass ihm bis zum

Schluss alle Optionen erhalten bleiben.

Er spielt am 13. Loch ein Bogey, um

anschließend mit Birdie, Eagle, Birdie,

Birdie und Par seinen Turniersieg mit –12

vor Matt Kuchar mit –9 zu sichern.

GT

GOLFREGELN |

TEIL 7

DR. ULRIKE GARTZ UND

HOLGER GARTZ

haben seit 1997 über 250 Turniere und

Turnierserien im Profi- und Amateurbereich

veranstaltet und organisiert. Als Spielleiter

sind beide seit 2005 im Golfverband Nieder-

sachsen-Bremen tätig. Dr. Ulrike Gartz hat

die Prüfung zum R&A Referee 2011 mit

Erfolg bestanden

»Hab’ ich im TV gesehen«

KNIFFELIGE REGELFRAGE

Wie sich Jordan Spieth bei den 146. British Open „rettete“.

ANALYSE

Jordan Spieth verzog an Bahn 13 den Ball in die Dünen, um dann schließlich von der Driving Range aus das Grün anzugreifen