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Seite 14

Lotsenfunktion für den Channel

Kundenberatung und -unterstützung ist und bleibt

also die vornehmste und zugleich anspruchsvolls-

te Aufgabe beim Handel mit Software. Schließlich

geht es auch in Zeiten von SaaS und Cloud darum,

die bestmögliche Lösung für seinen Kunden zu fin-

den, diese nötigenfalls auf Tauglichkeit zu testen

und sicher zu stellen, dass die Software sinnvoll

lokalisiert und weiter entwickelt wird – und ide-

alerweise die Möglichkeit für weiteren Umsatz

mit Mehrwertdiensten schafft. Daran werden die

Subskriptionsmodelle der Anbieter und der elekt-

ronische Softwarevertrieb nichts ändern.

Ganz im Gegenteil: Da die Ansprüche der Kunden

heute differenzierter und komplexer sind und es

wesentlich mehr Software- und App-Entwickler

für mehr Plattformen gibt als in den goldenen Ta-

gen des Boxenschiebens, ist die Beratungsaufga-

be wichtiger denn je. Das gilt auch für die Distribu-

tion. „Hand aufs Herz, welchem Systemhaus fällt

es leicht, selbst auch nur den Überblick über alle

verfügbaren Lösungen zu behalten, diese laufend

zu evaluieren und sich der Seriosität der Anbieter

zu versichern. Und das alles wohlgemerkt neben

dem Tagesgeschäft...“, fragte neulich die Crew

von Channelcast. Für Christian Meyer, Andreas

Raum und Markus Reuter steht fest, dass „...die

Cloud ein weites Feld ist, in dem sich reichlich Be-

tätigungsfelder und Mehrwerte auch für die Distri-

bution finden.“

Elektronische Softwaredistribution (ESD)

Im „Maschinenraum“ des Handels – also in der

Distribution – ist der Trend zum elektronischen

Softwarevertrieb jedenfalls schon angekommen:

Neben den traditionellen Boxen halten Unterneh-

men wie Ingram Micro für ihre Kunden im Handel

seit einiger Zeit auch nicht-physische Produkte

bereit.

Dabei ist der Aufbau einer ESD-Infrastruktur alles

andere als trivial und schnell erledigt. Denn eine

reibungslose Anbindung der Plattform an die Her-

steller-Backends erfordert gute Schnittstellen, und

die wollen erst einmal definiert sein und dann pro-

grammiert werden. Ist all das geglückt, erscheint

bei der Online-Bestellung eines ESD-Produkts

im Warenkorb des Fachhändlers ein Lizenz-Key

sowie ein entsprechender Download-Link nebst

Aktivierungscode. Diese Daten erhält der Händler

parallel auch per E-Mail und kann sie gleich an

seinen Kunden weitergeben und in Rechnung stel-

len. Erfreulicherweise erfolgt die Rechnungstel-

lung des Distributors erst, wenn die Software

beim Kunden freigeschaltet und heruntergeladen

wird. Anders als beim traditionellen Boxengeschäft

müssen Händler mit ESD also nicht in Vorleistung

gehen. Außerdem vergehen zwischen Bestellung

und Anlieferung beim Endkunden nur wenige Mi-

nuten. Für Einzelhändler mit Ladengeschäft und

vielen privaten Endkunden ist ESD gleich doppelt

praktisch: Sie müssen keine Schachteln mehr be-

vorraten und riskieren, auf Beständen sitzen zu

bleiben. Ebenso wenig müssen sie interessierte

Kunden vertrösten („ist nicht vorrätig, können wir

Ihnen aber gern bestellen...“). Stattdessen können

sie die fragliche Software über die Kombination

von ESD mit POSA (Point of Sales Activation) direkt

vor Ort an ihre Kunden verkaufen.

Integration ist Trumpf

Transformation ist ein hartes Brot, an dem nicht

nur die hiesige Wirtschaft und Industrie zu kna-

bbern hat, sondern auch ihre IT-Partner. Die

Aufgabenstellungen verändern sich und die Ver-

änderungen in der Softwareindustrie spielen nur

zukunftsorientierten, pragmatischen Häusern in

die Hände. „Die Kombination aus On-Premise und

Cloud ist für die Softwareindustrie die Königsdis-

ziplin. Diejenigen, die es schaffen, eine optimale

Koexistenz beider Modelle aufzubauen, werden

am Markt die Nase vorn haben.“ Das jedenfalls

ist die Überzeugung von Crisp Research, die sich

von den Prognosen anderer Marktforscher und

den Erwartungen der großen Distributoren kaum

unterscheidet. Sie alle rechnen mit einer „Konso-

lidierung“, sprich einer großen Pleitewelle in der

Softwarebranche und auf Seiten des Fachhandels.

Offenbar geht die Entwicklung immer mehr in

Richtung „Managed Service Provider“ (MSP) und

diese neue Rolle füllen noch nicht viele Anbieter

und Partnernetzwerke aus.

Gut stehen die Wachstumschancen hingegen für

Systemhäuser, die ihre Kunden bereits jetzt mit

umfassenden Dienstleistungen (von Applikati-

onsanpassung und Integrationsleistungen über

Cloud-/Rechenzentrumsdienste bis zum komplet-

ten Betrieb der IT) unterstützen. Zwar sind auch

die nicht 100-prozentig gegen die Wechselfälle

und Fallstricke des Software-Business gefeit, doch

wirken sie aufgrund ihres Erfahrungs- und Kom-

petenzvorsprungs für Neukunden gewiss vertrau-

enswürdiger als jemand, der sein Geschäft bisher

vor allem mit verpackten Produkten gemacht hat.

VORTEILE FÜR DEN FACHHANDEL

• Sofortige Verfügbarkeit (auch direkt

am POS in Ladengeschäften)

• Keine Lieferzeiten

• Keine Lagerhaltungskosten

• Keine Versandkosten

• Keine Kapitalbindung

• Vergrößerung der Angebotsbreite ohne

eigene finanzielle Vorleistung

• Rechnungstellung an den Händler er-

folgt erst, nachdem Kunden die Soft-

ware per Freischaltcode aktivieren

• Verkauf der jeweils aktuellsten

Produktversion

• Kein Stress mit Updates und Patches

25,1%

9,5%

21,1%

44,3%

Individualsoftware

Integration und

Consulting

Lizenzen Standard-

software und SaaS

Subscriptions

Reselling (Software

von Drittanbietern)

Quelle: Crisp Research für PIRONET NDH, 2014 | Basis: n=82

Umsatzverteilung in Softwarehäusern