SCHWEIZER GEMEINDE 3 l 2017
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FOKUS ZWEITWOHNUNGEN
Fünf Jahre nach dem Ja zur
Weber-Initiative: was nun?
Wie hat das Berggebiet auf die Zweitwohnungsinitiative reagiert, was soll es
tun, was lassen? Auf den Seiten 26 bis 59 erteilt die «Schweizer Gemeinde»
Thomas Egger und Peter Bodenmann das Wort und stellt kreative Initiativen vor.
Fünf Jahre nach dem knappen Ja zur
Zweitwohnungsinitiative am 11. März
2012 ist der von der Bauwirtschaft be-
fürchtete Einbruch eingetroffen: Ge-
genüber 2011 – also dem letzten Jahr vor
Annahme der Initiative – ist die Zahl der
Baubewilligungen für Mehrfamilienhäu-
ser in den meisten Bergregionen um 30
bis 90 Prozent eingebrochen. Das zeigt
eine Auswertung des Beratungsunter-
nehmensWüst & Partner imAuftrag des
«Tages-Anzeigers». Bis zur provisori-
schenVerordnung vonAnfang 2013 kam
es im Berggebiet noch zu einer Tor-
schlusspanik und damit zu einer Welle
von Baugesuchen. Damit ist für Gemein-
den mit einem Zweitwohnungsanteil
von mehr als 20 Prozent nun Schluss; die
Initiative verbietet in solchen Gemein-
den den Bau neuer Feriendomizile.
Initiativen für warme Betten
Was tun? Vielerorts ist eine Bewegung
in Gang gekommen, die letztlich der Ab-
sicht der von FranzWebers Organisation
Helvetia Nostra lancierten Initiative ent-
spricht: Kalte Betten in Ferienwohnun-
gen, die fast das ganze Jahr über leer
stehen, werden in warme verwandelt.
RegionaleVermietungsplattformen, vom
Bund unterstützte wie auch private Initi-
ativen vom Tessin bis in die Bündner
Surselva bringen Leben in die fast
400000 Zweitwohnungen im Schweizer
Berggebiet, zumindest ein Anfang ist
gemacht. Die Bündner Initianten der
Plattform
www.warmesbett.ch,Claudio
Quinter und Gian Derungs, hoffen, dass
künftig auch für Kleinprojekte und Start-
ups einfache Lösungen angeboten wer-
den, und haben einen entsprechenden
Vorschlag beim Staatssekretariat für
Wirtschaft (Seco) deponiert. Sie selber
hätten sich gar nicht erst um Subventio-
nen bemüht, sagt Claudio Quinter. Denn:
«Die Verfahren sind langwierig und zie-
len erfahrungsgemäss eher auf grössere
Projekte ab. Bei kleinen Projekten sind
die Erfolgsaussichten ziemlich gering.»
Einen regelrechten Boom bei den Über-
nachtungszahlen scheint die Onlinever-
mietungsplattform Airbnb ausgelöst zu
haben. Tourismusverantwortliche und
vor allem Hoteliers haben an Airbnb
aber nicht nur Freude. Im Wallis wird
eine «Uberisierung» bei derVermietung
von Ferienimmobilien beklagt.
DasWallis will Airbnb disziplinieren
Branchenvertreter haben darummit Un-
terstützung des Kantons und des Bun-
des im Rahmen des Programms «Inno-
tour» ein Label entwickelt, «um die
touristische Beherbergung zu organisie-
ren und die Qualität der Dienstleistun-
gen zu gewährleisten». Es sei nicht das
Ziel, neue Marktteilnehmer zu bekämp-
fen, sagt derWalliserWirtschaftsdirektor
Jean-Michel Cina auf Anfrage. Diese
sollten aber in die Spielregeln, die für
andere Vermieter gälten, eingebunden
werden. Cina: «Airbnb kann sich ja in die
Branchenlösung integrieren.»
Auch die Stadt Luzern schaut Vermie-
tern, welche die Plattform von Airbnb
nutzen, genauer ins Portemonnaie. Ein-
künfte, die aus Übernachtungen erzielt
werden, müssen in der Steuererklärung
deklariert werden. Zudem werden Ver-
mietern vom Steueramt Kurtaxen und
Beherbergungsabgaben, die abApril auf
2.80 Franken pro Person und Übernach-
tung steigen, in Rechnung gestellt.
Avenir Suisse sieht Potenzial
Dass die Umwälzungen im Zuge der
Zweitwohnungsinitiative auch Chancen
bieten, zeigt Avenir Suisse in ihrer jüngs-
ten Studie zum Berggebiet auf. Sie kann
unter
https://tinyurl.com/h6bqzereinge-
sehen werden.
Denise Lachat
Blick auf die wilde Schönheit des Val Lumnezia: Auch hier engagieren sich Einwohner für
warme Betten in Zweitwohnungen.
Bild: Isabel Plana, Schweizer Berghilfe




