Previous Page  62 / 164 Next Page
Information
Show Menu
Previous Page 62 / 164 Next Page
Page Background

62

GOLF TIME

|

6-2016

www.golftime.de

CLUBS |

GolfreGeln Teil 5

O

ftmals bekommen wir die

Frage gestellt, wie entsteht eine

Decision? Was muss dafür pas-

sieren? Wer hat das angestoßen?

Wir schreiben das Jahr 2000. EPD Win-

terseries in Nordspanien. Das Wetter sehr

durchwachsen, kühl und stark windig.

Im Flight von Don Jaly ein Däne und ein

Schotte. Der Schotte hat gerade das letzte

Par 3 mit einem Doppelpar beendet und

seinen Ball aus Frust einfach weggeworfen.

Am Tee 8 wartet schon der Referee mit

der Aufforderung, das Spiel zu beschleu-

nigen. Nachdem Don Jaly und der Däne

nun schon abgeschlagen haben, kramt der

Schotte einen 3er Sleeve aus der Tasche,

unmarkiert – teet auf. „Titleist 4“ hört der

Referee. Der Schotte schlägt ab. Ein leichter

Hook befördert seinen Ball – halb verdeckt

von einem Hügel in Richtung Rough und

dem dahinterliegenden Wasserhindernis.

Da er nun nicht weiß, ob sein Ball außer-

halb des Wasserhindernisses oder innerhalb

liegt, überlegt er kurz und nimmt wieder

seinen Sleeve aus der Tasche. In Anbetracht

der Tatsache, dass der Referee schon unge-

duldig auf seine Uhr schaut, nimmt er den

nächsten Ball unmarkiert aus dem Sleeve

und teet ihn auf. „Titleist 4 provisorisch“.

Klare Ansage – aber der Ball fliegt mit

fast der gleichen Kurve in die Richtung

seines Vorgängers. Der Referee kommt

nun mit, denn er könnte ja mit seiner Hilfe

das Spiel beschleunigen. Nach ca. 210 m

hinter dem Rough, aber noch vor dem

Wasserhindernis, findet der Schotte nun

beide Bälle direkt nebeneinander. Beide

Titleist 4, beide unmarkiert. Er kann

also nicht sagen, welcher sein erster und

welcher sein zweiter Ball ist. Somit müsste

er eigentlich zum Abschlag zurück.

Hier entschied nun der Referee, dass

einer der Bälle auf jeden Fall weitergespielt

werden sollte, da es sich eindeutig um sei-

ne beiden Bälle handelte. Dieser sollte aber

auf jeden Fall der provisorische sein. Nach

diesem Vorfall entstand die Decision 27/11

mit all ihren Lösungen.

Decision 27/11

Provisorischer Ball kann

vom ursPrünglichen Ball nicht

unterschieDen werDen

Ein Golfer spielt einen provisorischen Ball

vom Abschlag in denselben Bereich wie

seinen ursprünglichen Ball. Beide Bälle

habenidentischeKennzeichenundderSpieler

kann sie nicht unterscheiden. Nachfolgend

verschiedene Situationen und Lösungen,

die auf Billigkeit (Regel 1-4) beruhen,

wenn einer oder beide Bälle innerhalb der

fünfminütigen Suchzeit gefunden werden

und die der jeweiligen Situation entspre-

chenden Umstände gegeben sind:

situation 1:

Ein Ball wird in einem

Wasserhindernis gefunden, der andere

wird nicht gefunden.

lösung 1:

Der gefundene Ball gilt als der

provisorisch gespielte Ball.

situation 2:

Beide Bälle werden in

einem Wasserhindernis gefunden.

lösung 2:

Da der Spieler keinen der Bälle

als seinen ursprünglichen Ball identifizie-

ren kann, gilt dieser als in dem Wasser-

hindernis verloren (siehe entsprechende

Entscheidung 27/10). So muss der Spieler

bezüglich des ursprünglichen Balls nach

Regel 26-1 verfahren (dazu muss er – falls

erforderlich – den Punkt schätzen, an dem

der Ball zuletzt die Grenze des Hinder-

nisses gekreuzt hat – siehe Entscheidung

26-1/17); sein nächster Schlag ist dann sein

dritter.

situation 3:

Ein Ball wird auf dem Platz

gefunden, der andere wird nicht oder im

Aus gefunden.

lösung 3:

Der auf dem Platz gefundene

Ball gilt als der provisorisch gespielte Ball.

situation 4:

Beide Bälle werden – ent-

weder in spielbarer oder unspielbarer Lage

– auf dem Platz gefunden und (1) ein Ball

ist in einem Wasserhindernis, der andere

nicht oder (2) beide Bälle liegen imGelände

oder in einem Bunker.

lösung 4:

Man könnte davon ausgehen,

dass jeweils beide Bälle als verloren gelten.

Aber es wäre unbillig, vom Spieler zu ver-

langen, dass er zum Abschlag zurückgehen

und dort seinen dann 5. Schlag spielen

muss, obwohl er beide Bälle gefunden hat,

aber nicht sagen kann, welcher von beiden

der ursprüngliche und welcher der provi-

sorische ist. Daher muss der Spieler einen

der beiden Bälle auswählen, ihn für seinen

provisorischen halten und den anderen

aufgeben.

gt

Dr. ulrike gartz unD

holger gartz

haben seit 1997 über 250 Turniere und

Turnierserien im Profi- und Amateurbereich

veranstaltet und organisiert. Als Spielleiter

sind beide seit 2005 im Golfverband Nieder-

sachsen-Bremen tätig. Dr. Ulrike Gartz hat

die Prüfung zum R&A Referee 2011 mit

Erfolg bestanden

Don Jaly

und die Decision