Polymedikation im Alter
die Schlafqualität ebenso wie ein festes
Ritual vor dem Zubettgehen. Auch sollte
das Bett nur zum Schlafen und nicht als
Platz vor dem Fernseher benutzt werden.
Kritisch muss der Alkoholkonsum am
Abend betrachtet werden. Während „ein
Gläschen in Ehren“ die Nachtruhe positiv
beeinflusst, lassen größere Mengen den
Patienten zwar schnell einschlafen, stören
aber das Durchschlafen erheblich und un-
terdrücken den REM-Schlaf. Gerade ältere
Männer konsumieren abends oft zu viel
Alkohol, wobei Langeweile als Ursache ei-
ne große Rolle spielt, wie auch ein zu aus-
gedehnter Mittagsschlaf oder das „Zwi-
schendurcheinnicken“. Trotzdem sollte
bei Beschwerdeäußerung immer zusätz-
lich die Medikation daraufhin überprüft
werden, ob das Problem auch arzneimit-
telinduziert sein könnte.
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Diuretika erhöhen die Miktionsfrequenz
ebenso wie
α
–Blocker, die wegen einer
Prostatahyperplasie gegeben werden und
stören dadurch die Nachtruhe. Die Ein-
nahme sollte deshalb nicht zu spät erfol-
gen. Gegebenenfalls muss die Medikation
umgestellt werden.
Theophyllin wirkt als Xanthinderivat wie
Coffein belebend. Der Patient verspürt
vor allem zu Beginn der Therapie eine
Unruhe und schläft schlechter. Im Laufe
der Zeit gewöhnt sich der Organismus da-
ran und die Schlafstörungen bessern sich.
Aufgrund seiner engen therapeutischen
Breite sollte der Einsatz beim betagten
Patienten kritisch hinterfragt werden.
Auch inhalativ bei Asthma verwen-
dete β
2
-Sympathomimetika wie Salbuta-
mol und Fenoterol rufen vor allem bei zu
häufiger Anwendung Unruhe hervor, die
sich auf den Schlaf auswirkt. Mit Hilfe ei-
ner Reichweitenanalyse ist zu überprüfen,
ob der Patient die angegebene Tages-
höchstdosis an Sprühstößen überschrei-
tet und ob bei eventueller Exazerbation
der Erkrankung die derzeitige Behand-
lung noch ausreichend ist. Die bei einer
Depression eingesetzten Selektiven-Mo-
noamin-Reuptake-Inhibitoren zeichnen
sich neben der depressionslösenden Wir-
kung auch durch eine antriebssteigernde
Wirkung aus, die die Schlafqualität beein-
trächtigen kann. Die abendliche Gabe ist
bei Beschwerden zu vermeiden. Tabelle 8
listet betroffene Arzneistoffe auf.
Bei Duloxetin ist wichtig zu wissen, dass
die Substanz nicht nur bei Depression
eingesetzt wird, sondern auch bei Bela-
stungsinkontinenz. Der bei Parkinson und
bei extrapyramidalen Störungen einge-
setzte NMDA-Rezeptorantagonist Aman-
tadin sollte wegen Schlafstörungen nicht
nach 16 Uhr eingenommen werden. Der
ebenfalls bei Parkinson verwendete MAO-
B-Hemmer Selegilin wird bei oraler Gabe
in der Leber zu einem Amphetaminderi-
vat verstoffwechselt, welches den Schlaf
beeinträchtigen kann. Hier kann dem Pa-
tienten geraten werden, die Substanz als
Schmelztablette/Xilopar
®
buccal anzu-
wenden, da so die Bildung von Amphe-
tamin in der Leber im Rahmen des First-
pass-Effektes verhindert wird. Eine wei-
tere Alternative ist das Rasagilin, das nicht
zu Amphetaminen abgebaut wird.
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Bei Beschwerdeäußerung ist ebenfalls zu
bedenken, dass Erkrankungen als Auslö-
ser in Frage kommen können (Tabelle 7).
Bei Vorliegen einer Depression klagen al-
le Patienten über Schlafstörungen. Hier
kann die kurzfristige Verordnung von
Benzodiazepinen schnell Linderung ver-
schaffen. Der Anwendungszeitraum ist je-
doch strikt auf maximal vier Wochen zu
beschränken. Außerdem wird die Sturz-
gefahr erhöht. Für eine längerfristige Ein-
nahme eignen sich eher Nichtselektive-
Monoamin-Reuptake-Inhibitoren
wie
Amitriptylin, Doxepin, Opipramol oder
niedrig-potente Neurolpetika wie Melpe-
ron und Dipiperon. Die altersspezifischen
Kontraindikationen sind jedoch zu beach-
ten.
Der Parkinsonpatient schläft auch noch
aus anderen Gründen schlecht. Häufig ist
dafür eine Bewegungsunfähigkeit in der
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Fortbildung aktuell – Das Journal
der Apothekerkammer Westfalen-Lippe
Tabelle 7:
Arzneistoffe und Erkrankungen
als Auslöser von Schlafstörungen.
Arzneistoff
Diuretika
α
-Blocker bei BPH
Theophyllin
β
2
-Sympathomimetika
SSRI, SSNRI, SNRI
Amantadin
Selegilin
Erkrankungen
Depression
Parkinson
Restless-Legs
Asthma
Schlaf-Apnoe-Syndrom
Tabelle 8:
Selektive-Monoamin-Reuptake-Inhibitoren.
Selektive-Monoamin-Reuptake-Inhibitoren Beispiele
Selektive-Serotonin-Reuptake-Inhibitoren
(SSRI)
Citalopram, Sertralin, Paroxetin,
Fluoxetin
Selektive-Serotonin-Noradrenalin-Re
uptake-Inhibitoren (SSNRI)
Venlafaxin, Duloxetin
Selektive-Noradrenalin-Reuptake-Inhibi-
toren (SNRI)
Reboxetin
MERKE:
Schlafstörungen im Alter können
auch arzneimittelbedingt sein.