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GOLF TIME
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4-2016
www.golftime.deDas kurze spiel
unTEr dEr LupE
W
enn man sich die Produkt-
beschreibungen der am Markt
tätigen
Wedge-Spezialisten
betrachtet, entsteht schnell ein Gefühl von
Verzweiflung und Überinformation. Loft,
Bounce, Grind, Finish Optionen, Custom
Varianten, Schaftmöglichkeiten und dann
auch noch in einigen Fällen eine Fülle
von Personalisierungsoptionen, um sein
Wedge unverwechselbar zu machen. Doch
was braucht man als Spieler wirklich? Was
hilft einem auf dem Platz und was könnte
einem eher Probleme bereiten? Wir werden
versuchen, das vorhandene Angebot ein
wenig zu beleuchten.
lOFts
Früher war alles einfacher. Die Sätze hatten
in Altväter Tagen ein Pitching Wedge mit
50° Loft und eine Sandwedge mit 56° Loft.
Die daraus resultierende Lücke war prob-
lemlos handhabbar und die Notwendig-
keit für ein Wedgesystem mit drei oder
gar vier Wedges nicht gegeben. In den
vergangenen Jahren hat sich dies deutlich
geändert. In der Spitze haben manche
Eisensätze heute ein PW mit 42°–43° Loft,
und daraus ergibt sich logischerweise eine
sehr große Lücke zum klassischen Sand-
wedge mit 56°. Was bleibt also anderes
übrig, als die Lücke mit mehreren Schlä-
gern zu schließen.
Was man dabei beachten sollte, ist eine
ganz einfache Frage: Mit welchem Schlä-
ger werden zum überwiegenden Teil volle
Schwünge gemacht? Dieser Schläger sollte
nach Möglichkeit dem Eisensatz entnom-
men werden – also vom Kopf und Schaft
her das gleiche Design/Setup haben wie die
restlichen Eisen. Vor allem in der Kom-
bination mit sog. Cavity Backs mit vielen
spielerleichternden Merkmalen (Masse
unten und relativ weit weg von der Schaft-
achse) macht es keinen Sinn, den notwen-
digenLoftfüreinebestimmteVollschwung-
distanz mit einem Spezialwedge zu wählen.
Aufgrund des anders platzierten Massen-
schwerpunkts und gegebenenfalls auch
einer anderen Schlagflächenkonstruktion
werden die speziellen Wedges in Relation
immer etwas kürzer fliegen als das ent-
sprechende Eisen aus dem Satz. Es ist also
absolut sinnvoll, seinen Eisensatz anders
zu betrachten und im entsprechenden
Design bis in den Bereich eines klassischen
Pitching Wedges zu gehen, um einen spiel-
baren Übergang zu den speziellen Wedges
zu schaffen.
Achten Sie am besten darauf, dass Ihr
letztes Eisen für volle Schwünge zwischen
46° und 50° Loft hat und schließen Sie
dann entsprechend mit den Spezialwedges
an. Dann bleibt nur noch die Überlegung,
ob Sie lieber in 4°- oder in 5°-Schritten
vorgehen.
Mehr Wedges im Bag bedeuten mehr
Optionen. Mehr Optionen können aber auch
durchaus für mehr Verwirrung sorgen.
Wenn wir also beispielsweise von 46° Loft
beim letzten Eisen für volle Schwünge aus-
gehen, dann wären drei zusätzliche Wedges,
50°/54°/58°, eine Variante. Oder Sie wählen
ausgehend von diesem Wert (46°) eine
Zusammenstellung mit 51° und 56°, um
das System übersichtlicher zu halten.
bOuNce
Beim Bounce (gemessen in Grad) handelt
es sich um einen besonderen Winkel der
Sohle in Relation zu einem geraden Unter-
grund. Leider unterscheiden manche Her-
steller auch noch zwischen dem einfachen
gemessenen Bounce und dem sog. Effek-
tiven Bounce, der lediglich ein errechne-
ter Wert ist und sich aus dem gemessenen
Bounce und der Fläche der Sohle zusam-
mensetzt.
Sie sehen: Die Auswahl ist nicht leicht.
Leider.
GT
CLUB
FITTING
JOHANNES HERBIG
Jahrgang ’61,
Inhaber der Fitting-
Schmiede Clubmate Golf
mit Stützpunkten
in Pfungstadt und
im Jordan Golfdom,
Köln
Teil 1: Wedges
Größeres Angebot – die Qual der Wahl.
verGleIch
Ein altes Foto
mit aktuellem
Hintergrund:
Tiger Woods und
Phil Mickelson
checken den Loft
ihrer Wedges
beim Ryder Cup
2006




