SCHWEIZER GEMEINDE 7/8 l 2015
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GEMEINDEPORTRÄT
auf der Kronenmatt zu investieren und
dort eine neue Gemeindeverwaltung zu
realisieren. Für 10 000 Franken liess sie
von den Raumplanungsbüros Remund
und Kuster, Pfäffikon, und Spaargaren
und Partner AG, Rapperswil (neu tsp
raumplanung, Zürich), ein Konzept für
das Zentrum entwerfen, das sie den
Investoren präsentierte. Ausserdem
spielte sie einen raumplane-
rischen Joker aus. «Wir haben
den Investoren angeboten,
dass die Gemeinde im Falle
eines Konsenses das Gebiet
in eine Kernzone umwandeln
und damit die Ausnützungs-
ziffer erhöhen kann», sagt
Moser. Das war für die Inves-
toren interessant, denn eine höhereAus-
nützung bedeutet eine höhere Rendite.
«Es brauchte Idealismus»
Der Gemeinderat benötigte dennoch viel
Hartnäckigkeit. «Es gab Sitzungen, nach
denen wir gedacht haben, dass das Pro-
jekt nicht realisiert werden kann», sagt
Moser. «Es brauchte den Idealismus der
Investoren», betont Lüönd. Diese hätten
schliesslich erkannt, dass die Überbau-
ung auf der Kronenmatt eine Chance für
die ganze Gemeinde ist. «Ein Projekt mit
einer Gemeinde zu verwirklichen, ist für
einen privaten Investor nicht einfach»,
gibt Lüönd zu bedenken. Denn der Inves-
tor müsse sich der Öffentlichkeit stellen
und sich rechtfertigen.
Und ein Projekt kann an der Urne bachab
geschickt werden. Das musste der Satt-
ler Gemeinderat erfahren: Als das neben
der Kronenmatt gelegene Restaurant
Krone − die heutige Bäckerei Kreuz-
mühle − zumVerkauf stand, wollte er das
Gebäude kaufen und darin die neue Ge-
meindeverwaltung einrichten. Der Sou-
verän sagte aber Nein. Rückblickend war
dies ein Glücksfall. «Ein neues
Gemeindehaus zu bauen,
ohne zu wissen, was mit der
‹Krone› passiert − das wollten
wir nicht», sagt Lüönd. Der Ge-
meinderat erhöhte den Druck.
Moser: «Wir haben den Inves-
toren klargemacht, dass auch
die ‹Krone› eine Aufwertung
braucht.» Die Käufer lenkten schliesslich
ein, auch noch das ehemalige Restau-
rant zu erwerben. Damit konnte das
neue Zentrum ganzheitlich entwickelt
werden.
Werden die Steuern erhöht?
Zum Schluss des Gesprächs, beim
Thema Steuern, wird noch einmal ange-
regt diskutiert. Gemeinderat Kryenbühl
sagt, dass trotz der Ausgaben für das
neue Gemeindehaus der Steuerfuss bei-
behalten werden konnte. ImTiefsteuer-
kanton Schwyz − wo es lange keine Ein-
kommenssteuer gab und es bis heute
keine Erbschaftssteuer gibt − steht man
Steuererhöhungen besonders kritisch
gegenüber. In naher Zukunft könnte eine
solche allerdings nötig werden. Die Rech-
nung 2014 der Gemeinde Sattel schloss
zwar besser ab als budgetiert. Mit einem
Defizit von 362500 Franken statt der bud-
getierten 494300 Franken. Und das Ei-
genkapital beträgt rund 1,3 Millionen
Franken. Auch das für 2015 prognosti-
zierte Defizit von 588000 Franken sei
nochmals zu verkraften, sagte Sattels
Säckelmeister Peter Zundel gegenüber
dem «Boten der Urschweiz». Dann je-
doch werde das Eigenkapital praktisch
dahingeschmolzen sein.
Dennoch will Gemeindepräsident Lüönd
vorerst nichts von einer Steuererhöhung
wissen. Es hänge davon ab, wie sich die
Ausgaben im Sozialbereich entwickeln
würden (vgl. Artikel auf S. 8). Diese ma-
chen der Gemeinde zu schaffen. «Die
Ausgaben haben sich letztes Jahr ver-
doppelt», sagt Lüönd. Eine Fremdplat-
zierung durch die Kindes- und Erwach-
senenschutzbehörde könne schnell
100000 Franken kosten, ergänzt Ge-
meindeschreiber Moser. Erschwerend
hinzu komme die Unabwägbarkeit. Mo-
ser: «Durch einen Zu- oderWegzug kann
sich die Situation rasch verändern.»
Philippe Blatter
Informationen:
www.sattel.ch www.morgarten.ch www.tinyurl.com/RevitalisierungLinks: Ländlich, gute
Verkehrslage, viele
Freizeitangebote:
Sattel ist für Zuzüger
attraktiv.
Rechts: Rund 56 Pro-
zent der Gemeinde-
fläche werden
landwirtschaftlich
genutzt.
«Die Sozial-
ausgaben
haben sich
im letzten
Jahr
verdoppelt.»




