LSV-Sportforum
DER LSV UND PROJEKTE
Familien gemeinsam an Bord „FAMILIEN IN EINEM BOOT“ BEI DER SEGLER-VEREINIGUNG FLENSBURG
Segeln als Familienzeit – ganz ohne Leistungsdruck
Wenn mehrere Generationen gleichzeitig Schwimmwesten anlegen, Leinen sortieren und sich auf einen gemeinsamen Kurs verständigen, dann ist dies ein deutliches Zeichen dafür, dass Segelsport weit mehr sein kann als indivi duelle Freizeitgestaltung. Auch im vergangenen Jahr hat die Segler-Vereinigung Flensburg am Förderprogramm „Familien in Bewegung“ des Landessportver bandes Schleswig-Holstein (LSV) teilgenommen und wurde wieder finanziell dabei unterstützt. Inhaltlich blieb das Angebot im Verein bewusst unverändert, denn Konzept und Zielsetzung haben sich bewährt: Familien sollen Segeln gemeinsam erleben können, ohne Leistungsdruck, ohne Vereinszwang und mit genügend Raum für individuelle Erfahrungen auf dem Wasser. Deshalb heißt es bei der Segler-Vereinigung: „Familien in einem Boot“.
Das Besondere am Programm „Familien in einem Boot“ ist seine Niedrig schwelligkeit: Der Fokus liegt nicht auf Leistung oder Wettbewerb, vielmehr geht es um gemeinsames Erleben, Bewegung an der frischen Luft und darum, als Familie etwas Neues aus zuprobieren. Damit richtet sich das Projekt bewusst auch an Familien, die den Weg in einen Segelverein vielleicht sonst nicht gefunden hätten. Aus Sicht der teilnehmenden Familien war genau das der Schlüssel: Segeln wurde nicht als „Kurs“ wahrgenommen, sondern als gemeinsame Familienzeit. Zeit, in der man sich abspricht, lacht, manchmal auch durcheinanderredet – und am Ende gemeinsam anlegt. Und nicht selten wechselten dabei Rollen – Kinder erklärten Abläufe, Eltern lernten dazu, und alle profitierten von der besonderen Atmosphäre auf dem Wasser. Bereits seit 2015 hat die Segler-Ver einigung Flensburg kontinuierlich am Programm „Familien in Bewegung“ teilgenommen und in fast jedem Jahr Familien die Möglichkeit eröffnet, gemeinsam zu segeln. Auch im ver gangenen Jahr wurden dafür wieder die Vereinsboote unterschiedlicher Größe eingesetzt und Familien begleitet, die ohne dieses Programm vielleicht nie gemeinsam gesegelt wären. Für die Segler-Vereinigung Flensburg ist die Beteiligung an „Familien in einem Boot“ nicht nur ein Beitrag zur Sport förderung, sondern auch Ausdruck des eigenen Selbstverständnisses. Segelsport wird nicht exklusiv gedacht, sondern als gemeinsames Erlebnis, das Familien einen einfachen Zugang eröffnet. Für die Familien wiederum entsteht ein nachhaltiger Mehrwert: Gemeinsame Bewegung, Erlebnisse außerhalb des Alltags und neue Impulse für die eigene Freizeitgestal Kontinuität mit Wirkung aus Sicht des Vereins
Fotos: Sören Witt/SVF
Familie Richter-Rose (von links), Martin, Elvar, Talea, Cassandra
Ein Blick aus dem Cockpit – erzählt von Familien
ständlich auch die jungen Crew-Mit glieder Verantwortung annehmen können. „Plötzlich hatten wir ein gemeinsames Thema – und zwar eines, bei dem alle mitmachen konnten“, beschreibt es sinngemäß eine der teil nehmenden Familien. Kinder über nahmen Aufgaben an Bord, Erwachsene lernten (oder erinnerten sich), wie wichtig Abstimmung, Ruhe und gegen seitiges Vertrauen sind. Beim Setzen der Segel oder beim Anlegen war schnell klar: Hier zählt nicht Alter oder Erfahrung, sondern Zusammenarbeit. Gerade für die Kinder war das Boot ein besonderer Lernort. Entscheidungen haben direkte Folgen, Verantwortung wird geteilt, und Erfolg fühlt sich sofort gemeinsam an. Für die Eltern war es ebenso wertvoll zu erleben, wie selbst verständlich ihre Kinder Aufgaben übernehmen und dabei oft sehr schnell Sicherheit gewinnen.
Für teilnehmende Familien, wie z. B. die Familien Simpson und Richter- Rose, begann das Projekt wie für viele andere − mit Neugier und einer gewissen Vorsicht. Segeln war für einige Familienmitglieder komplett neu, für andere schon lange her oder bislang nur vom Zuschauen bekannt. Doch schon nach den ersten gemein samen Einheiten an Bord veränderten sich die Sichtweisen. Eltern und Kinder berichteten übereinstimmend davon, wie schnell sich an Bord eine neue Form des Miteinanders entwickelte. Aufgaben wurden nicht zugeteilt, sondern ergaben sich aus der Situation: Kinder hielten Leinen, achteten auf Abstände oder erklärten stolz, was sie gerade gelernt hatten; Erwachsene übernahmen Verantwortung, merkten aber ebenso schnell, wie selbstver
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SPORTFORUM NR. 227 | MÄRZ 2026
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