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Fortbildung aktuell - Das Journal
Nr. 2/2011 der Apothekerkammer Westfalen-Lippe 17
Verena Arzbach
bei exponierten Patienten zwar relativ sel-
ten, können aber schlimmstenfalls zu Le-
berversagen führen. Bei jeder Schädigung
der Leber setzen die defekten Leberzel-
len Leberenzyme in den Blutkreislauf frei.
Die Konzentration der Gamma-Gluta-
myltransferase (GGT) und Alanin-Amino-
Transferase (ALAT, früher Glutamat-Pyru-
vat-Transaminase GPT) im Blut kann dabei
Auskunft über die Schwere des Schadens
geben. Die Höhe der Konzentration kor-
reliert mit der Anzahl betroffener Leber-
zellen. Von einer gravierenden Leberschä-
digung ist in der Regel auszugehen, wenn
der ALAT-Wert über das Zweifache des
oberen Normwerts (
: 50 U/l;
: 35 U/l)
ansteigt.
4,5
Lebererkrankungen verlaufen teilwei-
se symptomlos oder mit unspezifischen
Beschwerden. Ein Leberschaden ist da-
her schwer zu diagnostizieren, er wird
häufig zufällig anhand der erhöhten
Leberenzymwerte im Blut erkannt. Die
DEGAM-Leitlinie sieht regelmäßige Be-
stimmungen der Leberenzyme unter an-
derem bei der Dauertherapie mit dem
Antiarrhythmikum Dronedaron (Multaq
®
)
vor. Leberfunktionstests sollten monat-
lich über einen Zeitraum von sechs Mona-
ten und danach einmal pro Quartal wie-
derholt werden. Apotheker und Ärzte
sollten Patienten darauf hinweisen, bei
Symptomen einer möglichen Leberschädi-
gung, beispielsweise anhaltenden Ober-
bauchbeschwerden, Anorexie, Übelkeit,
Erbrechen, Fieber, Unwohlsein, Ermü-
dung, Gelbsucht, dunkler Urin oder Juck-
reiz, sofort den Arzt zu kontaktieren.
Auch ein Rote-Hand-Brief wies Ärzte
2011 nochmals explizit darauf hin, bei
einer Dauertherapie mit dem 2010 zuge-
lassenen Wirkstoff regelmäßig Lebertests
durchzuführen. Bei mit Dronedaron be-
handelten Patienten waren schwere Le-
berschädigungen aufgetreten, darunter
Fälle eines lebensbedrohlichen akuten Le-
berversagens, in denen eine Lebertrans-
plantation erforderlich war.
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Dronedaron
wird in der Leber durch Cytochrom P450
3A4 metabolisiert. Der Wirkstoff schädigt
die Leber möglicherweise über den glei-
chen Mechanismus wie Amiodaron. Wis-
senschaftler vermuten eine Beeinträch-
tigung der mitochondrialen
β
-Oxidation
und Entkopplung der oxidativen Phos-
phorylierung, in deren Folge Hepatozyten
zerstört werden.
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Zu Beginn einer Therapie mit Dronedaron
sieht die Leitlinie ebenfalls eine Kontrol-
le der Nierenfunktion vor. Sehr häufig
kommt es bei Gabe von 400 mg Drone-
daron zweimal täglich zu einer Zunah-
me des Plasmakreatininwertes (siehe un-
Kleines und groSSes Blutbild
Die Behandlung mit vielen Arzneistoffen setzt zu Beginn der Therapie das Erstel-
len eines Blutbildes voraus. Der Arzt erhält so einen Überblick über die zellulären
Bestandteile des Blutes und kann Störungen der Blutbildung erkennen bezie-
hungsweise ausschließen. Beim sogenannten „kleinen“ Blutbild werden die drei
Zellarten des Blutes, Erythrozyten, Leukozyten und Thrombozyten, ausgezählt.
Der Arzt bestimmt außerdem den Gehalt an Hämoglobin, sowie den prozentualen
Anteil der Blutzellen am Blutvolumen (Hämatokrit) und die Erythrozytenindices:
das mittlere korpuskuläre Volumen (MCV), das mittlere korpuskuläre Hämoglobin
(MCH) und die mittlere korpuskuläre Hämoglobin-Konzentration (MCHC). Beim
großen Blutbild wird anhand eines Differentialblutbildes zusätzlich zwischen den
einzelnen Unterformen der Leukozyten (neutrophile, eosinophile, basophile Gra-
nulozyten, Lymphozyten und Monozyten) unterschieden.
4
Kleines Blutbild:
Erythrozyten
: 4,5 – 5,9 × 10
12
/l ,
: 4,1 – 5,1 × 10
12
/l
MCV
81–96 fl
MCH
27–34 pg
MCHC
32–36 g/dl
Hämatokrit
: 40–49 % ,
: 33–43 %
Hämoglobin
: 13,6–17,2 g/dl ,
: 12,0–15,0 g/dl
Leukozyten
4–10 × 10
9
/l
Thrombozyten
150–400 × 10
9
/l
Großes Blutbild: zusätzlich Differenzierung der Leukozyten
Zelltyp
Anteil an Gesamtleukozyten
Basophile Granulozyten ≤ 1 %
Eosinophile Granulozyten ≤ 7 %
Neutrophile Granulozyten:
segmentkernige
45–75 %
stabkernige
3–5 %
Lymphozyten
18–45 %
Monozyten
1–12 %
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Fortbildung aktuell – Das J urnal
Nr. 1/ d r Apothekerkammer Westfalen-Lip e
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