Der
Swinger
club
D
ie Kampagne des Golfclubs
Bauernburg mit dem Slogan
„Wir machen’s in der Natur“
war ein großer Erfolg – bis wir
merkten, dass nicht alle Neu-
linge verstanden hatten, dass es
unserem Präsidenten Fahrenbach allein darum
ging, den Golfsport durch Selbstvermehrung zu
retten.
Der Ärger begann mit einer Beschwerde
der Greenkeeper, wonach Verhüterli die Mäh-
maschinen verstopfen würden. Als er das hörte,
ging Fahrenbach in die Luft: „Wer verhütet,
erhält Platzverbot!“ Dabei wurde er so laut, dass
es in mancher Kuschelzone zum Interruptus
kam.
Auch wir vom Golftherapeutischen Pflege-
dienst mussten uns auf eine neue Klientel mit
seltsamen Bedürfnissen einstellen. Der Hö-
hepunkt dieser Entwicklung war ein Herr in
einem glänzend-schwarzen Polohemd: „Sie sind
vom Golftherapeutischen Pflegedienst? Ist un-
ser Gespräch vertraulich?“ „Selbstverständlich!“
„Es geht um das morgige Turnier.“ „Irgendein
Problem?“ „Ich bin ein Swinger.“ „Oh, Sie
auch? Willkommen im Club!“ „Sie sind auch
Swinger…?“
„Ich habe einen ruhigen, rhythmischen
Schwung. Das harte Zuschlagen war nie meine
Sache.“ „Hartes Zuschlagen?“ „Ja, im Gegensatz
zum Swinger, der durch den Ball schwingt, gibt
es Hitter, die so fest wie möglich auf die Pille
dreschen.“ „Ach so, das meinten Sie.“
Erstaunt fragte ich: „Was meinen Sie denn?“
„Nun – ich besuche Swingerclubs und kopuliere
dabei mit Partnern beiderlei Geschlechts.“
„Schön, schön – aber was hat das mit dem Tur-
nier zu tun?“ „Meine morgigen Mitspieler Frau
Dr. Grählich-Marrenberg und ihr Gatte, Herr
Prof. Dr. Marrenberg, sind gelegentlich auch
meine Spielpartner im Swinger-Club.“ „Oh!“
„Ja. Erst am letzten Wochenende waren wir
zusammen. Das Partymotto war ‚Pfarrer und
Flittchen‘“. „Sie sind Pfarrer?“ „Nein, ich ging
als Flittchen, was Prof. Dr. Marrenberg sehr
anziehend fand. Wir waren auf der großen
Spielwiese. Frau Dr. Grählich-Marrenberg trug
ein Bischofs-Ornat über den schwarz-roten
Dessous. Herr Prof. Dr. Marrenberg, ebenfalls
ein Flittchen, hatte Probleme mit seinen Netz-
strümpfen, weil der Straps-Gurt auf dem Gum-
mihöschen keinen Halt fand. Deshalb wurden
wir beide von Frau Dr. Grählich-Marrenberg
hart rangenommen.“
„Und jetzt haben Sie Angst mit ihr Golf zu
spielen?“ „Nein, das ist überhaupt kein Problem.
Wir haben ja schon öfter zusammen gespielt.
Wir gehen meist an der 4. Bahn rechts auf einen
Quickie in den Wald.“ „Dann lassen Sie aber
durchspielen?“ „Selbstverständlich, wobei wir
ohnehin nur in die Büsche gehen, wenn hinter
uns zwei Bahnen frei sind. Bis die Nächsten
kommen, sind wir längst fertig. Bis zur 16.“
„Bis zur 16?“ „Ja, dann kommt die nächste
Gelegenheit – natürlich unter dem Motto „Wer
kann, der darf…“, was bei Frau Dr. Grählich-
Marrenberg meist der Fall ist, während Prof. Dr.
Marrenberg an heißen Sommertagen bisweilen
schwächelt.“ „Jedem das Seine, solange Sie den
Spielbetrieb nicht aufhalten. Aber ich weiß
immer noch nicht, was ich für Sie tun kann?“
„Das Problem ist die Reihenfolge am Ab-
schlag. Frau Dr. Grählich-Marrenberg ist sehr
dominant und beharrt darauf, vom Herrenab-
schlag zu spielen.“
„Während Sie vom Damenabschlag spielen?“
„Nicht nur ich, auch Herr Prof. Dr. Marrenberg.
Was meinen Sie? Schließlich ist das Turnier vor-
gabewirksam.“
Er schaute mich erwartungsvoll an, doch ich
musste passen. Ich verwies ihn an die Spiel-
leitung, die mit Strafschlägen drohte. Und
Präsident Fahrenbach flippte total aus, als er
die Geschichte hörte: „Mir reicht es!“ brüllte er.
„Jegliche Minne auf dem Platz ist ab jetzt wegen
Zeckengefahr strikt untersagt! Hier wird nur
noch Golf gespielt, und wer in Lack oder Leder-
kluft antritt, fliegt raus!“
Er knallte die Tür und war für niemanden
mehr zu sprechen. Sekretärin Helga sagte
später, er habe einen dicken Schmöker gelesen,
dabei geseufzt und sonderbar gelächelt.
Gt
»Der Ärger
begann mit einer
Beschwerde der
Greenkeeper,
wonach
Verhüterli die
Mähmaschinen
verstopfen
würden«
EuGEn PlEtsch
Jahrgang 1952, Autor von
fünf satirischen Büchern
(z. B. „Der Weg der weißen
Kugel“, KOsMOs-Verlag 2015),
lebt als schriftsteller bei Gießen.
legendär sind seine lesungen in
Golfclubs, wo er als Mit-
arbeiter des „Golftherapeutischen
Pflegediensts“ live aus der
Grünen Hölle berichtet.
Kontakt:
home@cybergolf.deGOLF
TAGE
BUCH
www.golftime.deGOLF TIME
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4-2016
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