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SCHWEIZER GEMEINDE 9 l 2017

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MILIZPOLITIK: FRAUEN IN DEN EXEKUTIVEN

DieWillisauer Stadtpräsidentin Erna Bieri

arbeitet imTeilamt von 30 Prozent.

Bild: zvg.

Job.» Man müsse bereit sein, mehr als

die vergüteten Stellenprozente zu arbei-

ten. Das werde bei einerVakanz auch den

rekrutierenden Parteien so kommuni-

ziert, zusammen mit den Stellenprozen-

ten und dem Lohn. Im Gegensatz zu

nebenamtlichen wird teilamtlichen Ge-

meinderäten ein regulärer Lohn inklusive

Sozialleistungen ausbezahlt.

Nicht nur Hausfrauen und Bauern

Erna Bieri findet es wichtig, dass die

Funktion und die damit verbundeneVer-

antwortung angemessen entschädigt

wird. Dennoch zählt sie selber ihre Stun-

den nicht und steckt viel Herzblut in ihr

Amt. 2008 wurde die FDP-Frau in den

Stadtrat gewählt. Daneben arbeitete sie

Teilzeit weiter als Projektleiterin für Pro

Juventute. 2011 übernahm sie das Stadt-

präsidium, das als 45-Prozent-Stelle aus-

gewiesen wird, und seither stellt sie ihre

ganze Arbeitskraft in den Dienst der Ge-

meinde.Täglich schaut die 59-Jährige in

ihrem Büro auf der Verwaltung vorbei.

Ihre Söhne sind längst erwachsen, und

für sie «stimmt das so». «Das Schöne an

diesem Amt ist auch der Gestaltungs-

spielraum. Man kann ein Stück weit sel-

ber bestimmen, wie man es ausübt.» Ein

Kollege von ihr, der Stadtpräsident von

Sursee, arbeite beispielsweise noch als

Linienpilot. Sie ist darum ganz und gar

nicht einverstanden mit den Stimmen im

Kanton Luzern, die sagen, dieTeilämter

seien nur noch für Landwirte und Haus-

frauen machbar – abgesehen davon,

dass sie die Aussage «abwertend» fin-

det. Den Gegenbeweis tritt auch einWil-

lisauer Stadtratskollege von Erna Bieri

an, der neben dem Teilamt als selbst-

ständiger Unternehmer tätig ist.

Luzerner Geschäftsleitungsmodell mit

Delegiertem in der Exekutive

Das fünfte Willisauer Ratsmitglied ist

Wendelin Hodel. Er ist gleichzeitig Ge-

schäftsleiter der kommunalen Dienst-

stellen. Willisau pflegt das sogenannte

«Geschäftsleitungsmodell mit Delegier-

tem». Die Exekutive arbeitet strategisch,

und derVorsitzende der operativ tätigen

Dienststellen ist ebenfalls Teil der Exe-

kutive. Erna Bieri könnte sich vorstellen,

dass die grossflächige Einführung die-

ses Modells, welches zu kleineren Ge-

meinderatspensen führte, mit ein Grund

für den überdurchschnittlich hohen Frau-

enanteil in Luzerner Exekutiven sein

könnte. Klar ist für sie hingegen: «In ei-

ner guten Exekutive sind verschiedene

Lebenserfahrungen vertreten, und somit

Frauen und Männer mit unterschiedli-

chem beruflichem Hintergrund.»

Barbara Spycher

Im nationalen Durchschnitt beträgt der Frau-

enanteil in Schweizer Gemeinderäten

23,5 Prozent. Nirgends ist er höher als im

Kanton Luzern. Dort beträgt er ganze

33,8 Prozent.

Grafik: Céline Hoppler

Quelle: Andreas Ladner DHEAP, Universität Lausanne

5

10

15

20

25

35

30

Frauenanteil Exekutivmitglieder nach Kantonen

23,2

16,7

ZH

BS

27,0

28,4

BE

BL

33,8

22,5

LU

SH

21,3

16,7

SZ

AI

20,0

24,8

15,1

GL

AG

NE

25,6

30,1

UR

AR

25,7

23,4

OW

SG

11,4

17,8

21,0

NW

GR

VS

21,4

25,2

23,5

SO

VD

Insg.

23,3

21,5

25,8

ZG

TG

GE

22,7

11,9

25,9

FR

TI

JU

0

Anteil Frauen in %