Im Büro eine Klangkulisse aus klingelnden Telefonen und klappernden Tastaturen. Im Café eine
laute Diskussion am Nebentisch, flankiert vom Verkehrslärm. Selbst Normalhörende tun sich
hier schwer. Noch anstrengender sind solche Situationen für Menschen mit Hörminderung. Die
bislang gebräuchlichen Hörgeräte verbessern zwar die Situation der Betroffenen, doch die Tech-
nik stößt mitunter an ihre Grenzen.
Das liegt daran, dass die meisten Hörgeräte darauf aus-
gelegt sind, nur ein einzelnes Ohr zu versorgen. Deutsche
Wissenschaftler der Universität Oldenburg haben dieses
Problem gelöst. Sie schufen die Voraussetzungen für Syste-
me, die Betroffenen ein fast natürliches Hören ermöglichen.
Grundlage ist ein digitales Verfahren, das die Hörgeräte an
beiden Ohren zu einem binaural arbeitenden Hörsystem
verbindet.
Binaurale Hörsysteme bewirken eine deutlich bessere
Hörqualität: Die Systeme mit Hörgeräten am linken und
rechten Ohr koppeln die räumlichen Eigenschaften eines
Schallfeldes und machen sie optimal für den Hörgeschä-
digten nutzbar. Dazu haben die Forscher unter anderem ein
Verfahren geschaffen, mit dem Daten per Funk zwischen
den beiden Hörgeräten ausgetauscht werden können.
Hörgeräte der neuen Generation mit e2e-wireless 3.0 gehen
nun sogar einen entscheidenden Schritt weiter und tauschen
zusätzlich auch die Audio-Signale der Mikrofone in den
Hörgeräten untereinander aus. Damit kennt jedes Hörgerät
nicht nur die akustische Situation auf der eigenen Seite,
sondern dazu auch die des anderen Ohres. Neue Rechenver-
fahren nutzen – wie das Gehirn – die Tatsache, dass Sprach-
signale nicht an beiden Ohren gleich laut und gleich schnell
ankommen. Damit ergibt sich ein genauerer und vollstän-
digerer Eindruck der akustischen Umgebung. Diese hohe
Auflösung, genannt HDSR (high definition sound resoluti-
on), trägt erheblich dazu bei, dass sich der Nutzer besser auf
einen Gesprächspartner fokussieren und ihn damit leichter
aus den Umgebungsgeräuschen heraushören kann. So
reagiert beispielsweise beim Autofahren der Zieldetektor auf
den dominanten Sprecher und hebt ihn hervor. In großen
Neue Leichtigkeit
des Hörens
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Vitamin
W
– Das Gesundheitsmagazin für Wuppertal – Ausgabe 2.2016
Neues aus Medizin und Wissenschaft




