SCHWEIZER GEMEINDE 5 l 2016
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Wenn Pro
zu Kontra wird
Die Volksinitiative «Pro Service public» gefährdet das bewährte
Modell der Grundversorgung. Sie ist damit eine eigentliche
Kontra-Service-public-Initiative.
Der Service public geniesst in der
Schweiz einen sehr hohen Stellenwert.
Er ist ein Markenzeichen der Schweiz.
Das gelbe Postauto zirkuliert bis in die
hintersten Alpentäler und stiftet so ein
Gefühl von nationaler Identität. Eigent
lich wollen alle, dass dieser Service pu
blic aufrechterhalten und gestärkt wird.
So tönt natürlich auch eine Volksinitia
tive mit demTitel «Pro Service public»
auf den ersten Blick verlockend. Nur: Das
Pro ist in diesem Fall völlig irreführend.
Die Vermutung liegt nahe, dass sich die
Initianten gar nicht bewusst sind, wel
chen Schaden sie mit dieser Initiative
anrichten, sollte sie wider Erwarten am
5. Juni vom Stimmvolk angenommen
werden.
Grundversorgung schon lange definiert
So sagen die Initianten beispielsweise
immer wieder, die Grundversorgung
müsse definiert werden. Das sei ein Ziel
der Initiative. Nur: Die Grundversorgung
ist in den verschiedenen Fachgebieten
schon längst definiert. So gilt z.B. die
klare Regelung, dass jeder Haushalt und
jede Unternehmung in der Schweiz An
recht auf eine Breitbanderschliessung
mit mindestens 2 MBit/s hat. Das ist üb
rigens europaweit ein einsamer Spitzen
wert in der Grundversorgung. Wenn
man diese Grundversorgungsbestim
mung anpassen will, dann braucht es
eine Revision der Fernmeldedienstver
ordnung, nicht der Bundesverfassung.
Und wenn man will, dass die Swisscom
als Inhaberin der Grundversorgungs
konzession in den Ausbau der Breit
bandnetze investiert und in Zukunft zum
Beispiel 8 MBit/s zur Grundversorgung
gehören, dann muss die Swisscom Ge
winne erzielen können. Nur genau das
will die Initiative auch verbieten.
Investitionen dank Gewinnen
Die Initiative will zudem, dass die Grund
versorgungsleistungen von den übrigen
Bereichen abgetrennt werden. Das
würde im konkreten Fall vermutlich
bedeuten, dass der Grundversorgungs
bereich bei der Swisscom in eine eigen
ständigeAG ausgelagert werdenmüsste.
Querfinanzierungen zwischen demMut
terkonzern und dieser neuen Grundver
sorgungsAG wären dann – wiederum
gemäss Initiative – nicht mehr erlaubt.
Muss dann der Bund und damit in letzter
Linie der Steuerzahler die Grundversor
gung im Telekombereich finanzieren?
Heute kann die Swisscom dies aus eige
nen Mitteln finanzieren, weil sie eben
Gewinne erzielen darf und diese in den
Ausbau der Netze investiert. Dieses be
währte Modell wird mit der Initiative
leichtfertig aufs Spiel gesetzt. Die Initia
tive mutiert damit zu einer eigentlichen
KontraServicepublicInitiative.
Thomas Egger
Informationen:
www.servicepublic.chVorschau
In der nächsten Ausgabe berichten
wir u.a. über die GV des SGV sowie
das Thema «interkommunale Zu
sammenarbeit und Regionalentwick
lung». Das Gemeindeporträt führt
uns nach Schattdorf im Kanton Uri.
MOSAIK
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53. Jahrgang / Nr. 535 / Mai/mai
Herausgeber/éditeur
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Association des Communes Suisses
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Organisation Infrastructures communales
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Conférence des Secrétaires Municipaux
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Auflage/tirage (WEMF/REMP 2015/2016)
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Thomas Egger, Direktor der
Bild: zvg
Schweizerischen Arbeitsgemeinschaft
für die Berggebiete.




