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GOLF TIME

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4-2016

75

GOLFREGELN TEIL 3

| CLUBS

E

s war kein Tag wie jeder andere.

Leichte Sturmböen zogen über den

Platz und es goss wie aus Kübeln.

Aber: Wenn man für ein Turnier gemeldet

hat, dann gilt es, dem Wetter zu trotzen.

Vor allem dann, wenn es sich um ein Profi-

turnier handelt! Don Jaly stand am vierten

Abschlag. Mitten im Abschwung traf ihn

eine der verflixten Sturmböen. Der Ball

flog deutlich nach links. Nichts Unge-

wöhnliches. Doch auf dieser Seite drohte

ein künstlich angelegter Wassergraben.

Der Ball bewegte sich unaufhaltsam in

jene Richtung. Er tippte einmal am Fair-

way-Rand auf und sprang anschließend

in den künstlichen Entwässerungsgraben.

Mit ein bisschen Glück, so schoss es Don

Jaly hoffnungsvoll durch den Kopf, liegt

der Ball in der Mitte des Grabens – und

er könnte ihn dort spielen. Minuten später

stand er neben seinem Ball. Der lag mittig

im Graben und wäre auch spielbar gewe-

sen – hätte er nicht direkt an einem dicken

Stein gelegen. Jaly fluchte leise vor sich hin.

Was für ein unglaubliches Pech!

Was tun? Guter Rat war teuer. Er über-

legte. Da er den Ball nach Regel 28 imWas-

serhindernis nicht für unspielbar erklären

konnte, hätte er 70 Meter zurückgehen

müssen, um nach Regel 26 den Ball beim

Eintrittspunkt ins Wasserhindernis zu

droppen. Er hatte sich gerade entschlossen,

nach Regel 3-3 einen sogenannten Regel-

ball zu spielen. Einmal nach Regel 26 und

einmal, indem er den Stein entfernen wollte,

nach Regel 24-1, bewegliches Hemmnis.

In dem Augenblick sahen der Aktive

und seine Mitspieler, ein Schwede und ein

Deutscher, den Referee mit seinem Buggy

hinter dem Grün stehen und machten ihn

mit heftigemWinken auf sich aufmerksam.

Es handelte sich um den Chief-Referee,

einen Engländer, der mit seinem roten

Kopf immer so aussieht, als käme er gerade

aus der Sauna. Ein sehr erfahrener Mann,

der die Tour schon zwölf Jahre begleitet.

Der gewissenhafte Referee begutachtete

die Situation und verschaffte sich durch

ein kurzes „One moment, please!“ eine

kurze Zeitspanne für seine Entscheidung.

Er war sich bewusst, dass Don Jaly den

Stein straflos entfernen durfte, der sicht-

lich aus der Mauer herausgebrochen war,

die den Wassergraben begrenzte. Aber es

war nun einmal seine Art, nicht nur die

Entscheidung zu treffen, sondern diese

auch explizit mit der passenden Regel oder

einer Decision schwarz auf weiß zu bele-

gen. Decision 24/6: Stein aus einer Stau-

mauer im Wasserhindernis weggebrochen.

Der Ball eines Spielers liegt spielbar in

einemWasserhindernis, jedoch direkt hin-

ter einem Stein, der aus einer Staumauer

herausgebrochen ist. Da diese Mauer im

Wasserhindernis steht, darf der Spieler von

diesem unbeweglichen Hemmnis straflose

Erleichterung nicht in Anspruch nehmen.

Ist aber der herausgebrochene Stein ein

bewegliches Hemmnis, das der Spieler vor

dem Schlag fortbewegen darf? Antwort: Ja!

Der überglückliche Don Jaly entfernte den

Stein und schlug den Ball von dort aus tat-

sächlich aufs Grün. Wäre es ein beliebiger

Stein gewesen, hätte er diesen selbstver-

ständlich nicht entfernen dürfen. Definition:

loser hinderlicher Naturstoff, Regel 23.

Gt

Dr. ulrikE GArtz unD

holGEr GArtz

haben seit 1997 über 250 Turniere und

Turnierserien im Profi- und Amateurbereich

veranstaltet und organisiert. Als spielleiter

sind beide seit 2005 im Golfverband nieder-

sachsen-Bremen tätig. Dr. ulrike Gartz hat

die Prüfung zum r&A referee 2011 mit

Erfolg bestanden

Don Jaly

im Wechselbad

der Gefühle