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GOLF TIME
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6-2016
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GolfreGeln Teil 5
O
ftmals bekommen wir die
Frage gestellt, wie entsteht eine
Decision? Was muss dafür pas-
sieren? Wer hat das angestoßen?
Wir schreiben das Jahr 2000. EPD Win-
terseries in Nordspanien. Das Wetter sehr
durchwachsen, kühl und stark windig.
Im Flight von Don Jaly ein Däne und ein
Schotte. Der Schotte hat gerade das letzte
Par 3 mit einem Doppelpar beendet und
seinen Ball aus Frust einfach weggeworfen.
Am Tee 8 wartet schon der Referee mit
der Aufforderung, das Spiel zu beschleu-
nigen. Nachdem Don Jaly und der Däne
nun schon abgeschlagen haben, kramt der
Schotte einen 3er Sleeve aus der Tasche,
unmarkiert – teet auf. „Titleist 4“ hört der
Referee. Der Schotte schlägt ab. Ein leichter
Hook befördert seinen Ball – halb verdeckt
von einem Hügel in Richtung Rough und
dem dahinterliegenden Wasserhindernis.
Da er nun nicht weiß, ob sein Ball außer-
halb des Wasserhindernisses oder innerhalb
liegt, überlegt er kurz und nimmt wieder
seinen Sleeve aus der Tasche. In Anbetracht
der Tatsache, dass der Referee schon unge-
duldig auf seine Uhr schaut, nimmt er den
nächsten Ball unmarkiert aus dem Sleeve
und teet ihn auf. „Titleist 4 provisorisch“.
Klare Ansage – aber der Ball fliegt mit
fast der gleichen Kurve in die Richtung
seines Vorgängers. Der Referee kommt
nun mit, denn er könnte ja mit seiner Hilfe
das Spiel beschleunigen. Nach ca. 210 m
hinter dem Rough, aber noch vor dem
Wasserhindernis, findet der Schotte nun
beide Bälle direkt nebeneinander. Beide
Titleist 4, beide unmarkiert. Er kann
also nicht sagen, welcher sein erster und
welcher sein zweiter Ball ist. Somit müsste
er eigentlich zum Abschlag zurück.
Hier entschied nun der Referee, dass
einer der Bälle auf jeden Fall weitergespielt
werden sollte, da es sich eindeutig um sei-
ne beiden Bälle handelte. Dieser sollte aber
auf jeden Fall der provisorische sein. Nach
diesem Vorfall entstand die Decision 27/11
mit all ihren Lösungen.
Decision 27/11
Provisorischer Ball kann
vom ursPrünglichen Ball nicht
unterschieDen werDen
Ein Golfer spielt einen provisorischen Ball
vom Abschlag in denselben Bereich wie
seinen ursprünglichen Ball. Beide Bälle
habenidentischeKennzeichenundderSpieler
kann sie nicht unterscheiden. Nachfolgend
verschiedene Situationen und Lösungen,
die auf Billigkeit (Regel 1-4) beruhen,
wenn einer oder beide Bälle innerhalb der
fünfminütigen Suchzeit gefunden werden
und die der jeweiligen Situation entspre-
chenden Umstände gegeben sind:
situation 1:
Ein Ball wird in einem
Wasserhindernis gefunden, der andere
wird nicht gefunden.
lösung 1:
Der gefundene Ball gilt als der
provisorisch gespielte Ball.
situation 2:
Beide Bälle werden in
einem Wasserhindernis gefunden.
lösung 2:
Da der Spieler keinen der Bälle
als seinen ursprünglichen Ball identifizie-
ren kann, gilt dieser als in dem Wasser-
hindernis verloren (siehe entsprechende
Entscheidung 27/10). So muss der Spieler
bezüglich des ursprünglichen Balls nach
Regel 26-1 verfahren (dazu muss er – falls
erforderlich – den Punkt schätzen, an dem
der Ball zuletzt die Grenze des Hinder-
nisses gekreuzt hat – siehe Entscheidung
26-1/17); sein nächster Schlag ist dann sein
dritter.
situation 3:
Ein Ball wird auf dem Platz
gefunden, der andere wird nicht oder im
Aus gefunden.
lösung 3:
Der auf dem Platz gefundene
Ball gilt als der provisorisch gespielte Ball.
situation 4:
Beide Bälle werden – ent-
weder in spielbarer oder unspielbarer Lage
– auf dem Platz gefunden und (1) ein Ball
ist in einem Wasserhindernis, der andere
nicht oder (2) beide Bälle liegen imGelände
oder in einem Bunker.
lösung 4:
Man könnte davon ausgehen,
dass jeweils beide Bälle als verloren gelten.
Aber es wäre unbillig, vom Spieler zu ver-
langen, dass er zum Abschlag zurückgehen
und dort seinen dann 5. Schlag spielen
muss, obwohl er beide Bälle gefunden hat,
aber nicht sagen kann, welcher von beiden
der ursprüngliche und welcher der provi-
sorische ist. Daher muss der Spieler einen
der beiden Bälle auswählen, ihn für seinen
provisorischen halten und den anderen
aufgeben.
gt
Dr. ulrike gartz unD
holger gartz
haben seit 1997 über 250 Turniere und
Turnierserien im Profi- und Amateurbereich
veranstaltet und organisiert. Als Spielleiter
sind beide seit 2005 im Golfverband Nieder-
sachsen-Bremen tätig. Dr. Ulrike Gartz hat
die Prüfung zum R&A Referee 2011 mit
Erfolg bestanden
Don Jaly
und die Decision




