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GOLF TIME
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4-2016
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sität. Als wir am Landepunkt angekommen
sind, blockiert ein mannshohes Gewächs
Seves Schwungebene. Ratlos blickt Manuel,
selbst angehender Golflehrer, zu seinem jün-
geren Bruder.
„Ich wette, gleich geht er in die Knie“, flüs-
tert mir Bubba zu. Und wirklich, Seve kniet
sich hin und versucht, den Ball mit seinem
kleinen Holz unter den Büschen hindurch-
zubefördern. Nach zwei Probeschwüngen
gelingt ihm ein sauberer Kontakt. Die Kugel
schießt ungehindert unter den Sträuchern
hinüber zum Fairway und bleibt etwa 150
Meter entfernt im Vorgrün liegen. Bubba
klatscht verzückt Beifall und ruft auf Eng-
lisch: „Ein echter Klassiker! Bravo, Seve!“
Etwas schüchtern lächelnd nickt der junge
Spanier dem Amerikaner zu.
„Mal sehen, was wir hier haben“, meint
Bubba, als wir sein Spielgerät inmitten der
Bäume rechts der ersten Bahn finden. Seve
und Manuel begutachten die scheinbar aus-
weglose Lage, in der sich Bubbas Ball befindet.
Nur durch eine schmale Gasse zwischen den
eng stehenden Bäumen kann man das Grün
in einer Distanz von etwas mehr als 100 Me-
tern erahnen. Bubba nimmt Maß und zieht
mit dem Sand-Wedge voll durch. Der Ball
zischt wie an der Schnur gezogen durch die
enge Schneise, bleibt jedoch noch im Steigflug
begriffen an einem Baum hängen.
Bubba legt einen weiteren Ball an die
gleiche Stelle. „Sag ihm, ich zahle ihm 100
Dollar, wenn er den bis auf das Grün be-
fördern kann.“
Ich erkläre den Ballesteros-Brüdern Bub-
bas Angebot. Seve zuckt mit den Achseln und
greift wieder zu seinem kleinen Holz. Mit
einem elegant ausgeführten Punch drischt
er den Ball flach nach vorne. Dieser beginnt
nach der halben Distanz leicht anzusteigen
und donnert schließlich geräuschvoll durch
die Äste der letzten Baumreihe. Derart ab-
gebremst, prallt das Spielgerät über die gras-
bewachsenen Erhebungen rund um das Grün
hindurch und passiert auch noch die beiden
Sandbunker. Nur drei Meter neben der Fahne
kommt der Ball zum Stillstand.
„Madre de dios!“, entfährt es Manuel,
Watson ist sichtlich begeistert. Bubba schenkt
Seve den Punkt am erste Loch.
Die zweite Spielbahn heißt „La Rivera“
und ist ein mittellanges Par 3 ohne allzu-
viele Möglichkeiten, sich in Schwierigkeiten
zu bringen. Lustlos spielen die beiden das
Grün mittig an und benötigen jeweils zwei
Putts, um ins Loch zu kommen.
Die dritte Bahn „Colchón“ hingegen ist
ein kurzes, aber sehr enges Par 4. Seve ver-
zieht in den Fairwaybunker rechts, Bubba
drischt seinen Ball links über die
Bäume in Richtung der dahinter
verlaufenden 17, genannt „Las Cue-
vas“, wo er im Rough zwischen Wald
und Fairway liegen bleibt.
Erneut bietet Watson dem jungen Spanier
100 Dollar, sollte er Bubbas Ball bis auf das
Grün befördern können. Seve greift zu sei-
nem Eisen 9 und lässt die Kugel fast parallel
zur Baumreihe starten. Als dieser die Höhe
der Baumwipfel erklommen hat, zieht der
Ball plötzlich wie von Geisterhand gezogen
nach rechts und beschreibt schließlich eine
komplette 90-Grad-Kurve. Bubba klatscht
verzückt Beifall und sprintet an der Seite von
Manuel durch die Bäume zum Grün.
