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SCHWEIZER GEMEINDE 12 l 2017

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Baar». Früher kleideten sich die Sänge-

rinnen und Sänger mit historischen

Trachten und Gewändern. Heute reprä-

sentieren sie oft ein bestimmtes Sujet

und treten beispielsweise als Bauarbei-

ter auf oder verzieren ihre Kleidung mit

zahlreichen roten Herzen.

Chrööpfelimee-Meister

«Chrööpfelimee» ist das älteste Brauch-

tum der Stadt Zug. Erstmals in einer

Schriftquelle erwähnt wurde es im Jahr

1847. Das Bundesamt für Kultur hat es in

die «Liste der lebendigen Traditionen»

der Schweiz aufgenommen, womit es

zum immateriellen Weltkulturerbe der

Unesco zählt. Jahrzehntelang organi-

sierte die Trachtengruppe Zug das

«Chrööpfelimee». Im Jahr 2008 feierte

die Schneiderzunft ihr 600-Jahr-Jubi-

läum und stellte sich zur Verfügung, die

Trägerschaft für diesen stimmungsvol-

len Brauch zu übernehmen. Dafür er-

gänzte sie sogar Artikel 1 ihrer Satzun-

gen, in welchem festgehalten ist, dass

die «ehrsame Zunft der Schneider,Tuch-

scherer und Gewerbsleute der Stadt

Zug» historische und kulturelle Bestre-

bungen unterstütze, das Brauchtum för-

dere und am Altfasnachtssonntag das

«Chrööpfelimee-Singen» organisiere.

Die Zunft schuf dafür extra das Amt des

«Chrööpfelimee-Meisters». Zehn Jahre

lang übte Ernst Moos dieses Amt aus.

Ab 2018 wird erstmals Martin Kühn da-

für verantwortlich sein.

Brauchtum verändert sich

Es ist nicht selbstverständlich, dass der

uralte Brauch heute noch gepflegt wird.

Viele Zugerinnen und Zuger ziehen auf-

grund der Wohnungsnot in andere Ge-

meinden. Von den 30000 Einwohnerin-

nen und Einwohnern der Stadt sind

rund 10000 Ausländer. Expats haben

wohl keine Ahnung, was «Chrööpfeli-

mee» bedeutet. Umso wichtiger sei,

«das Brauchtum vermehrt nach aussen

zu tragen und noch besser zu vermark-

ten», sagt Zunftobmann Roland Staerkle.

Die Unterstützung durch die Zunft ist

ganz konkret. Einerseits hilft sie Lieben-

den, die ausserhalb des Stadtzentrums

wohnen, Standorte in der Altstadt zu

finden – beispielsweise jenen beim

Gasthaus Rathauskeller. Denn gesun-

gen wird nur im Zentrum. Andererseits

passt die Zunft den Brauch der heutigen

Zeit an: «Wenn sich zwei Geschiedene

neu verlieben oder wenn ein Paar gol-

dene Hochzeit feiert, hat das doch auch

mit Liebe zu tun», sagt Roland Staerkle.

Also dürften sich diese Paare beim

«Chrööpfelimee» ebenfalls feiern las-

sen. Dies als Ergänzung zu jenen Paa-

ren, die im laufenden Jahr heiraten wer-

den und bei denen das Singen der

Auftakt zur Hochzeit sei. «Wenn wir wol-

len, dass der Brauch weiterlebt, müssen

wir mit der Zeit gehen und flexibel sein»,

so Roland Staerkle.

ZünftigeVerpflegung im «Ochsen»

Die Zunft denkt nicht nur an die Verlieb-

ten, sondern auch an die Sängerinnen

und Sänger. Jede Gruppe kommt im

Verlauf des Abends bei der Zunfther-

berge, dem Hotel Ochsen, vorbei und

wird dort zu Speis undTrank eingeladen.

«Sie erhalten zwar viele Chrööpfeli und

vielWein», so Roland Staerkle. «Doch im

Februar ist es oft kalt. Da schätzen sie

den Zwischenstopp in unserer Zunfther-

berge.» Weil die Fasnacht nicht jedes

Jahr am selben Datum stattfindet, vari-

iert auch das «Chrööpfelimee». Die

nächste Ausgabe findet am Sonntag,

18. Februar 2018, ab 17.30 Uhr statt. Zu-

schauerinnen und Zuschauer sind herz-

lich willkommen.

Für den Zunftobmann Roland Staerkle

haben die Sängerinnen und Sänger am

«Chrööpfelimee» übrigens noch nie ge-

sungen. «Ich bin zwar seit zwölf Jahren

verheiratet, doch damals habe ich leider

nicht an diesen schönen Brauch ge-

dacht.» Eine zweite Chance kommt bei

der Silberhochzeit.

Astrid Bossert Meier

Infos:

«Chrööpfelimee», Altstadt Zug, Sonntag,

18. Februar 2018, 17.30 Uhr bis 23 Uhr.

Roland Staerkle, Obmann der organisieren-

den Zunft der Schneider,Tuchscherer und

Gewerbsleute der Stadt Zug.

Bild: Astrid Bossert Meier

CHRÖÖPFELIMEE

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