Inzwischen setzt sich die Kältebehandlung auch bei uns
immer mehr durch. In Badekleidung geht es dabei ab ins
Eisige. Für wenige Minuten betreten Patienten eine spezi-
elle Kammer, in der Minustemperaturen zwischen 60 und
120 Grad herrschen. Ihre Füße werden dabei mit festen,
warmen Schuhen geschützt. Mütze, Mundschutz und
Handschuhe sind ebenfalls Pflicht beim Kältebad.
Drei Minuten Frierschock
Immer in Bewegung bleiben, lautet die Gebrauchsanwei-
sung für die Kältekammer. Maximal drei Minuten darf
der Frierschock dauern, dann muss man wieder raus aus
dem therapeutischen Kühlschrank. Die rasche und tiefe
Abkühlung des Gewebes hat erstaunlich viele Neben
effekte. Der Organismus schüttet die Hormone Cortison
und Noradrenalin aus. Schmerzrezeptoren in der Haut und
im Bindegewebe werden beeinflusst, die Schmerzprozesse
blockiert, Schwellungen reduziert und Schmerzen vermin-
dert. Wer wieder ins Warme kommt, strahlt meistens übers
ganze Gesicht, denn als Schutzreaktion auf die plötzlichen
Minustemperaturen werden körpereigene, schmerzlindern-
de Endorphine freigesetzt, die auch als Glückhormone
bezeichnet werden. Und als Reaktion auf die plötzlichen
Temperaturunterschiede wird der ganze Körper kräftig
durchblutet. Das lässt ebenfalls Schmerzen verschwinden
und sorgt für eine erhöhte Beweglichkeit.
Zur Kältetherapie gehören
anschließende krankengymnastische Übungen
Der erste Effekt der Schmerzminderung hält circa zwei bis
sechs Stunden an, das ist eine optimale Voraussetzung für
anschließende krankengymnastische Übungen und Physio-
therapie. Die Gelenke werden wieder beweglich, Musku-
latur kann aufgebaut werden. Für den dauerhaften Erfolg
der Kältetherapie ist das Bewegungsprogramm besonders
wichtig. Der Schmerz kann sogar dauerhaft verschwinden,
Bibbern
in Badekleidung
Eiseskälte lindert Schmerzen. Das wussten in der Antike schon die Griechen. Sie verwende-
ten Schnee vom Olymp und rieben damit entzündete Gelenke ein. In Japan gehört die Kyro
therapie (von Kyros – Eiseskälte) seit über 30 Jahren zu den Standard-Behandlungsverfahren
bei rheumatischen Erkrankungen.
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Vitamin
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– Das Gesundheitsmagazin für Wuppertal – Ausgabe 2.2016
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