Begeistert klatscht er mit Manuel ab und
steckt ihm einen Geldschein zu.
Bubba schlägt vor, das Matchplay zu ver-
gessen und lässt mich schon jetzt die verein-
barte Gewinnsumme an Manuel auszahlen.
Ganz in der Rolle des spleenigen Millionärs
aus Amerika aufgehend, heckt er fortan mit
Seve immer verrücktere Lagen aus, die es für
diesen zu meistern gilt.
„220 Meter aus dem Bunker auf das Grün,
und der Ball liegt deutlich unterhalb der Bun-
kerkante“, sprudelt es aus dem völlig über-
dreht wirkenden Bubba heraus. „Damit hat
... wird er 1983 gegen Fuzzy Zoeller im Ryder
Cup den Punkt gewinnen. Unfassbar, dass er
den schon drauf hat.“
Bubba und Seve umkurven Toilettenhäus-
chen, befördern Lobshots mit dem Rücken
zum Grün direkt an die Fahne oder üben sich
im einbeinigen Grünbunkerspiel. Die Aufga-
benstellungen werden immer absurder, doch
Seve fällt selbst aus der scheinbar ausweg-
losesten Lage immer noch ein Schlag ein, der
ihn zurück ins Spiel bringt.
Schließlich kommen wir in Sichtweite des
Parkplatzes. Obwohl wir von einem Taxi zum
Golfclub gefahren wurden, schreitet Bubba
suchend zwischen den Autos herum. Neben
einem grünen Seat 133 und einem roten Bar-
reiros Simca schließlich bleibt er stehen und
legt einen Ball auf einen schmalen Grün-
streifen direkt zwischen den beiden Fahr-
zeugen. Hinter einer Hecke befindet sich
das 18. Grün, doch um dieses zu erreichen,
müssen erst vier Reihen teuer aussehender
Automobile überwunden werden, wobei das
erste Modell, ein Mercedes der S-Klasse, nur
etwa fünf Meter vom Ball entfernt parkt.
„Ay, Hombre“, nimmt mich Manuel zur
Seite. „Das ist ein Privatclub. Seve und ich
sind hier nur geduldet. Wenn wir ein Auto
demolieren, fliegen wir alle hochkant raus.“
Ich erkläre Bubba die Lage, der grinsend ein
weiteres Bündel Geldscheine zutage fördert.
„Sag ihm, ich zahle 500 Dollar für den
Grüntreffer, und sollte das Auto beschädigt
werden, behaupte ich, dass ich es gewesen bin.“
„Kein Schaden“, ruft Seve uns in gebroche-
nem Englisch zu und holt aus, bevor Manuel
einen Einwand erheben kann. Der Ball fliegt
haarscharf über die Autodächer hinweg und
verschwindet hinter der Hecke.
Bubba steht an dem Magnolienbaum, den
Seve auf seinem Anwesen in Pedreña selbst
gepflanzt hat. Nur eine Steintafel mit der be-
rühmtgewordenen Jubelpose von der Open
Championship 1984 markiert die Stelle, an
der sein Sohn Javier vor einer Woche die
Asche seines Vaters verteilt hat. In einiger
Entfernung ist Kirchengeläut zu hören. Die
Glocken von Pedreña haben auch für jeden
einzelnen von Seves 91 Turniersiegen geläu-
tet. Und auch während seiner Trauerfeier.
Bubba wirft noch einen letzten Blick auf
die Ruhestätte seines großen Idols. „Danke“,
sagt er leise.
Ich nicke ihm wortlos zu und schlucke den
Kloß in meinem Hals herunter.
gt
BuBBa
WatSon
geboren:
5. November 1978
in Bagdad, Florida
besonderheiten:
Golf-Autodidakt und
zweifacher Majorsieger –
bezeichnet Ballesteros
und dessen Fähigkeit,
selbst in scheinbar aus-
weglosen Situationen
eine Lösung zu finden,
als größte Inspiration für
sein „Bubba-Golf“.




