SCHWEIZER GEMEINDE 7/8 l 2016
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UMWELT
Hamme. Er schult, wie man richtig wetzt,
wann zu dengeln ist und wie es sich am
kraftsparendsten und rückenschonends-
ten mäht. Wenn Hansjörg von Känel
nämlich den ganzen Tag lang senst, und
das kommt nicht selten vor, «dann geh
ich abends noch zumTanze», sagt er und
legt einen kleinen Tanzschritt ein.
So hat er etwa im Wettinger Werkhof-
team für den richtigen Schwung gesorgt,
erst im Mai hat er 20 Mitarbeiter von
«Stadtgrün Bern» in der Handhabung
der Sense ausgebildet und mit entspre-
chend massgeschneiderten Sensen be-
stückt. Die Rückmeldungen der Kursteil-
nehmer waren derart überschwänglich,
Hansjörg von Känel kullerten beinah die
Tränen über die gebräunten Wangen.
Weil Menschen seine Passion teilen. Und
weil er weitergeben kann, was ihm Le-
bensmittelpunkt geworden ist: den Er-
halt eines jahrhundertealten Handwerks,
die ehrliche Handarbeit, den Respekt vor
der Natur.
Gerade der letzte Punkt ist ihm zentral,
denn sich selbst sieht er eigentlich nur
ungern im Mittelpunkt: «Wer zur Natur
schaut, der mäht kleinere Flächen mit
der Sense.» Man sei damit auch über-
haupt nicht langsamer, ergänzt er, ohne
in Dogmen zu verfallen: «Für Grossflä-
chen auch überhaupt nichts gegen einen
ordentlich eingestellten Balkenmäher.»
«Die Einwohner sehen ihn gern»
Auch in anderen Gemeinden mäht von
Känel regelmässig Hänge, Borde und
Friedhöfe. Eine von ihnen ist Beromüns-
ter, wo er seit Jahr und Tag die Wiesen
stutzt. Der hiesige Werkhofleiter Tho-
mas Stocker ist Feuer und Flamme für
den kauzigen Sensenmann: «Er ist eine
Bereicherung für die Gemeinde, die Ein-
wohner sehen ihn gern.» Ausserdem
stört Stocker der Lärm der Motormäher,
die Sense sei die perfekte, weil lautlose
Alternative. Auch im Naturareal Ror-
schacherberg am Bodensee hält er das
Gras auf schonende Weise kurz, für die
Gartenorganisation Bioterra führt er re-
gelmässig Kurse durch. Gerade bei den
Bio- und Naturgärtnern ist das sanfte
Mähen mit der Sense äusserst gefragt.
Manchmal mähe er, um seine Mähsucht
zu stillen, wie von Känel hinter vorgehal-
tener Hand sagt, sogar in der Freizeit.
Trotz den Kursen, den Mähaufträgen
und derWerkstatt, in der massgeschnei-
derte Sensen, Dengelstöcke und über-
haupt alles Sensenspezifische entsteht,
könnte Hansjörg von Känel nicht davon
leben. «Aber dafür habe ich ja meine
Rente. Das hier», fährt er fort und strei-
chelt über das Blatt seiner Sense, «ist für
mich pure Freude. Wie Balsam.»
Lucas Huber
Für den richtigen Schnitt: Hansjörg von Känel stellt seine «Sägesse» ein.
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