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GOLF TIME
|
7-2017
www.golftime.deCLUB
FITTING
MARKETING VS. MATERIAL
uch wenn die Golfsaison sich
langsam dem Ende nähert,
bringen einige Firmen neue
Produkte auf den Markt
und werben selbstver-
ständlich mit den üblichen Versprechen
von mehr Länge und mehr Fehlerver-
zeihbarkeit. Doch wie sollen diese beiden
Parameter erreicht werden? Welche Tech-
nologien stecken dahinter? Und vor allem–
halten die Produkte das, was die Marke-
tingabteilungen der Hersteller verspre-
chen?
MATERIALMIX
Da einige Firmen (Callaway, Cleveland,
TaylorMade, Titleist) vor allem den Bereich
der Eisen neu aufstellen, werden wir uns
diesmal mit den Konstruktionsmerkma-
len und den Auswirkungen auf das Fitting
befassen. Ein großer Trend der vergange-
nen Jahre ist die
Kombination verschie-
dener Materialien
in einem Schlägerkopf,
um bestimmte Ziele zu erreichen. Das
Metall Wolfram wird in vielen Eisen-
designs genutzt, da es eine sehr hohe Dichte
und damit ein sehr hohes spezifisches
Gewicht aufweist.
Man braucht also relativ wenig Volumen,
um den Massenschwerpunkt deutlich zu
beeinflussen und nach den Vorstellungen
des Designers zu manipulieren. Mithilfe
dieses Metalls lässt sich also das Trägheits-
moment eines Schlägerkopfes stark beein-
flussen. Es gelingt, relativ kompakte Köpfe
zu konstruieren, die vergleichsweise ein-
fach zu spielen sind.
Ein sehr gutes Beispiel hierfür ist der
Titleist AP2
. Die Version
AP2 718
ist
vom gemessenen Trägheitsmoment des
Kopfes auf dem Niveau eines älteren
AP1. Für einen Golfer hat das zur Kon-
sequenz, dass sich sportlich aussehende
Schläger deutlich einfacher spielen lassen,
als das noch vor acht bis zehn Jahren der
Fall war. Der Nachteil von Wolfram ist,
dass es ein vergleichsweise teures Mate-
rial ist, das sich dann auch durchaus
auf den Verkaufspreis eines Eisens aus-
wirken kann.
EINGESETZTE SCHLAGFLÄCHEN
Ein zweiter Trend, der sich in den letzten
Jahren etabliert hat, sind die eingesetz-
ten
Schlagflächen
bei Eisen. Diese haben
zwei Effekte: Zum einen wiegt eine dünne
Schlagfläche aus speziellen, hoch festen
Legierungen weniger als eine normal dicke
geschmiedete oder gegossene. Das sorgt
für
freie Masse
im Schlägerdesign, die
wiederum dafür genutzt werden kann, sie
strategisch zu platzieren, im Sinne eines
höheren MOI (Trägheitsmomentes).
Der zweite große Vorteil ist, dass die
Ballgeschwindigkeiten höher
sind als bei
den meisten Eisendesigns, die aus einem
Stück gegossen oder geschmiedet werden.
Höhere Ballgeschwindigkeiten sind ver-
antwortlich für mehr Länge. Wenn ein Ball
bei gleicher Schlägerkopfgeschwindigkeit
mit mehr Tempo auf die Reise geschickt
werden kann, wird er logischerweise län-
ger unterwegs sein. Im Einzelfall kann das
Loft-bereinigt durchaus drei bis acht Meter
ergeben.
Der dritte Aspekt der eingesetzten
Schlagflächen steht im Zusammenhang
mit dem Thema Fehlerverzeihung. In
unserer Definition bedeutet dieser Begriff,
dasseinschlechtgetroffenerBallimmernoch
relativ viel Ballgeschwindigkeit erreicht,
was die Längenabweichung zwischen guten
und schlechten Schlägen verringert.
Ein mieser Schlag wird immer ein mie-
ser Schlag bleiben. Wenn aber der etwas
schlechter getroffene Ball nicht 15 Meter
Länge verliert, sondern nur acht Meter,
besteht gegebenenfalls noch die Chance,
über den Bunker zu spielen, oder ein
Wasserhindernis zu meiden. So etwas kann
dem Score am Ende der Runde durchaus
zuträglich sein.
NACHTEIL KLANG
Aber die eingesetzten Schlagflächen haben
auch Nachteile. Einer der größten ist der
Klang im Treffmoment
. Die meisten die-
ser Eisen klingen extrem blechern. Da nun
aber Klang und wahrgenommene Rück-
meldung sehr stark zusammenhängen,
werden diese Eisen oft als hart oder harsch
wahrgenommen.
Kombiniert man das dann noch
mit einem „Flusskiesel“ als Ball (reine
Distancebälle mit hartem Kern), dann
kommt selten Freude auf. Einige Firmen
versuchen hier Gegenmaßnahmen zu er-
greifen, wie PXG mit dem TPU Material
zum Befüllen ihrer Hohlkammereisen,
oder auch TaylorMade mit dem „Speed-
Foam“ in den neuen Produkten. Ob das
der Weisheit letzter Schluss ist, werden die
kommenden Monate zeigen.
VERGLEICHEN HILFT
Abschließend können wir aus der Erfah-
rung sagen, dass einige Konstruktions-
merkmale neuer Eisen sich sehr positiv
auswirken. Aber man sollte trotzdem
immer den direkten Vergleich im Auge be-
halten. Denn moderne Distanzeisen haben
schon mal sehr gern vergleichsweise wenig
Loft bei gleicher Eisenbezeichnung, was
dann logischerweise zu mehr Länge füh-
ren muss. Bevor Sie also über zehn Meter
Längenzuwachs im Rahmen eines Fittings
jubeln, lassen Sie immer auch den Loft
Ihrer bisherigen Eisen mit dem des neuen
Produktes vergleichen. Nur dann ist ein
ehrlicher Vergleich möglich.
GT
www.clubmategolf.comJOHANNES HERBIG
Jahrgang ’61,
Inhaber der Fitting-
Schmiede Clubmate Golf
mit Stützpunkten
in Pfungstadt und
im Jordan Golfdom,
Köln
GRETCHENFRAGE
Mehr Länge und mehr Fehlerverzeihung – geht das überhaupt?




